Tietjens Hütte

Bei Tietjens Hütte
Tietjens Hütte
Tietjens Hütte (Tel. 04791-9829560 • Fax 04791-9829620 • www.tietjens-huette.deStandortmehr Fotos …) ist eine der ehemals wohl sieben Hammehütten, die im 19. Jh. als Rast- und Handelsplätze der Torfbauern und -schiffer entstanden sind.

Der renommierte Restaurant- und Hotelbetrieb wurde 2005 insolvent. 2008 ersteigerte die Hollenbeck Verwaltungsgesellschaft (Geschäftsführerin Meike Hollenbeck) das Anwesen für € 400.000 und begann eine umfangreiche Sanierung. Die neue Pächterin T&H Restaurant GmbH mit Lokalchef Jörg Böhnke hat am 13.3.2010 mit der „Moordiele“ zunächst einen Teilbereich eröffnet. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 15.12.2009 und Webseite Tietjens Hütte)

Vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jh. entstand an der Einmündung des Osterholzer Hafenkanals in die Hamme eine zunächst behelfsmäßig aus Latten gezimmerte Hütte mit einer Schankkonzession in den Sommermonaten. (Quelle: J. Segelken Osterholz-Scharmbecker Heimatbuch 1967. Verl. H. Saade, 1967) 1855 übernahm Friedrich Wilhelm Müller die Hütte, 1880 folgte sein Bruder Wilhelm. Dieser verkaufte am 13. Oktober 1894 für 995.- Mark an den Kahnschiffer Hinrich Tietjen. Nach dessen Tod wurde die Hütte 1895 von seiner Witwe Anna übernommen, 1910 dann von seinem Sohn Diedrich Tietjen. Dieser errichtete 1914 einen festen Bau mit „großzügiger Gaststätte für den Ausflugs- und Hammeverkehr im Sommer und für die Schlittschuhläufer im Winter“, starb aber als Soldat im 1. Weltkrieg. Sein Bruder Friedrich Tietjen heiratete 1919 seine Witwe Gretchen und führte mit ihr die Hütte weiter. (Quelle: Siewert und R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band I, 2004) 1934 folgte dann der 22-jährige Hinrich Tietjen als Hüttenwirt. Dieser heiratete Hanna Koch, 1938 wurde die gemeinsame Tochter Erika geboren. Friedrich „Fidi“ Tietjen verstarb 1955 im Alter von 66 Jahren. 1959 wurde das benachbarte Ruderheim eingeweiht. 1976 verpachteten die Besitzerinnen Hanna Tietjen und Erika Schmidt-Tietjen die Gaststätte an Annelies Striegler. 1979 eröffnete die reetgedeckte Moordiele, die auf 40 Betonpfählen angebaut worden war. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band II, 2009)

Auch die „Hammequerung“ an diesem Ort kann eine lange und wechselvolle Geschichte vorweisen: Seit mindestens 1637 ist der Scharmbecker Damm als Verbindung zwischen dem Lilienthaler und dem Osterholzer Gebiet urkundlich erwähnt, an dessen Ende die Scharmbecker Brücke über die Hamme führte. Diese verfiel im 18. Jh. zusehends und stürzte schließlich ein. Quelle: J. Segelken Osterholz-Scharmbecker Heimatbuch 1967. Verl. H. Saade, 1967. 1832 richtete das Amt Osterholz mit Genehmigung der Landdrosterei Stade eine Kahnfähre ein, Kahnschiffer wurden Beisner aus Weyerdamm und Menke aus Weyermoor. Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band 1, S. 118 1921 wurde eine Fahrzeugfähre in Betrieb genommen. Die Hammebrücke ist am 22.12.1937 fertiggestellt worden, nachdem zuvor (am 11.9.) Teile davon aus unbekannten Gründen eingestürzt waren. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009) 1938 schließlich wurde die Hammebrücke eingeweiht, in den letzten Kriegstagen wurde sie am 26. April 1945 von deutschen Truppen gesprengt. In der heutigen Form wurde sie 1951 wieder hergestellt. Quelle: J. Segelken Osterholz-Scharmbecker Heimatbuch 1967. Verl. H. Saade, 1967.

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg wurde östlich der Brücke am Nordufer der Hamme ein Freibad angelegt, indem durch zwei quer im Fluss verankerte Pontons ein 50 x 10 Meter großes Schwimmerbecken und eine benachbarte Wasserfläche für Nichtschwimmer markiert wurden. Das Hammebad erhielt im Laufe der wenigen Jahre seines Bestehens eine eher behelfsmäßige Umkleidebaracke, Toilettenanlagen und einen Aufenthaltsraum für die Badeaufsicht, die von der DLRG-Ortsgruppe Osterholz-Scharmbeck ehrenamtlich ausgeübt wurde. Bis das Bad 1953 vom Gesundheitsamt wegen einer hohen Konzentration von Coli-Bakterien geschlossen wurde, war es einige Sommer lang beliebtes Ausflugsziel für die Osterholz-Scharmbecker Bevölkerung und Austragungsort einiger Wettkämpfe der Schwimmsparte des VSK.

1961 bestanden letztlich nie realisierte Pläne, am Hammeufer gegenüber von Tietjens Hütte ein Kurhotel mit 75 Betten zu bauen. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

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