Juden in Worpswede

Die wenigen in Worpswede lebenden Juden zählten bis 1938 zur Synagogengemeinde Scharmeck. Als vermutlich erster Jude erhielt 1804 der Schlachter und Kaufmann Leeser Abraham mit Unterstützung dortiger Anwohner einen Schutzbrief für Worpswede. 1816 betätigte er sich nach Angaben des Amtes Osterholz als Schlachter und Lumpensammler, seine Vermögensverhältnisse wurden als mittelmäßig bezeichnet. Die jüdische Gemeinde wuchs in Worpswede 1825 um eine weitere und am 24. Januar 1851 um zwei weitere Familien. Ende 1851 erwarb die Jüdische Gemeinde Scharmbeck vom Worpsweder Isaac Steckler eine Tora. 1885 lebten noch zwei der 30 steuerpflichtigen Gemeindemitglieder in Worpswede, 1897 waren es neun von insgesamt 145 Personen. 1927 war nur noch eines der 18 steuerpflichtigen Gemeindemitglieder in Worpswede ansässig. (Quelle: Obenaus H, 2005)
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Meyer, Hanni

Hanny Meyer geb. Cohen
Hanny Meyer geb. Cohen
Hanny Meyer (1905-1942, geb. Cohen), in vielen Quellen auch Hanni geschrieben, wurde am 31. März 1905 in Scharmbeck als zweites Kind des jüdischen Ehepaares Siegmund Cohen (1871-1939) und Clara Cohen (1871-1942, geb. Assenheimer) geboren. Ihre Eltern waren etablierte Geschäftsleute in Osterholz-Scharmbeck, die ebenso wie Hanny im Nationalsozialismus entrechtet und umgebracht wurden.
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Neuman, Selma

Selma Neuman (*1883) wurde in Pappenheim in Bayern geboren, sie war die Tochter von Yosef und Sofia. Sie war verheiratet mit Salomon Neuman. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebte sie in Osterholz. Selma starb in der Schoah. (Quelle: Gedenkblatt, eingereicht bei The Central Database of Shoah Victims‘ Name von der Cousine Fani Shoier)

Quelle unsicher, in den Archiven der Stadt Osterholz-Scharmbeck ist der Name nicht verzeichnet. Möglicherweise handelt es sich um den Bremer Stadtteil Osterholz.

Bähr, Hedwig

Hedwig Bähr (*01.02.1904 in Etteln) lebte vor dem 2. Weltkrieg in Osterholz-Scharmbeck im ehemaligen Synagogengebäude in der Bahnhofstraße 105. (Quelle: Murken J) Sie fiel dem Holocaust unter bislang ungeklärten Umständen zum Opfer.

Eintrag im „Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945“ beim Bundesarchiv:

Bähr, Hedwig
* 01. Februar 1904 in Etteln
wohnhaft in Osterholz-Scharmbeck

Deportation:
unbekannter Deportationsort

Buch: Ein Denkmal …

Ein Denkmal für Familie Cohen
die in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen gelebt hat

Errichtet von Klaus Beer

Verlag H. Saade, Osterholz-Scharmbeck, 2001
180 S.

Klaus Beer, Jahrgang 1932, war Richter in Ulm und Stuttgart und viele Jahre aktiver Sozialdemokrat. Nach seiner Pensionierung 1997 ist er den Spuren der Familie seiner Großmutter Elise Cohen aus Osterholz-Scharmbeck nachgegangen, von deren Vergangenheit als Jüdin er 1945 beim Einrücken amerikanischer Panzer erfahren hatte.

Anschaulich und sehr bewegend referiert er Geschichten und Schicksale der Osterholz-Scharmbecker Familie Cohen als Opfer des Holocaust, an diesen Schicksalen wird das Unrecht vorstellbar, begreifbar, nachfühlbar.

„Ich wähle diese Familie aus, weil sie mir nahe ist, und blicke auf ihren Ursprungsort Osterholz-Scharmbeck, unter dessen Menschen sie sich entfaltete und in Hoffnungen lebte, dort auf der Geest, nicht weit vom Teufelsmoor.
Das Ende der im „Dritten Reich“ im Land Gebliebenen in Verzweiflung, Gewalt und Tod war nicht unausweichlich vorgezeichnet. Es wurde aber auch nicht abgewendet.“

K. Beer, aus dem Einleitungstext des Buches

Cohen, Clara und Siegmund

Stolperstein für Clara Cohen vor dem Haus Elsässer Straße 114 in Bremen
Stolperstein für Clara Cohen vor dem Haus Elsässer Straße 114 in Bremen
Siegmund Cohen (geb. 19. März 1871, gest. 20.11.1939) und seine Frau Clara Cohen (geb. Assenheimer, geb. 28.05.1871 in Ottersberg / Achim, gest. 28.07.1942) waren Anfang des 20. Jh. etablierte Geschäftsleute in Osterholz-Scharmbeck, die im Nationalsozialismus entrechtet und umgebracht wurden.
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Aron, Moritz

Moritz Aron
Moritz Aron
Moritz Aron (11.10.1873-1944) lebte mit seinen Brüdern Ludwig Aron (1892-1915) und Wilhelm Aron (1895-1973) in Scharmbeck.

Am 2.4.1942 waren Moritz und sein Bruder Wilhelm die letzten beiden jüdischen Bewohner Osterholz-Scharmbecks, deren Haus somit als einziges unter die neue Kennzeichnungspflicht jüdischer Wohnungen fiel. Drei Monate später, am 23.7.1942, wurde Moritz im Alter von 69 Jahren in das Lager Theresienstadt deportiert, 1944 wurde er in den Gaskammern von Auschwitz hingerichtet.

Eintrag im Gedenkbuch beim Bundesarchiv

Aron, Moritz
* 11. Oktober 1873 in Scharmbeck
wohnhaft in Osterholz-Scharmbeck

Deportation:
ab Hannover
23. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto
15. Mai 1944, Auschwitz, Vernichtungslager

Löwenstein, Leopold

Leopold „Leo“ Löwenstein (14.11.1873-6.1.1944) war von 1894 bis 1915 Vorbeter und hauptamtlicher Lehrer der jüdischen Gemeinde. Er führte von 1894 bis 1938 in Sütterlinschrift eine ausführliche Schulchronik, die auf Mikrofilm im Gesamtarchiv der deutschen Juden im Berliner Centrum Judaicum in Berlin archiviert ist. Löwenstein gehörte 1910 zu den Gründungs- und Vorstandsmitgliedern des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei Osterholz-Scharmbeck. 1915 wurde er im 1. Weltkrieg zum Militärdienst eingezogen; nach dem Krieg wurde die Schule nicht wieder eröffnet, der auf die neue Verfassung vereidigte Löwenstein erteilte nur noch den jüdischen Religionsunterricht. 1924 versetzte man ihn nach der preußischen Personalabbauverordnung in den einstweiligen Ruhestand. Die Gemeinde schloss aber einen neuen Vertrag mit ihm, nach dem er für jährlich 400 Mark und freie Wohnung weiterhin Religionsunterricht erteilte und Gottesdienst- sowie Kultushandlungen verrichtete. Löwenstein war in diesen Jahren nicht nur Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, sondern auch eine anerkannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens. Er war u. a. Schriftführer im einflussreichen Scharmbecker Bürgerverein und schrieb als Autor des Heimatboten, einer Beilage zum Osterholzer Kreisblatt, Berichte über “Hermann Allmers Beziehungen zu unserer engeren Heimat” oder die “Entwicklung von Handel, Industrie und Verkehr im Kreis Osterholz”.

Die Löwenstein’sche Schulchronik endet 1938 mit dem Vermerk, dass die Gemeinde noch aus 31 Personen besteht und die Synagoge wegen Ausfalls steuerkräftiger Mitglieder und zusätzlicher Belastungen nicht halten kann. Löwenstein verlor durch den notwendigen Verkauf der Synagoge seine Wohnung und sah sich nach 45-jähriger Tätigkeit gezwungen, zu Verwandten nach Paderborn zu ziehen. Am 16.1. oder 6.1.1944 wurde Löwenstein in Theresienstadt ermordet.

Eintrag im Gedenkbuch beim Bundesarchiv, Koblenz 1986

Löwenstein, Leopold
* 14. November 1873 in Gudensberg
wohnhaft in Osterholz-Scharmbeck

Deportation:
ab Münster – Bielefeld
31. Juli 1942, Theresienstadt, Ghetto

Todesdatum:
06. Januar 1944, Theresienstadt, Ghetto

Cohen, Dr. Richard

Dr. Richard Cohen (1872-1938) war zu Beginn des 20. Jh. über 30 Jahre lang ein angesehener Arzt und Lokalpolitiker in Scharmbeck. Im Nationalsozialismus wurde er entrechtet und in den Freitod getrieben.

Richard wurde als siebentes Kind der Eheleute Meyer Cohen und Elise Cohen (geb. Hattendorf) geboren, die in der Hohetorstraße 14 (damals Nr. 51, gegenüber der Einmündung Neue Straße) einen Manufakturladen besaßen. Sein Vater war ein eingesessener Kaufmann in Osterholz, aktiv im Schützenverein und einer der Mitbegründer des Erntefestes. Vier von Richards Geschwistern starben im Kindesalter, sein ältester Bruder Alfred (1864-1942) übernahm das elterliche Geschäft in Osterholz und der zweitälteste Bruder Siegmund (1871-1939) den Manufakturladen Ehlen in der Bahnhofstraße 37.

Richard besuchte nach der jüdischen Elementarschule in der Bahnhofstraße eine höhere Schule in Bremen. Danach studierte er Medizin in Berlin und promovierte dort auch. Er ließ sich dann als Arzt in Ritterhude nieder, übernahm aber wenig später im Jahr 1899 die Praxis des verstorbenen Dr. Neander in Scharmbeck in der späteren Marktstraße 5.

Richard war deutsch und vaterländisch orientiert, flaggte bei öffentlichen Anlässen schwarz-weiß-rot und meldete sich im 1. Weltkrieg freiwillig. An der französischen Front diente er als Sanitätsrat und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 1917 wurde er in Scharmbeck zum Bürgervorsteher 2. Klasse gewählt und 1919 erlangte die Bürgerliche Liste mit dem Spitzenkandidaten Dr. Cohen bei der Wahl zur Scharmbecker Gemeindevertretung 9 von 15 Sitzen, Cohen wurde auch in den Kreistag gewählt. Als eine neue Ortsverfassung das Bürgervorsteherkollegium 1920 auf eine Ebene mit dem Magistrat hob, wählte es Cohen zu seinem Wortführer.

1938 wurde Dr. Cohen Berufsverbot erteilt, er starb am 8. April in Scharmbeck verarmt und seelisch gebrochen an den Folgen eines Suizids. Quellen: Menkhoff und Sterberegister

Meibergen, Moritz

Jüdischer Friedhof

Moritz Meibergen (geb. 22.12.1875 in Almelo in den Niederlanden, gest. 23.12.1933 in Ahlhorn, auch Maurits Meibergen) war das vierte von sechs Kindern von Salomon „Sam“ Meibergen (geb. 9.3.1835 in Almelo in den Niederlanden, gest. 29.12.1925) und seiner Frau Ida (geb. Goldschmidt am 10.7.1849 in Scharmbeck, gest. am 30.12.24), die am 8. Mai 1873 in Scharmbeck geheiratet hatten.

Moritz Meibergen und seine Frau Grete (geb. Baum) heirateten in Scharmbeck, lebten dann zunächst aber nicht in seinem Elternhaus in der Bahnhofstraße 90, sondern in Delmenhorst. Dort wurde 1922 ihr Sohn Hans geboren.

1933 war Meibergen in Ahlhorn damit beschäftigt, die Auflösung einer Nebenstelle der insolventen Oldenburger Zellfiberwerke zu beaufsichtigen, die 1928 auf dem ehemaligen Luftschiffhafen Ahlhorner Heide entstanden war. Dort wurde er von einem NS-Mann angegriffen und brutal zusammengeschlagen, an den Folgen des Überfalls starb er am Tag nach seinem 58. Geburtstag. Sein Grab befindet sich auf dem Jüdischen Friedhof in Osterholz-Scharmbeck.

Meibergens Sohn emigrierte 1936 in die USA und nahm dort den Namen John Lake an, seine Mutter folgte 1939.

(Quellen: pers. Mitteilung John Lake und Osterholzer Kreisblatt 15.11.1988)

Buch: Historisches Handbuch …

Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen
Hrsg. Herbert Obenaus in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel
Wallstein Verlag, 2005
ISBN 3892447535
2 Bände, 1678 Seiten

Das Historische Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen ist das Ergebnis einer seit 1995 währenden wissenschaftlichen Kooperation u. a. von Herbert Obenaus (Professor am Historischen Seminar, Universität Hannover), David Bankier (Professor am Avraham Harman Institute of Contemporary Jewry, Hebräische Universität Jerusalem und Leiter des Forschungsinstituts der Gedenkstätte Yad Vashem) sowie Daniel Fraenkel (Leiter der Arbeitsstelle für den Pinkas Ha-Kehillot Germania, das Handbuch für die durch den Nationalsozialismus zerstörten jüdischen Gemeinden in Deutschland, an der Gedenkstätte Yad Vashem).
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Buch: Chronik einer Landschaft

Chronik einer Landschaft
von Klaus v. Düring

Hrsg. Kreissparkasse Osterholz
Herstellung: Druckerei und Verlag H. Saade, Osterholz-Scharmbeck; 1980
231 S.

Umschlagstext:

‚In Kurzform wird die Geschichte des Landkreises Osterholz aufgezeigt.

Überwiegend an Hand von noch vorhandenen Dokumenten und Karten, aber auch an den uns auch heute noch begleitenden alten Bauwerken werden die Lebensabschnitte und Lebensabläufe der Menschen in Marsch, Moor und Geest von der ersten Besiedlung an bis heute aufgezeigt.

Vieles gibt es im Landkreis zu entdecken oder wieder ins Bewußtsein zu holen. Hierzu gibt diese Chronik einen Anstoß.

Im Anhang berichtet ein Zeitspiegel für das Jahr 1980 in geraffter Form über das Gemeinwesen „Landkreis Osterholz“.‘

Buch: Rund um den …

Rund um den Scharmbecker Markt – damals
von Hans Siewert
Verlag H. Saade – Osterholz-Scharmbeck, 1983
ISBN 3-922642-08-7

Umschlagtext über den Autor:

„Hans Siewert, Jahrgang 1932, geboren in Osterholz, aufgewachsen in der Ahrensfelder Straße. Besuch der Oberschule in Bremen. In der Gehilfenzeit auch bei der Druckerei H. Saade tätig. In der Zeit von 1955 bis 1959 insgesamt über drei Jahre mit Unterbrechungen in den Borddruckereien von MS ‚Berlin‘ und TS ‚Bremen‘ des Norddeutschen Lloyd beschäftigt. 1959 bis 1962 Studium an der Höheren Fachschule für das Graphische Gewerbe in Nürnberg, Meisterprüfung. Seit 1962 in einer Werbeagentur in Düsseldorf tätig.

Bahnhofstr.

Die Bahnhofstraße in Osterholz-Scharmbeck wird nicht nur von dem Historiker Ernstheinrich Meyer-Stiens als Heimliche Hauptstraße der Stadt angesehen. Auf vielfältige Weise spiegelt sie die Geschichte der beiden Flecken Osterholz und Scharmbeck sowie der Stadt Osterholz-Scharmbeck wieder. An ihr liegen oder lagen viele der schönsten Villen der Stadt, mehrere der ältesten Hofstellen, einige der zu ihrer Zeit bedeutsamsten Wirtschaftsunternehmen (u. a. Maurermeister Johann Steeneck, Zigarrenfabrik Zülch, Osterholzer Reiswerke, Fa. Meyerhoff, Kaufhaus Reuter, Kreissparkasse) sowie Rathaus, Kaiserliches Postamt, Finanzamt, Bahnhofshotel und vieles mehr.
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