Davidsohn, Johan

Johann und Ilse Davidson
Johan und Ilse Davidsohn
Johan Davidsohn (später John Davidson; geb. 1. August 1904, gest. Sept. 1985) war ein Sohn der alteingesessenen und angesehenen Kaufmannsfamilie Davidsohn in Scharmbeck. Im Nationalsozialismus wurde er entrechtet und verhaftet, bevor ihm 1939 noch die Flucht über England in die USA gelang.

Johan war das älteste Kind von Sally Davidsohn und dessen Frau Toni, geb. Goldschmidt. Mit seiner 1906 geborenen Schwester Ilse wuchs er schräg gegenüber der Synagoge im Haus Bahnhofstr. 84 („Kohlmannsches Erbe“) auf, das die Davidsohns 1902 gekauft hatten. Als 30-jähriger Gerichtsreferendar wurde John im November 1934 von 40-50 Männern zusammengeschlagen, in „Schutzhaft“ genommen und nach Berlin gebracht, nachdem er mehrere Flugblätter entfernt hatte, die zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen.

Polizeiprotokoll Henny Cohen Schutzhaft
Polizeiprotokoll betr. 'Schutzhaft'
Nach der sog. Reichspogromnacht (9./10. November 1938), in deren Verlauf SA-Männer im Anschluss an die vereitelte Brandstiftung an der ehemaligen Synagoge in die Wohnungen ansässiger Juden eindrangen und u. a. Johans Schwester Ilse schwer verletzten, wurden Johan und sein Cousin Ernst in „Schutzhaft“ genommen.

Nachdem er am 31. März 1939 noch in Osterholz-Scharmbeck einen neuen Pass mit dem seit Anfang 39 für alle Juden verbindlich vorgeschriebenen roten „J“ erhielt, konnte er am 11. August 1939 an Bord der MS Europa von Bremen nach Southamptom flüchten.

Vermutlich ist er 1940 in die USA eingereist. Dort heiratete er Elsa Eichwald, vor seinem Tod im September 1985 lebte er in Queens im Staat New York. Johns Cousin Ernst kam 1942 im Ghetto von Minsk ums Leben.

Pass 1939

2 Antworten auf „Davidsohn, Johan“

  1. Jürgen,
    Thanks for updating this web page describing John’s life.
    Should the word „Gerichtsrefendar“ used above be spelled „Gerichtsreferendar“ (=articled clerk)?

    Best wishes to you and Anja,
    Bob D

    1. Ooops, indeed! Good morning, Bob! I corrected that mistake and feel ashamed: after just a few days in Germany you’re already catching all (?) my false spelling … thanks! 😉

      Best wishes back to both of you, from Anja as well!

      Jürgen

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