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Archiv zum Thema: Geschichte

Bahnhofstraße 105

Jüdisches Mahnmal Osterholz-Scharmbeck

Die ehemalige Synagoge nach der Reichspogromnacht 1938

Das Grundstück an der Bahnhofstraße 105 (früher Chausseestraße und Bahnhofstr. 136) im Zentrum von Osterholz-Scharmbeck ist überaus geschichtsträchtig. Das heutige Wohn- und Geschäftshaus mit den Hausnummern 99-105a steht erst seit 2005, an seinem unteren Ende befand sich noch bis 2004 das Gebäude der ehemaligen jüdischen Synagoge.
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Mahnmal Bahnhofstraße

Mahnmal in Osterholz-Scharmbeck

Granitplatte und Stelen

Gedenktafel am Mahnmal Osterholz-Scharmbeck

Gedenktafel

An der Bahnhofstraße 105 in Osterholz-Scharmbeck befindet sich heute eine Gedenkstätte für die hiesigen jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Das von Steinmetzmeister Wolfgang Strauß aus der Langen Straße geschaffene Mahnmal steht auf dem Grundstück der ehemaligen jüdischen Synagoge, die in der Reichspogromnacht 1938 von SA und sympathisierenden Bürgern der Stadt in Brand gesetzt, von der örtlichen Feuerwehr unter dem Kommando von Fritz Torbohm aber gelöscht und vor der Zerstörung bewahrt wurde.
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Bahnhof Osterholz-Scharmbeck

Alte Postkarte um 1910

Im Januar 2012 ist der Bahnhof Osterholz-Scharmbeck 150 Jahre alt geworden. Genau am 23. Januar 1862 wurde er mit der Bahnverbindung Bremen-Geestendorf (Geestemünde) in Betrieb genommen. Seither hat er einiges mitgemacht und anderthalb Jahrhunderte Bahnhofsgeschichte erzählen viel über die Geschichte des heutigen Osterholz-Scharmbeck und seiner Bewohner. Im Laufe der Jahre hat der Bahnhof viele Rollen gespielt: Vom Inbegriff des Modernen über das Wirtschaftszentrum der Stadt bis hin zum nahezu überflüssigen Streitobjekt. Nicht zu vergessen seine namensgebende Rolle: Mit seiner Bezeichnung “Osterholz-Scharmbeck” war er dem Zusammenschluss der Orte Osterholz und Scharmbeck 65 Jahre voraus.
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Moorexpress

Moorexpress in Osterholz

Moorexpress in Osterholz

Ab 1. Mai geht’s wieder los: Der Moorexpress (mehr Fotos …), Traditionsbahn im Elbe-Weser-Dreieck, verkehrt von Mai bis zum 5. Oktober nach Fahrplan an Wochenenden und Feiertagen zwischen Bremen und Stade und unternimmt in den Wintermonaten Sonderfahrten (Saison 2012/13) u. a. zu den Weihnachtsmärkten Stade, Osterholz-Scharmbeck und Worpswede.
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Dampfschnellzug Rheingold

Dampfschnellzug Rheingold am Bahnhof OHZ

Dampfschnellzug Rheingold am Bahnhof OHZ

Am 14. Dezember konnte man sich für einige Minuten in die 1940er Jahre zurückversetzen lassen … sofern man sich am Samstagmorgen trotz Nieselregens um 7.35 Uhr am Bahnhof eingefunden hatte.

Ein Sonderzug von NostalgieZugReisen.de hatte sich unter dem Namen Dampfschnellzug Rheingold auf den Weg von Bremerhaven zum Weihnachtsmarkt nach Goslar gemacht. Die 1940 gebaute Schnellzugdampflok 03 1010, letzte betriebsbereite Dampflokomotive der 03.10-Reihe zog 8 Wagen des historischen Rheingold-Express aus den Jahren 1928/29 und 1962. Hinten angekoppelt eine Siemens-Diesellok der Eurorunner-Reihe, aber wohl weniger aus nostalgischen als vielmehr aus Sicherheitsgründen.

Einer der Eisenbahn-begeisterten Fahrgäste hatte mich dankenswerter Weise darauf aufmerksam gemacht, eigentlich wollte ich ein richtig nostalgisches Foto von der Dampflok vor dem Bahnhofstgebäude machen. Die entsprechende Standortsuche im Nieselregen verlief aber frustrierend, so sind mir letztlich nur ein paar Aufnahmen vom Bahnsteig geblieben. Seltenheitswert hat’s ja trotzdem …

Marktstr. 2

Marktstraße in Scharmbeck ca. 1920

Marktstr. 2 (re. im Bild)
(Postkarte vermutlich um 1915. Die Kirchenstraße ist eigentlich nicht abgebildet, sie beginnt erst an der Willehadi-Kirche im Hintergrund)

Marktstr. 2 (früher Hinter der Wurth bzw. Marktplatz) ist heute ein Geschäftshaus an der Ecke Bahnhofstr./Marktplatz, das der Eigentümergemeinschaft Stehnke gehört. Von 1999 bis 2009 war hier das Postamt, seither eine “Post-Partner-Filiale” in den Geschäftsräumen von des Schreibwarenladens “Kolibri” (Inh. Birgit Reuter). Ende März 2014 wird die Post-Filiale hier schließen, was im Dezember 2013 eine lebhafte Diskussion im Kreisblatt und einschlägigen Internet-Foren zur Folge hatte.

Das zentral gelegene Grundstück hat eine bewegte Geschichte hinter sich, die den Wandel vom Bauerndorf zur Kreisstadt illustriert. Viele Jahrhunderte stand hier einer der acht Vollhöfe Scharmbecks, das alte Bauernhaus existierte bis 1957. Besitzer waren: 1534/36 Segelke Tytken; 1629 Hinrich Titken. 1637, 1650 und 1670 Hinrich Tietjen (auch Titken und Titcken). 1677-1712(?) Jacob Titjen (1649-1717). 1712(?)-1716 Hinrich Tietjen. 1716-31 Karl Tietjen (1690-1731). 1731-33 Witwe von Karl Tietjen, 1733-47 dann ihr 2.Mann Albert Schnibben. 1747-73 Johann Friedrich Tietjen (1720-1804). 1773-1805 Johann Otto Flathmann (1752-1813, verheiratet mit Margarete Adelheid geb.Tietjen). 1805-28 Peter Friedrich Flathmann. 1828-77 Johann Flathmann (“Jan Grönland”, 1806-1896). 1877-1938 Johann Flathmann (1852-1938). 1938-51 Witwe von Johann Flathmann und Johann Flathmann (USA). Seit 1951 Fa. Gottfried Stehnke. (Quelle: Osterholz-Scharmbecker Heimatbuch 1967, J. Segelken, 1967 und Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

1838 wurde die Durchgangsstraße -neuerdings ein Teil der Landstraße Bremen-Stade- gepflastert und auf 32 Fuß verbreitert, dafür musste das Bauernhaus auf die gegenüberliegende Straßenseite versetzt werden. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. I, R. Meenkhoff, 2004)

Das Bauernhaus wurde 1957 vom Eigentümer (Fa. Stehnke) abgerissen und durch eine vom Architekten Johannes Plantikow entworfene Esso-Tankstelle ganz im Stil der 50er-Jahre ersetzt. Bei den Baggerarbeiten fanden Mitarbeiter der Firma in einer Tiefe von 1.20 m einen Tonkrug mit ca. 360 Gold- und Silbermünzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, hauptsächlich aus dem späten Mittelalter (ca. 1512). Der restaurierte Schatz steht heute als Dauerleihgabe der Fa. Stehnke im Kreisheimatmuseum in der Museumsanlage Osterholz. 1969 übernahm G. Sikora die Tankstelle. (Quelle: Osterholz-Scharmbeck in den fünfziger Jahren, Hrsg. Sigrid Hofmann, ca. 2004 und: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

1975 wurde an Stelle der Tankstelle ein Geschäftshaus errichtet. (Quelle: Rund um den Scharmbecker Marktplatz – damals. Hans Siewert, 1983) Dort wurde im selben Jahr ein PLUS-Discountmarkt eröffnet. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

1998 eröffnen die Frauenärztinnen Elisabeth Plümpe-Maaß und Dr. Lioba Wekenborg ihre Praxis (zuvor Praxis Ahlers nebenan in der Bahnhofstr. 100). Im April 1999 wurde hier das neue Postamt eröffnet und das bisherige Hauptpostamt in der Bahnhofstr. 18 für den Publikumsverkehr geschlossen. 1999 Umzug der Naturheil-Praxis Reinhard Scheibel und Eröffnung des Lernzentrums Hansen. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

75 Jahre Reichspogromnacht

Einführung vom stellv. Bürgermeister Klaus Sass

Gedenkfeier Reichspogromnacht Osterholz-Scharmbeck

Die Namen der Opfer ...
gelesen von Ulrich Marahrens und Volker Müller

Ohne auf die in meinen Augen sehr akademisch-abgehobene Diskussion um die politisch korrekte Bezeichnung der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 eingehen zu wollen, will ich unter dieser Überschrift kurz über die Gedenkfeier am Mahnmal in der Bahnhofstraße und die Ausstellungeröffnung im Rathaus berichten.

Samstag morgen um 10.30 Uhr trafen sich auf Einladung der Stadt etwa 30 Menschen an der Gedenkstätte, die ja bekanntlich auf einem Teil des Grundstückes der ehemaligen Synagoge steht.

Nach der Begrüßung durch den stellv. Bürgermeister wurden die Namen und Adressen der jüdischen Bürgerinnen und Bürger Osterholz-Scharmbecks verlesen, die Opfer des Nazi-Terrors wurden. Die Erinnerung an sie fand mit einer Schweigeminute und vielen Blumen und Steinen auf dem Gedenkstein ihren Ausdruck.

Im Anschluss, nach einem kurzen Fußweg zum Rathaus, eröffnete Sass dort die Ausstellung Reichspogromnacht – 75 Jahre danach. Diese erstmals 2002 von Claudia Körber zusammengestellte, 2006 anlässlich der Eröffnung der Gedenkstätte von Horst Böttjer (Stadt Osterholz-Scharmbeck) und Ilse Schröder (Ökumenischen Arbeitskreis 9. November) überarbeitete und jetzt von Sonja Sancken, Ilse Schröder und Horst Böttjer erneut aktualisierte Ausstellung wird dort bis zum 29. November im Foyer gezeigt.

Buch: Osterholzer Reiswerke

DIN A4-Softcover, erschienen Juli 2013

VHS Osterholz-Scharmbeck und Hambergen e.V. (Hrsg.)
Verantwortlich Reelf Menkhoff (VHS-Geschichtswerkstatt)
Osterholzer Reiswerke
Reis- und Handels-Aktiengesellschaft Kellogg (Deutschland) GmbH
Hundert Jahre Firmengeschichte
Ein Glücksfall für Osterholz-Scharmbeck und Umgebung:
Die Osterholzer Reiswerke 1875 bis 1976.
1. Aufl. Juli 2013, Selbstverlag, € 19.50

Chronik der ehemaligen Reiswerke am Bahnhof, erstellt von der VHS-Geschichtswerkstatt unter Leitung von Reelf Menkhoff (Autor der Stadtchronik) unter Mitarbeit der ehemaligen Betriebsleiter Helmut von Oehsen und Heinz Werner. Veröffentlicht als Softcover mit finanzieller Unterstützung von Volksbank, Kreissparkasse, Klosterholz-Tombola, Landkreis Osterholz, G. Stehnke und H. Kahnwald.

Bahnhofstr. 36

Bahnhofstr. 36 in Osterholz-Scharmbeck

Bahnhofstr. 36 heute

Das über 140 Jahre alte Backsteingebäude in der Bahnhofstraße (Früher Scharmbecker Chaussee) gegenüber der Kreissparkasse ist seinerzeit als erste “höhere Schule” für die Flecken Osterholz und Scharmbeck erbaut worden.

Das Gebäude wurde 1868-69 für 3.350 Taler von Maurermeister Johann Steeneck und Zimmermeister Heinrich Volger erbaut. Am 12. April 1869 wurde die private Rektorschule eingeweiht, Unterrichtsbeginn war am 14. April. Schulleiter cand. theol. Ludwig Viets und die Lehrkräfte Pastor Visbeck, Heinrich Wittrock, Julie Westphal, August Reimbrecht sowie Schneider Nitsche (Turnen) unterrichteten zu Beginn 72 Schüler, das Schulgeld betrug in der obersten Klasse 15 Rth. jährlich. 1914 fassten die Gemeinden Osterholz und Scharmbeck den Entschluss, die viel zu kleine Mittelschule um ein zweites Gebäude zu erweitern. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band I, 2004)

1942 beschloss der Stadtrat die Umwandlung der “Mittelschule” zur “Hauptschule”, die damit in staatliche Verwaltung überging. Nach dem Krieg wurde die Schule zunächst für Flüchtlinge und Besatzungstruppen genutzt, am 4.1.1946 wurde die Mittelschule dann wieder eröffnet. 1959 zog die ehemalige Hilfsschule aus der Langen Straße als Sonderschule in das von der Mittelschule geräumte Gebäude. 1960 startete auch das neu gegründete Gymnasium zunächst in diesem Gebäude. 1962 musste die Sonderschule wieder an ihren alten Standort (“Neue Schule” in der Langen Straße) zurückkehren, da das Gymnasium mit dem neuen zweizügigen Jahrgang zuviel Raum in Anspruch nahm. Nach Auszug des Gymnasiums in den Neubau an der Loger Straße konnte die Sonderschule 1966 mit 6 Klassen, 102 Schülerinnen und Schülern sowie 5 Lehrkräften wieder einziehen. Sie beantragte den Namen “Pestalozzischule”. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

Im Juni 2012 beschloss der Landkreis als Eigentümer, die Immobilie mit dem 750 qm großen Grundstück für 125.000 Euro an die Lebenshilfe zu verkaufen, sobald es nicht mehr vom Kreismedienzentrum benötigt werde. Die Lebenshilfe will Turnhalle und Sanitärtrakt der ehemaligen Pestalozzischule abreißen und das ehemalige Schulgebäude u. a. als Stadtteilbüro für den Geschäftsbereich “Wohnen” nutzen. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 15.6.2012)

Davidsohn (Familie)

Kaufhaus Davidsohn in Scharmbeck

Das Kaufhaus Davidsohn in der Poststraße (Foto von Bob Davidson mit frdl. Genehmigung von Jonathan Strauss)

Die jüdische Familie Davidsohn lebte etwa 200 Jahre lang in Osterholz und Scharmbeck. Unter ihnen waren hochangesehene Kaufleute und Lokalpolitiker, ihr Manufakturgeschäft und späteres Textilkaufhaus J. D. Davidsohn in der Poststraße war mehr als 160 Jahre lang eines der prägenden Merkmale von Stadtbild und Einkaufserlebnis. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wurden die hier ansässigen Familienmitglieder verfolgt und entrechtet, mindestens vier von ihnen kamen in Konzentrationslagern ums Leben. Insoweit ähnelt die Familie in Vielem der gleichfalls jüdischen Familie Cohen (vgl. u. a. Clara und Siegmund Cohen), über die einer der Nachkommen ein beeindruckendes Buch (Beer K: Ein Denkmal der Familie Cohen) veröffentlicht hat. Nach meiner bisherigen Kenntnis fehlen vergleichbare historische Betrachtungen zur Familie Davidsohn, so dass die Geschichte der Familienmitglieder nur bruchstückhaft geschildert werden kann. Wesentlichen Anteil an dieser Darstellung haben Bob Davidson (USA) und Jonathan Strauss (London), die als direkte Nachfahren der Scharmbecker Davidsohns mit Unterstützung von Klaus-Peter Schulz viele Informationen zusammengetragen und Fotografien zur Verfügung gestellt haben.
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Davidsohn, Johan

Johann und Ilse Davidson

Johan und Ilse Davidsohn

Johan Davidsohn (später John Davidson; geb. 1. August 1904, gest. Sept. 1985) war ein Sohn der alteingesessenen und angesehenen Kaufmannsfamilie Davidsohn in Scharmbeck. Im Nationalsozialismus wurde er entrechtet und verhaftet, bevor ihm 1939 noch die Flucht über England in die USA gelang.

Johan war das älteste Kind von Sally Davidsohn und dessen Frau Toni, geb. Goldschmidt. Mit seiner 1906 geborenen Schwester Ilse wuchs er schräg gegenüber der Synagoge im Haus Bahnhofstr. 84 (“Kohlmannsches Erbe”) auf, das die Davidsohns 1902 gekauft hatten. Als 30-jähriger Gerichtsreferendar wurde John im November 1934 von 40-50 Männern zusammengeschlagen, in “Schutzhaft” genommen und nach Berlin gebracht, nachdem er mehrere Flugblätter entfernt hatte, die zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen.

Polizeiprotokoll Henny Cohen Schutzhaft

Polizeiprotokoll betr. 'Schutzhaft'

Nach der sog. Reichspogromnacht (9./10. November 1938), in deren Verlauf SA-Männer im Anschluss an die vereitelte Brandstiftung an der ehemaligen Synagoge in die Wohnungen ansässiger Juden eindrangen und u. a. Johans Schwester Ilse schwer verletzten, wurden Johan und sein Cousin Ernst in “Schutzhaft” genommen.

Nachdem er am 31. März 1939 noch in Osterholz-Scharmbeck einen neuen Pass mit dem seit Anfang 39 für alle Juden verbindlich vorgeschriebenen roten “J” erhielt, konnte er am 11. August 1939 an Bord der MS Europa von Bremen nach Southamptom flüchten.

Vermutlich ist er 1940 in die USA eingereist. Dort heiratete er Elsa Eichwald, vor seinem Tod im September 1985 lebte er in Queens im Staat New York. Johns Cousin Ernst kam 1942 im Ghetto von Minsk ums Leben.

Pass 1939

Buch: Worpswede im Dritten Reich

Ferdinand Krogmann
“Worpswede im Dritten Reich 1933-1945″
1. Aufl. 2011, Donat-Verlag
Hardcover, 304 S. , € 19.80

Krogmann (*1948) ist ehemaliger Geschichts- und Politiklehrer und schied 1994 aus dem Schuldienst aus. Ende der 1990er-Jahre kam er als “Auswärtiger” nach Worpswede, wo er sich über viele Jahre intensiv mit der Geschichte des Ortes und seiner teils prominenten Bewohner insbesondere während des Nationalsozialismus befasste. Seit 2007 lebt er in Vegesack. (Quellen: Webseite Krogmann und taz 2006) “Worpswede im Dritten Reich 1933-1945″ ist sein jüngstes und nicht nur in Worpswede umstrittenes Buch, das diesem Thema gewidmet ist.

Meinungen dazu

Sehr informative Interviews mit dem Autor führten Christian Palm (Weserkurier 21.2.2012)

Palm: Ihre Hauptquelle für die Forschungen waren die historischen Jahrgänge der Lokalzeitung. Wie wahrscheinlich ist es, darin auf der Suche nach Widerständlern fündig zu werden?
Krogmann: Wo es Widerstand gab, wurde auch in den staatstreuen Medien darüber berichtet. Auch die “Wümme-Zeitung” hätte über den Widerstand berichtet, wenn es ihn wirklich gegeben hätte. Da bin ich mir sicher.

und Lars Fischer (Weserkurier 14.01.2012).

Fischer:Es gibt keine Belege für Widerstand oder zumindest “zivilen Ungehorsam”?
Krogmann: Nein, auch im Bundesarchiv finden Sie nichts zum Thema Widerstand in Worpswede. Gefunden habe ich noch eine Angelegenheit, die bezog sich auf den Maler Bernhard Huys. Der soll verbotenerweise “Feindsender” gehört haben, ist aufgeflogen und wurde verhaftet. Daraufhin hat sich Fritz Mackensen bei Gauleiter Otto Telschow für Huys eingesetzt. In einem Brief haben Mackensen und Waldemar Augustiny versucht, ihn da rauszupauken, indem sie ihn als harmlosen, national denkenden Menschen beschreiben.

In diesem Zusammenhang bedenkenswert: Bernhard Huys.
Arn Strohmeyer im Schattenblick:

Krogmann weist in unendlicher und fast schon quälender Fülle nach. wie sehr die Künstlerschaft des Ortes dem Nationalsozialismus erlag und wie sie und ihre Verteidiger Mythen und Legenden schaffen mussten, um sich zu rechtfertigen, als der braune Spuk vorbei war.

Ralf Rospeck in marktplatz-osterholz.de:

Ferdinand Krogmanns Buch ist schwer, ja, mitunter regelrecht langweilig zu lesen, was er auch selber zugibt. Das ist seiner peniblen Fleißarbeit zuzuschreiben, alle genannten Fakten mit Quellen, Daten und Zitaten zu versehen. Ein bisschen erschlägt diese Informationsflut. Doch darin sieht Krogmann auch ein großes Plus. „Ich kann alle meine Behauptungen belegen. Meine Kritiker sparen sich das leider meistens und antworten lieber mit persönlichen Beleidigungen.“

Verlagstext:

Auch in Worpswede, der wohl bekanntesten deutschen Künstlerkolonie, saßen die Nationalsozialisten fest im Sattel. Ortsgruppenleiter Ferdinand Stolte tat mit den über 300 Parteigenossen alles, „damit man in der Welt einmal von dem neuen, dem nationalsozialistischen Worpswede“ spricht. Wie es sich präsentierte und die Künstler bei seiner Gestaltung mithalfen, ist ebenso zentrales Thema des Buches wie die Pläne des Propagandaministeriums und der Gauleitung von Ost-Hannover, Worpswede zum Kulturzentrum des gesamten niederdeutschen Raumes sowie zum Mittelpunkt niederdeutscher Heimatkunst auszubauen.
Der Autor hat neben den Archiven die wichtigsten Presseorgane ausgewertet und die Rolle von Worpsweder Künstlern und Schriftstellern ebenso beachtet wie die der Handwerker, Bauern, Gewerbetreibenden, Händler, Lehrer, Pastoren, Frauen sowie der Verbände und Vereine. Persönlichkeiten aus anderen Orten sind ebenfalls einbezogen, sofern sie mit Worpswede oder mit dort lebenden Künstlern eng verbunden waren. Zahlreiche Abbildungen dokumentieren, wie sich Worpswede mit dem „Leben unter dem Hakenkreuz“ einrichtete, was man sich von ihm erhoffte und wie man sich von ihm leiten ließ. Dabei sind vor allem jene Bekanntgaben, Bilder und Ankündigungen berücksichtigt, die zeigen, wie vielfältig der Alltag und für jedermann sichtbar von NS-Vorstellungen durchsetzt gewesen ist.

Muna Lübberstedt

Die Muna in Lübberstedt war im 2. Weltkrieg eine Produktions- und Lagerstätte für Munition und Außenstelle des KZ Neuengamme.

Nach Planungen aus dem Jahr 1936 entstanden in Axstedt und Lübberstedt 1939-40 zunächst sieben Barackenlager für Reichsarbeitsdienst und Wehrmacht. Ab August 1941 wurden unter der Bezeichnung Lufthauptmunitionsanstalt 2/XI Lübberstedt Seeminen, Fliegerbomben und Flak-Munition produziert und in etwa 60 Bunkern gelagert. Etwa 1.600 Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen sowie 1944-45 auch etwa 500 ungarische Jüdinnen aus dem Lager Auschwitz wurden zur Arbeit gezwungen und von überwiegend deutschen dienstverpflichteten Frauen und Gefolgschaftsleuten beaufsichtigt.

Die Produktionsanlagen wurden bei Kriegsende von der Wehrmacht gesprengt. 1945 besetzten zunächst die Briten das Gelände, übergaben es aber wenig später an die US-Truppen. Einzelne Gebäude wurden vorübergehend als Schule, Jugendheim und Notunterkunft genutzt. 1956 übergaben die Amerikaner die ehemalige Muna an die Bundeswehr, die es viele Jahre als Munitionsdepot und Unterkunft für Flugabwehrraketeneinheiten nutzte. Auch US-Truppen lagerten dort während ihrer Stationierung in Garlstedt Munition. 2009 hat die Bundeswehr den Standort vollständig aufgegeben, die Immobilie fällt seither in den Zuständigkeitsbereich der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).

2010 führte das “site-specific theatre” Das letzte Kleinod das Stück “Muna Lübberstedt – Dokumentarische Inszenierung einer Militärbrache” auf.

Einige der Gebäude sind vermietet und werden als Lager u. a. für Raiffeisen und im Winter für Torfkähne genutzt. Anfang 2013 schien ein potenzieller Käufer einen 4.2 ha großen Teil des Geländes mit diversen Hallen, Gebäuden und einem Wachhäuschen gefunden, der aber absprang. Im Oktober 2013 beschloss der Rat der zuständigen Gemeinde Axstedt, ein Schallschutz-Gutachten als notwendige Voraussetzung für einen Bebauungsplan in Auftrag zu geben, sofern die BImA die Kosten dafür trage. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 22.10.2013)

Bahnhofstr. 34

ca. 1926

Bis 1934 Bahnhofstraße 474, fälschlicherweise wird auch für den neu errichteten Gebäudekomplex Bahnhofstr. 30 oftmals die Adresse “Bahnhofstr. 32-34″ verwendet..

Das heutige Gebäude wurde 1908 von der Osterholz-Scharmbecker Bank erbaut und 1926 von der Amtssparkasse angekauft. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band I, 2004)

1934 wurde beim Umbau der Kreissparkasse der erste Luftschutzkeller mit Platz für 40 Personen gebaut. Im gleichen Jahr mietete Hanni Cohen, Tochter von Siegmund Cohen (ehemals Bahnhofstr. 37) einen Raum für ihr Manufakturgeschäft. Sie wurde am Tag nach den Novemberpogromen (10. November 1938) für einen Tag in “Schutzhaft” genommen, ihr Geschäft musste sie aufgeben. Quelle: K. Beer Ein Denkmal für Familie Cohen die in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen gelebt hat. Verl. H. Saade, 2001.

Im März 1940 wurde die Hauptstelle der Kreissparkasse von Blumenthal hierher verlegt. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

... und 2007

1975 wurden die neuen Räume für die Stadt- und Kreisbücherei eröffnet, seit 1977 ist auch das Kreisarchiv im Gebäude untergebracht. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

Im Februar 2012 wurde berichtet, dass das Finanzamt seinen zusätzlichen Raumbedarf hier decken und das Gebäude nach Auszug von Stadt- und Kreisbücherei und nötigen Umbaumaßnahmen voraussichtlich ab November 2012 von Landkreis anmieten will. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 23.2.2012)

Bahnhofstr. 18

Kaiserliches Postamt ca. 1908

Nachdem das 1862 an der Bahnhofstr. 31 noch von der Preußischen Post gebaute Postamt Anfang des 20. Jh. zu klein wurde, errichtete die Reichspost hier direkt gegenüber einen repräsentativen Neubau. 1906 eröffnete das neue “Kaiserliche Postamt”. 1934 wurde es modernisiert und erhielt eine neue Schalterhalle, eine Telefonzelle und 34 Schließfächer. 1935 wurde das Post-Selbstanschlussamt in Betrieb genommen, das 1901 mit seinerzeit 17 Teilnehmern begründete Fernsprechnetz hatte Ende 1934 in Osterholz-Scharmbeck 198 Teilnehmer.

Das Postamt wurde 1966 abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen. Dieser wurde am 17. Juli 1968 eingeweiht.

Nicht unbedingt schöner ... der Neubau von 1968

Im Postamt gab es 1990 das erste bargeldlose Kartentelefon. 1992 eröffnete die Fachschule für Altenpflege (Leiterin Petra Speckmann) in der 1. Etage des Postgebäudes. 1999 wurde das langjährige Hauptpostamt für den Publikumsverkehr geschlossen, nachdem das neue Postamt in der Marktstr. 2 (Ecke Bahnhofstr.) eröffnet worden war. Quelle: Menkhoff

Im April 2008 veräußerte “Deutsche Post World Net” das Gebäude mit ca. 1.200 weiteren Objekten an den in Luxemburg ansässigen Lorac Investment Fund. Nachdem die Postfachanlage 2009 und der Postzustellstützpunkt Anfang 2012 ausgezogen sind, soll die Immobilie mit einer Gesamtfläche von 1.767 m² und dem Grundstück von 3.580 m² jetzt (Januar 2012) für € 788.000 verkauft werden. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 30.1.2012)

Holtstelle

Hamme 1764 und 2008

Hammeniederung 1764 (Kurhannoversche Landesaufnahme)
Überlagert sind der heutige Verlauf von Hamme (blau), Kreisstraßen (gelb) und Bahnlinien (schwarz) sowie die 5 bekannten Standorte von Hammehütten (rot)

Die Holtstelle (auch als Haltestelle, Holz Stelle und Holtz Stelle bezeichnet) war eine seenartige Erweiterung der Hamme im Bereich der heutigen Eisenbahnbrücke, die der weitgehend am Ende des 19. Jh. vorgenommenen Hammekorrektur zum Opfer fiel. Ihren Namen verdankt die Holtstelle ihrer jahrhundertlangen Bedeutung als Handels- und Umschlagsplatz für den im Teufelsmoor abgebauten Torf. Von ca. 1770 bis zum Ende des 19. Jh. war sie die “Haltestelle” der vor Anker liegenden Lastkähne und Bockschiffe zunächst Bremer und dann auch örtlicher Torfhändler.
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Stagges

Stagges in Osterholz-Scharmbeck

Stagges - jahrhundertlange Tradition

Stagges bzw. früher “Stagges Hotel” und seit 2012 “Stagge’s Wirtshaus am Markt” (Standort) ist das traditionsreichste noch bestehende Gasthaus Osterholz-Scharmbecks. Es besteht jetzt über 320 Jahre und hat eine wechselvolle Geschichte als Dorfkrug, Marktherberge, Kult-Diskothek und Speisegaststätte hinter sich. Im Herbst 2011 stand das Lokal mehrere Wochen leer, Mitte November stellte sich dann der örtliche Fischhändler und Gastronom Wolfgang Teichmeier es neuer Betreiber vor. Er öffnete unter dem neuen Namen “Stagge’s Wirtshaus am Markt” zunächst provisorisch zum Weihnachtsmarkt und Heiligabend-Treff. Mitte Januar startete der Probebetrieb (“soft opening”) und am 1. Februar 2012 war offizielle Einweihung.
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Lager Sandbostel

Lagerbaracken

Lagerbaracken

Das ehemalige Kriegsgefangenenlager Sandbostel (Stalag XB = Mannschafts-Stammlager B im Wehrkreis X, Hamburg) liegt am Nordrand des Teufelsmoores etwa 30 km nordöstlich von Osterholz-Scharmbeck (Standortmehr Fotos …). Im 2. Weltkrieg war es Zwangsaufenthalt für mehrere Hunderttausend Kriegsgefangene, Internierte, Gefangene und zuletzt auch KZ-Häftlinge, bevor es am 29. April 1945 von der englischen Guards Armoured Division befreit wurde.
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