Radfahrstreifen behindern PKW nicht

Schutzstreifen Osterholzer Straße in Osterholz-Scharmbeck
Schutzstreifen Osterholzer Straße
Martin Randelhoff beleuchtet in seinem Blog Zukunft Mobilität sehr gründlich die derzeit gesicherten Erkenntnisse über den Einfluss von Radfahrstreifen und Schutzstreifen (erklärt u .a. hier von der Polizei Hamburg) auf den Verkehrsfluss des MIV (motorisierten Individualverkehrs).

Die oft geäußerte Befürchtung, Autos würden durch sie behindert, lässt sich nach Studium seines Artikels nicht aufrecht halten. Sehr interessant, wie ich finde.

Radunfälle – Statistik 2014

Karte Radunfälle Landkreis Osterholz 2014
Polizeilich gemeldete Unfälle mit Radfahrerbeteiligung 2014
Was tun gegen Unfälle mit Radfahrern? Seit gut zwei Jahren beschäftigt mich diese Frage, und nicht nur mich. Die im Jahr 2014 recht umfangreiche Berichterstattung zur Critical Mass hat in Zeitungen und Internet erneut zu vielen oft hitzigen Debatten über verkehrspolitische Strategien und Fehlverhalten der (fast immer: anderen) Verkehrsteilnehmer geführt. Gegenseitige Schuldzuweisungen münden dann meist in plakativen Einzelfall-Schilderungen rücksichtsloser Autofahrer auf der einen und Fußweg-rasender „Kampfradler“ auf der anderen Seite.
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Radweg Heidkampstraße

Update 22.11.14: Großes Lob an die Verantwortlichen bei der Stadt: die am 6.11. so recherchierte und unten geschilderte Situation existiert nicht mehr. Das eingangs fotografierte Zeichen Zeichen 240 ist abmontiert, jenes an der Einmündung Querstraße ebenfalls. Unter den gegebenen Voraussetzungen schien auch mir dies die beste Lösung, siehe letzter Absatz. Ich ziehe meinen Hut, es war und ist mit Sicherheit nicht einfach, mit den plötzlich geänderten Gegebenheiten nach weitgehender Abschaffung der Radweg-Benutzungspflicht umzugehen. Ich weiß nicht, ob es dieser Artikel war oder systematische Nachschau der neuen Radverkehrsführungen. Ist ja auch egal, auf jeden Fall freut es mich sehr, das da welche sind, die auch für Radfahrer mitdenken. Danke!

Ursprünglicher Artikel (Stand 6.11.14):
Vor ein paar Tagen musste ich ziemlich lachen, erst über mich selbst und dann über die Beschilderung des Radwegs an der Heidkampstraße. Das kam so: in den letzten Tagen bin ich nachmittags oft kreuz und quer durch Osterholz-Scharmbeck geradelt, um die neue Situation für Radfahrer nach weitgehender Aufhebung der Radweg-Benutzungspflicht kennenzulernen. Zunächst wollte ich mal feststellen, welche Radwege benutzungspflichtig geblieben sind.

Kreuzung Heidkampstr./Bremer Str. in Osterholz-Scharmbeck
Abb. 1: Aus Radfahrersicht von der Geradeaus-Spur nicht zu sehen ...
Und da habe ich mich an der Heidkampstr. etwas gewundert: Stadtauswärts Richtung Tietjens Hütte soll man wohl die Fahrbahn benutzen, das frühere Verkehrszeichen 240 für „Gemeinsamer Fuß- und Radweg“ schien mir entfernt worden zu sein. nach einigen hundert Metern aber, an der Einmündung Querstraße beim Autohaus Schmidt & Koch steht dann doch eins. Also rechts rauf auf den für Fußgänger plus 2-Richtungs-Radverkehr teilweise viel zu schmalen Fuß-/Radweg … und einen ganzen Tag darüber nachgedacht, was der Sinn dieser Anordnung ist.
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Radweg Ritterhuder Str.

Linteler Kreisel in Osterholz-Scharmbeck
Nicht zu sehen für Radler, die es angeht: Zeichen 240 in weiter Ferne ...
Nach weitgehender Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht in Osterholz-Scharmbeck ist am Linteler Kreisel (bei REWE bzw. Schmolkes ARAL-Tankstelle) ein kleiner Schönheitsfehler in der Radverkehrsführung entstanden. Absicht oder nicht, da bin ich mir nicht ganz sicher, jedenfalls ist für stadtauswärts fahrende Radler am Kreisel ein einsames Verkehrszeichen 240 stehen geblieben (Position <2> auf der Skizze) .
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Tschüß Radwegbenutzungspflicht!

Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht in Osterholz-Scharmbeck
Von diesen Schildern heißt es Abschied nehmen
Ich mochte meinen Augen erst nicht trauen: der üble linksseitige Radweg an der Loger Str. vor dem Gymnasium war vorgestern plötzlich keiner mehr! Und -wieder mochte ich es erst nicht fassen- das war noch nicht alles! Eine kurze Recherche in gewöhnlich gut informierten Kreisen förderte fast Unglaubliches zu Tage. Die Radwegbenutzungspflicht ist in Osterholz-Scharmbeck fast überall aufgehoben, verbleibt lediglich auf Teilen der Schwaneweder Str. und der Hauptstr. in Scharmbeckstotel.
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Förderung des Radverkehrs

Broschüre Förderung des Radverkehrs
Dank eines Hinweises von Norbert Paul im ADFC-Blog bin ich auf die Dokumentation Nr. 124 des Deutschen Städte- und Gemeindebundes mit dem Titel „Förderung des Radverkehrs in Städten und Gemeinden“ aufmerksam geworden.
Die Dokumentation (Download als PDF – 2.2. Mb) richtet sich vorwiegend an Kommunalpolitiker und Entscheidungsträger in den Verwaltungen, die sich in das Thema aktuell einarbeiten wollen.
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Car-Sharing in OHZ?!

Car-Sharing in Hannover
Quicar Mietstation in Hannover
Foto: Axel Hindemith. Lizenziert unter Creative Commons Attribution 3.0 über Wikimedia Commons
Durch einen Beitrag von Johann Englmüller („Vorschlag für ein kommunales CarSharing-Förderprogramm“) auf zukunft-mobilität.net bin ich motiviert, den Gedanken noch mal aufzugreifen. Im Januar hatte mich ja die Vision eines Genossenschafts-Teichprojektes schon einmal geritten:

15 seniorengerechte Komfortwohnungen sind dort entstanden und ihre Eigentümer teilen sich auch den Besitz an der Hausmeisterwohnung, den Ladengeschäften im Erdgeschoss und einem Fuhrpark mit zwei Elektro-Smarts, einem Hybrid-Kombi und vier Elektro-Fahrrädern. Die Gemeinde hat im Gegenzug eine attraktive Ausgleichsabgabe für fehlende Kfz-Einstellplätze nach § 47 der Niedersächsischen Bauordnung festgesetzt.

Englmüller listet jetzt in seinem Vorschlag 17 Maßnahmen von A=Ausfallbürgschaft bis Q=Einführung eines Bike-Sharing-Angebotes, die mir durchaus realistisch scheinen.
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Helmpflicht höchstrichterlich

Doch keine Mitschuld, wenn man oben ohne fährt!
Darauf haben Fahrrad-Interessierte jetzt seit Monaten mit Spannung gewartet: Der Bundesgerichtshof hat gegen eine Mitschuld der Radfahrerin entschieden, die keinen Helm trug. Nach widersprüchlichen Entscheidungen des OLG Schleswig 2013 (siehe hier) und des OLG Celle 2014 (siehe dort) hob der BGH jetzt die Schleswiger Entscheidung auf und sprach der klagenden Radfahrerin vollen Schadenersatz zu.
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Radverkehr boomt

Radfahrer in Osterholz-Scharmbeck
... in OHZ auch?
… in Berlin zumindest. „Fahrradfahren boomt in Berlin stärker als bislang bekannt“, so titelt die Berliner Morgenpost vor wenigen Tagen. Beim Lesen ist mir prompt so Einiges durch den Kopf gegangen, auch bezogen auf die Situation eines „Mittelzentrums“ wie Osterholz-Scharmbeck.
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Protektoren statt Helmpflicht?

Würden Beinprotektoren Radfahrer besser schützen als der Helm?
Zeit-online zitiert den Dresdener Unfallforscher Uli Uhlenhof: „Die meisten Unfälle bei Radfahrern führen gar nicht zu Kopfverletzungen, sondern zu Verletzungen am Bein … Außerdem würde eine Helmpflicht nur dazu führen, dass weniger Rad gefahren wird und damit der Krankenstand ansteigt.“ Das Dresdner Team hat für Radfahrer und Fußgänger ein achtmal höheres Unfallrisiko als für Autofahrer festgestellt. (Quelle: Zeit-online 6.6.2014)

Winds of change?

Radfahrer in Bremen
Radler in der Großstadt: Critical Mass in Bremen
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 2.6.2014:

30 % der Haushalte in großen Städten setzen allein aufs Rad

WIESBADEN – 30 % der Haushalte in großen Städten (ab 500 000 Einwohnern), aber nur 4 % der Haushalte in kleinen Gemeinden (bis 5 000 Einwohner) besaßen am Jahresanfang 2013 ausschließlich Fahrräder, also keine Autos oder Motorräder. Damit setzten die Haushalte in den großen Städten doppelt so häufig aufs Rad wie der bundesweite Durchschnitt (15 %). Das teilt das Statistische Bundesamt anlässlich des Europäischen Tags des Fahrrads am 3. Juni 2014 mit.

Ein Zehnjahresvergleich zeigt, dass der Anteil der Haushalte, die nur über Räder verfügen, in den deutschen Städten ab 500 000 Einwohnern steigt: Im Jahr 2003 hatte deren Anteil noch bei 22 % gelegen – 8 Prozentpunkte unter dem heutigen Anteil. In den kleinen Gemeinden (bis 5 000 Einwohner) lag er damals bei 5 % und im bundesweiten Durchschnitt bei 13 %.

Critical Mass Bremen

Critical Mass Bremen
125 Radler auf der CM Bremen Mai 2014
Lt. Facebook-Seite waren es gestern 125 Radler, die sich am letzten Freitag des Monats Mai zufällig am Weserstadion trafen und kurzerhand beschlossen, eine gemeinsame Ausfahrt zu unternehmen. Wie in mittlerweile vielen Städten Deutschlands, seit April bekanntlich ja auch in Osterholz-Scharmbeck.

Radio Bremen war zufällig auch da und hatte sogar eine Kamera mitgebracht, was sich angesichts der vielen gut gelaunten und blendend aussehenden Radlerinnen und Radler als Glücksfall entpuppte. Konnten sie doch so gleich ein attraktives Feature für’s Fernsehen drehen … leider habe ich nicht mitbekommen, für welche Sendung es wohl war. Naja, macht nix, ich bin guter Hoffnung, dass ich davon hören oder lesen werde.

Radio Bremen bei der Critical Mass
Radio Bremen war auch da ...
Die Strecke führte über 23 km rund um Bremens Innenstadt und die Weserinsel, wobei wir die letzten 5 km zwecks Heimfahrt nach Osterholz-Scharmbeck abgeklemmt haben. Hat viel Spaß gemacht und war auch ziemlich praktisch, weil wir auf diese Weise unserem Hamburger Besuch ganz zwanglos nebenbei viel von Bremen zeigen konnten.

Radverkehr fördern statt Helmpflicht

Mit Fahrradhelm am Berliner Reichstag
Heißes verkehrspolitisches Thema derzeit: der Fahrradhelm
Hut ab, klarer kann man es fast nicht formulieren: Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann, dessen CSU mir bislang nicht als bemerkenswert fahrradfreundlich aufgefallen war, hat sich vor einigen Tagen sehr deutlich zum Sinn der vieldiskutierten Helmpflicht für Radfahrer geäußert (danke, Malte Hübner für den Hinweis):
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Helmpflicht volkswirtschaftlich

Volkswirtschaftlich lässt sich mit der Helmpflicht jedenfalls kein Gewinn machen...
Prof. Dr. Gernot Sieg, der seit April 2013 das Institut für Verkehrswissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster leitet, hat eine potenzielle gesetzliche Helmpflicht in Deutschland einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. Seine im März 2014 publizierten Studienergebnisse fanden ein großes Medienecho und sind -wie immer, wenn es um eine mögliche Helmpflicht geht- auch wieder einmal in mehreren hundert Leserkommentaren hitzig diskutiert worden.
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Wie schnell auf Fußwegen?

Fussgängerzone - Radfahrer frei
Abb. 2: Fußgängerzone - Radfahrer frei
Fussweg - Radfahrer frei
Abb. 1: Fußweg - Radfahrer frei
Daniel hat in seinem Blog it started with a fight kürzlich eine interessante Diskussion über die für Radfahrer zulässige Geschwindigkeit auf freigegebenen Fußwegen bzw. in freigegebenen Fußgängerzonen in Gang gebracht.

Bislang waren tatsächliche und selbsternannte Fachleute mehrheitlich davon ausgegangen, dass diese mit den beiden abgebildeten Verkehrszeichen ausgeschilderten Verkehrsräume von Radfahrern grundsätzlich nur im Schritttempo befahren werden dürfen. Und zwar unabhängig vom jeweils herrschenden Fußgängerverkehr. In Niedersachsen kam diese Ansicht Ende 2013 ins Wanken, als die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr den Leitfaden Radverkehr (Download hier – 7.9 MB) veröffentlichte. Dort heißt es auf Seite 3

„Nicht benutzungspflichtig sind ferner Gehwege, bei denen durch Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ das Radfahren, falls notwendig nur mit Schrittgeschwindigkeit, zugelassen ist.“

und auf Seite 9 erneut:

„Bei einer auch möglichen Ausweisung als Gehweg mit Zusatzzeichen „Radverkehr frei“ muss der Radverkehr erforderlichenfalls Schrittge- schwindigkeit fahren (Bild 15).“ (Anm.: Bild 15 entspricht der Abb. 1)

Die dadurch neu entfachte Diskussion hat Daniel -zumindest für Niedersachsen- durch eine Anfrage bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr recht eindeutig geklärt. Deren Antwort lautete nämlich:

“Die Ausführungen im Leitfaden Radverkehr zur Fahrgeschwindigkeit auf Gehwegen, die für den Radverkehr frei gegeben sind, beruhen auf Abstimmungen meines Hauses mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (MW).

In der StVO ist klar definiert, dass Radverkehr Gehwege nur nutzen darf, wenn dies durch ein Zusatzzeichen erlaubt ist. Die Freigabe des Gehweges für den Radverkehr durch Zeichen 239 mit Zusatzzeichen ‘Radverkehr frei’ kommt nur in Betracht, wenn dies unter Berücksichtigung der Belange der Fußgängerverkehrs vertretbar ist. In den Verwaltungsvorschriften zur StVO aus dem Jahr 2009 heißt es: “wird bei Zeichen 239 durch Zusatzschild Fahrzeugverkehr zugelassen, so darf nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden.”
In den aktuellen StVO-Verwaltungsvorschriften aus dem Jahr 2013 ist dies etwas weicher formuliert: “Ist durch Zusatzzeichen die Benutzung eines Gehwegs für eine andere Verkehrsart erlaubt, muss diese auf den Fußgängerverkehr Rücksicht nehmen. Der Fußgängerverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig muss der Fahrverkehr warten; er darf nur Schrittgeschwindigkeit fahren.”

Dies wird von der Niedersächsischen Straßenbauverwaltung gem. o.a. Abstimmung mit MW wie folgt interpretiert:

Der Fußgängerverkehr hat auf dem Gehweg immer Vorrang.
Wenn kein Fußgängerverkehr auf dem Gehweg (in der Nähe) ist, darf der Radverkehr schneller als Schrittgeschwindigkeit fahren. Er muss die Geschwindigkeit allerdings so wählen, dass er auch bei unvorhergesehener Begegnung mit Fußgängerverkehr (z.B. Kinder laufen hinter einem Sichthindernis hervor) jederzeit rechtzeitig anhalten kann.
Wenn ein Radfahrer einen Fußgänger überholt, darf er nicht wesentlich schneller sein als der Fußgänger. Ebenfalls darf der Fußgänger nicht gefährdet werden. Der Radfahrer muss beim Überholen oder bei der Vorbeifahrt an entgegenkommenden Fußgängern jederzeit in der Lage sein anzuhalten.
Ich hoffe, dass die vorstehenden Ausführungen Ihre Fragen beantworten.”

Jo, haben sie 🙂 Anmerken sollte man vielleicht noch, dass diese Ausführungen der Landesbehörde nicht notwendigerweise auch von einem Richter im Falle eines Rechtsstreits geteilt werden. Ein solcher ist aber auch ziemlich konstruiert, denn im Falle eines Unfalles oder einer Nötigung zu Lasten eines Fußgängers ist man als Radfahrer ja eindeutig unvorsichtig gewesen (Fußgänger dürfen definitiv nicht gefährdet werden). Und ohne Unfall oder Nötigung geht es ja bestenfalls um die Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts, da wird dieser immerhin mit dem Verkehrsministerium abgestimmte Text schon ein gewisses Gewicht haben.