Feb 212012
 
<<    #051 von 999 Gesichtern    >>

Waldemar Otto

Wer eine Kerze in der Hand hat, signalisiert: Ich habe keine Hand frei, um Steine zu werfen.

Prof. Waldemar Otto aus Worpswede zitiert den ehemaligen Leipziger Pfarrer und Mitinitiator der der Montagsgebete Christian Führer, als er uns vor den Transparente schwingenden Arbeitsmodellen seinen Entwurf für das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf der Schlossfreiheit in Berlin seine Absichten erläutert. Die Proteste in Leipzig und Berlin spielen eine große Rolle, Gewaltlosigkeit ist ihm ein wichtiger Aspekt.

Nach langer Pause für die 999 Gesichter hatte ich am Samstag das große Vergnügen, einen schon lange geplanten Besuch mit der Kamera abstatten zu dürfen. Und nicht nur der Besuch selbst, sondern auch der darauf folgende Sonntag der Recherche hat mich beeindruckt und bereichert. Nur mal ein Beispiel: ich blättere auf den Seiten der Hermitage in St. Petersburg, eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Was steht dort im Room of European Art of the 20th Century, unter einem Dach mit Werken von Michelangelo, Rodin, da Vinci, Rembrandt, Goya und dergleichen?

Der Mann im November steht da, geschaffen von Waldemar Otto, schlichtweg einem der bedeutendsten zeitgenössischen Bildhauer. Und wer es so schnell nicht in die Hermitage schafft, hat in zahlreichen deutschen Städten und auch im Ausland gute Chancen, seine Skulpturen auf öffentlichen Plätzen und in Gebäuden zu sehen: Berlin, Bremen, Bremerhaven, Duisburg, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Lübeck, Osnabrück, Rostock oder Chicago, Hahnville und Indiana in den USA. Oder auch diesseits des Tellerrandes den Neptunbrunnen auf dem Bremer Domshof, den Christopherusbrunnen an der Osterholzer Klosterkirche, den Bacchusbrunnen an der Großen Kunstschau in Worpswede oder Bulle & Bär vor der Kreissparkasse in OHZ.

Aber viel mehr noch als die internationalen Anerkennung haben mich die Präsenz und Anteilnahme beeindruckt, die Otto ausstrahlt. Viele seiner Werke übrigens auch, was mir so nicht bewusst war. Die Werkgruppe Agamemnon und Iphigenie beispielsweise, 2002 aus Trauer und Zorn über den unmittelbar bevorstehenden Irakkrieg mit einer Skulptur des Agamemnon initiiert, als dunkles und bedrohliches Symbol der Machtgier. Über viele Jahre bis 2011 fortgeführt mit mehreren Instanzen der Iphigenie als weiterer Hauptfigur. Die in der griechischen Mythologie für günstige Winde geopferte Tochter steht und liegt für Menschlichkeit, Sehnsucht und Verzweiflung als Gegenpole zur Machbesessenheit des Vaters.

Otto wurde am 30. März 1929 in Petrikau bei Lodz geboren. Er studierte Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, wo er mit Unterbrechungen bis 1972 lebte. 1973 trat er eine Professur an der Hochschule für Gestaltung (heute Hochschule für Künste) in Bremen an und lebt jetzt seit über 35 Jahren in Worpswede.

 21. Februar 2012  Veröffentlicht von  Gesichter, Kultur, Schaufenster, Worpswede Keine Antworten »
Nov 292011
 
<<    #050 von 999 Gesichtern    >>

Detlef Gödicke
Detlef Gödicke aka accordioso, aufgenommen am vergangenen Sonntagmorgen auf Gut Sandbeck. Detlef (Musik) und ich (Fotos) hatten das Vergnügen, die erste Teilstrecke der Winterfahrt ins Teufelsmoor zu gestalten. So ganz nebenbei hat er dabei meine über Jahrzehnte gepflegten Vorurteile über Ziehharmonikas zunichte gemacht.

Weil er tatsächlich genau das tut, was er auf seiner Webseite verspricht:

Gehobene Unterhaltungsmusik … immer mit dem richtigen Gespür für die Situation, nie anmaßend, immer auf der Höhe des Publikums, vordergründig und dennoch im Hintergrund, säuselnd, schmeichelnd, gepflegt und anmutig.

Detlef hat am Hohner-Konservatorium Musiklehrer studiert und betreibt seit über 20 Jahren das Musicland-OHZ zusammen mit Udo Schloen in der Bahnhofstr. 63. “Nebenbei” ist er Erfinder, musikalischer Leiter der Bremer New Fashion Band, Akkordeonist der Irish Bastards aus Hamburg, Inhaber des gödikus musikverlag und Musikproduzent (u. a. aktuell von War das Alles von Kay Ray feat. Candy Race).

Jetzt habe ich bestimmt irgendwas vergessen … ach ja, “Weites Land” produziert und vertont er auch. Kein Wunder, dass ihm die Vertonung der Teufelsmoorbilder so leicht von der Hand ging.

 29. November 2011  Veröffentlicht von  Gesichter, Kultur  Keine Antworten »
 
<<    #049 von 999 Gesichtern    >>

Gabi Tausendpfund
Am letzten Montag haben wir anlässlich der Premiere der Offenen Ateliers OHZ auch deren Hauptorganisatorin Gabi Tausendpfund in Buschhausen besucht, wo sie mit Ekke Dahle, Helmut von Kotzebue und Rotraud Schmitter Einblicke in ihre Arbeit gab. Frau Tausendpfund ist Vorsitzende des Kunstvereins Osterholz und 2-fache Preisträgerin des Publikumspreises des Kunstpreises (Landkreis Osterholz).

Ihre Installation “Nicht vorüber”, mit der sie diesen Preis 2008 gewann, hat mich seinerzeit in der Großen Kunstschau in Worpswede mächtig beeindruckt. In 36 Bildern und einem dazugehörigen Künstlerbuch zeigt sie viele Facetten des damaligen Wettbewerbsmottos “Heimat” so nachdrücklich und anrührend, dass mir fast Tränen in den Augen standen. Viele der Skizzen und Interview-Schnippsel hatten naturgemäß einen sehr unmittelbaren und persönlichen Bezug zur hiesigen Region, der Gabi Tausendpfund auf diese Weise ein sehr menschliches Gesicht gegeben hat. Anhand des damals von J. Hartje gedrehten Interviews (bei youtube) kann man das ein wenig nachvollziehen. Ich jedenfalls bin auch deshalb sehr dankbar, Frau Tausendpfund, dass ich Sie bei den 999 Gesichtern zeigen darf!

Interessierten vermittelt Gabi Tausendpfunds Webseite einen ersten Einblick in ihr Schaffen, außerdem sind einige ihrer Werke verschiedener Stile und Schaffensperioden bis zum 3. November 2011 im Atrium der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (Schwachhauser Heerstr. 26-28) zu sehen.

 
<<    #048 von 999 Gesichtern    >>

Maren Arndt
Maren Arndt vor einem “ihrer” wunderbaren Bäume. Am Tag der Offenen Ateliers OHZ trafen wir Maren auf Gut Sandbeck, wo sie eine Probe ihrer Fotokunst ausgelegt und ausgehängt hatte und Interessierten einen Einblick in die Verarbeitung digitaler Bilddaten am PC gab.

Über Marens Arbeiten habe ich hier 2007 und 2008 schon einmal berichtet und dabei auf ihre wunderbaren Fotos aus der Teufelsmoorregion hingewiesen. Regelmäßige Leser des Osterholzer Kreisblattes kennen und erkennen ihre Landschaftsaufnahmen seit vielen Jahren, in letzter Zeit insbesondere ihre Insekten und Wildblumen. In unzähligen Ausstellungen und Veröffentlichungen hat sie dazu beigetragen, dem Teufelsmoor die ihm zustehende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Einen sehr guten Einblick erhält man auf ihrer Webseite und in dem Buch “Im Teufelsmoor” mit Marens Bildern und historischen Texten von Johann Georg Kohl.

Ich danke dir, Maren, für’s Mitmachen bei den 999 Gesichtern!

 
<<    #047 von 999 Gesichtern    >>

Hans-Jürgen Wormeck

Wer angesichts meiner Kunst etwas fühlt, ist mir auf der Spur. Kunst ist nicht an Raum und Zeit gebunden, an keine Moral, an keine Konvention. Sie geht von einem Ort aus, den es gibt, und sucht einen anderen Ort, der in uns selbst ist. Sie umkreist unser Innen.

Nur so viel: meine Kunst ist ein Geheimnis. Was immer wir darüber sagen, wie immer wir es lüften wollen, wie immer wir es teilen – es bleibt eines. Es hat die Qualität von Animation, von Einkehr und einem unendlichen Weg.    (Hans-Jürgen Wormeck – zitiert aus seinem Blog)

Der Künstler und Kunstpädagoge Hans-Jürgen Wormeck ist ein “Querdenker, Poet, Forscher und Spieler”, wenn man seiner Biografie bei kuenstlergruppe.de glauben darf. Und ich bin geneigt, das zu tun. Gestern war er unsere erste Anlaufstation bei der Premiere der Offenen Ateliers 2011 in OHZ und ich war mehr als beeindruckt. Hauptsächlich von seiner Präsenz und Verbindlichkeit, und gerade das fand ich bemerkenswert. Zweifellos auch seine in rauhen Mengen im Haus verstreuten Kunstwerke, na klar. Ganz besonders aber deren Schöpfer, der uns um sie herum und durch sie hindurch führte. Und der mit seinen 70 Jahren mit leuchtenden Augen von seinen jüngsten Erlebnissen als Rakubrenner berichtete. Ich hoffe, ich darf das mit dem Alter überhaupt schreiben, aber er schreibt es schließlich selbst so ins Internet, auf seinem Blog und seiner Homepage.

Dankeschön, Herr Wormeck, für die interessante und kurzweilige Führung durch Ihr Reich. Und für’s Mitmachen bei den 999 Gesichtern!

 
<<    #046 von 999 Gesichtern    >>

Susanne Bödeker
Längst kein Geheimtipp mehr: Susanne Bödeker hat 2011 am Scharmbecker Markt das Carpe Diem (“Kaffee, Köstlichkeiten und Kreatives”, Marktstraße 9) eröffnet und erfreut sich stetig wachsender Beliebtheit. Der mittlerweile (fast) obligatorische Latte macchiato am Marktfreitag ist so lecker, dass wir jetzt auch den Außer-Haus-Verkauf von Lloyd-Caffee sehr gerne nutzen. Unser aktueller Spitzenreiter für Filterkaffee: Best of Brazil von der Fazenda de Lagoa.

Ich freue mich jetzt schon seit Monaten in wöchentlicher Regelmäßigkeit über diesen Zuwachs am Scharmbecker Markt. Zeigt er doch auch, dass der Ortskern keineswegs zum Aussterben verurteilt ist. Wenn nur jemand ein bisschen Schwung, Qualitätsbewusstsein, Freundlichkeit und Durchhaltevermögen mitbringt. Gutes Gelingen, Frau Bödeker, schön dass Sie da sind!

 
<<    #045 von 999 Gesichtern    >>

Torben Breden
Torben Breden ist wie Philipp Rettungsassistent und ehrenamtlicher OrgL in der Örtlichen Einsatzleitung (ÖEL) beim Landkreis Osterholz. Schon diese ehrenamtliche Tätigkeit ist meines Erachtens einer besonderen Erwähnung wert, und ich kann das durchaus beurteilen. Das gilt natürlich für alle Mitglieder der ÖEL und der SEG gleichermaßen.

Damit nicht genug, Oberlöschmeister Breden engagiert sich auch noch bei der Freiwilligen Feuerwehr Scharmbeckstotel. Springt vor drei Jahren bei der Rettungsaktion nach dem Torfkahnunfall bei Neu Helgoland in die Hamme, taucht durch Planenöffnung und Gestänge des Kahns zu den eingeschlossenen Frauen und rettet sie ins Freie. Was ihm die Niedersächsische Rettungsmedaille und den Hans-Dietrich-Genscher-Preis eingebracht hat.

Und dieser Mensch fühlt sich geehrt und bedankt sich, dass ich ihn wegen der 999 Gesichter gefragt habe … Torben, geht’s noch?? Ich danke dir, so wird ein Schuh draus. Es ist mir eine Ehre. Punkt.

 
<<    #044 von 999 Gesichtern    >>

Philipp Kuhnke
Wie Hermann und ein halbes Hundert anderer Ehrenamtlicher hat sich auch Philipp Kuhnke gestern seinen Sonntag-Vormittag mit einer “Trockenübung” des Ernstfalles um die Ohren geschlagen. Philipp ist Rettungsassistent beim DRK und ehrenamtlicher OrgL in der Örtlichen Einsatzleitung beim Landkreis Osterholz. In dieser Funktion war er gerade dabei, im Versorgungszelt der SEG die im Einsatz zur Verfügung stehenden Materialien zu sondieren. Diese Szene haben wir für das Porträt dann noch einmal “nachgespielt”, danke Philipp!

Das Foto hatte übrigens noch ein angenehmes Nachspiel. Nachdem ich Philipp die Bilder vorhin geschickt hatte, hat er sie als “richtig gute Fotos” bezeichnet. Gefällt mir, zumal ich sein fotografisches Auge (mal DA vorbeischauen!) gut leiden kann!

 
<<    #043 von 999 Gesichtern    >>

Hermann Spang
Hermann Spang in seinem Element, zumindest wie ich ihn jetzt seit über einem Jahrzehnt kenne. Hermann ist in seiner “Freizeit” Leiter der Kreisbereitschaft des DRK Osterholz und der SEG im Landkreis Osterholz. Und da ich meine Freizeit (neben dem Knipsen) ähnlichen Hobbys gewidmet habe, laufen wir uns in schöner Regelmäßigkeit bei Bombenräumungen und anderen rettungsdienstlichen Großeinsätzen sowie Übungen und Dienstbesprechungen über den Weg. Und immer scheint Hermann guter Stimmung zu sein, was sich gerade in derartigen Situationen als außerordentlich angenehm und nützlich erweist.

Das Foto ist heute morgen entstanden, nachdem die SEG an der Stadthalle die Zelte für die Sichtung und Versorgung von Verletzten aufgebaut hatte. Wir haben danach mit Hermann die Ausrüstung in Augenschein genommen und ich konnte eine kurze Pause für die 999 Gesichter nutzen, danke Hermann!

 
<<    #042 von 999 Gesichtern    >>

Heiner Saade
Ergiebiger und strömender Regen, so begann der Sonntag des Osterholzer Erntefestes. Heiner Saade, Ehrenvorsitzender des Erntefestkomitees, begrüßte die Gäste seines Empfanges trotzdem in bester Stimmung … und niemand ließ sich vom Wetter stören.

Es freut mich, dieses Porträt bei den 999 Gesichtern einreihen zu dürfen (vielen Dank, Herr Saade!), denn das Familienunternehmen Saade ist eine Institution in der Teufelsmoorregion. Seit über 135 Jahren ist es mit der Lokalzeitung, dem heutigen Osterholzer Kreisblatt verknüpft. Außerdem ist eine Vielzahl der heimatgeschichtlichen Literatur im Verlag Saade erschienen. Heiner Saade ist alleiniger Gesellschafter der Druck und Medien H. Saade GmbH und geschäftsführender Gesellschafter der Osterholzer Zeitungsverlag GmbH, Herausgeberin des Osterholzer Kreisblatts.

Urgroßvater Heinrich Julius Erdmann Saade war Setzer und Drucker. Er kam aus Zielenzig in Brandenburg (heute Polen) nach Scharmbeck, um für eine Vegesacker Druckerei die hiesige Filiale zu führen. Nach seiner Heirat mit der Tochter von Gastwirt Johann Friedrich Böhme in der Osterholzer Hauptstraße 88 (später Findorffstraße 15) baute er im Hinterhaus eine Druckerei auf, notierte die Tresengespräche und baute darauf eine Zeitung auf. Am 18. Dezember 1875 gab er das erste Osterholzer Wochenblatt heraus, das ab 1878 als Kreisblatt für den Kreis Osterholz 3-mal wöchentlich und ab 1883 dann werktäglich erschien. 1912 zogen Druckerei und Verlag in die Bördestraße um. Nach dem Zweiten Weltkriegs erschien das Blatt ab April 1945 als Osterholzer Kreisblatt zunächst als Wandzeitung mit ausschließlich amtlichen Meldungen, ab September 1949 dann schließlich wieder als Tageszeitung. 1971 wurde das Kreisblatt in die Osterholzer Zeitungsverlag GmbH überführt und erscheint seither als regionale Beilage von Weser-Kurier und Bremer Nachrichten.