Radweg Heidkampstraße

Update 22.11.14: Großes Lob an die Verantwortlichen bei der Stadt: die am 6.11. so recherchierte und unten geschilderte Situation existiert nicht mehr. Das eingangs fotografierte Zeichen Zeichen 240 ist abmontiert, jenes an der Einmündung Querstraße ebenfalls. Unter den gegebenen Voraussetzungen schien auch mir dies die beste Lösung, siehe letzter Absatz. Ich ziehe meinen Hut, es war und ist mit Sicherheit nicht einfach, mit den plötzlich geänderten Gegebenheiten nach weitgehender Abschaffung der Radweg-Benutzungspflicht umzugehen. Ich weiß nicht, ob es dieser Artikel war oder systematische Nachschau der neuen Radverkehrsführungen. Ist ja auch egal, auf jeden Fall freut es mich sehr, das da welche sind, die auch für Radfahrer mitdenken. Danke!

Ursprünglicher Artikel (Stand 6.11.14):
Vor ein paar Tagen musste ich ziemlich lachen, erst über mich selbst und dann über die Beschilderung des Radwegs an der Heidkampstraße. Das kam so: in den letzten Tagen bin ich nachmittags oft kreuz und quer durch Osterholz-Scharmbeck geradelt, um die neue Situation für Radfahrer nach weitgehender Aufhebung der Radweg-Benutzungspflicht kennenzulernen. Zunächst wollte ich mal feststellen, welche Radwege benutzungspflichtig geblieben sind.

Kreuzung Heidkampstr./Bremer Str. in Osterholz-Scharmbeck
Abb. 1: Aus Radfahrersicht von der Geradeaus-Spur nicht zu sehen ...
Und da habe ich mich an der Heidkampstr. etwas gewundert: Stadtauswärts Richtung Tietjens Hütte soll man wohl die Fahrbahn benutzen, das frühere Verkehrszeichen 240 für „Gemeinsamer Fuß- und Radweg“ schien mir entfernt worden zu sein. nach einigen hundert Metern aber, an der Einmündung Querstraße beim Autohaus Schmidt & Koch steht dann doch eins. Also rechts rauf auf den für Fußgänger plus 2-Richtungs-Radverkehr teilweise viel zu schmalen Fuß-/Radweg … und einen ganzen Tag darüber nachgedacht, was der Sinn dieser Anordnung ist.

Bis mir am Folgetag beim Fotografieren von der benachbarten Verkehrsinsel ein Licht aufging. Jetzt sah ich es auf einmal, das vermisste Zeichen 240. Die Ausschnittsvergrößerung in Abb. 2 zeigt zumindest die Teile des Schildes, die nicht vom Eckhaus verdeckt werden. Und die Ausschnittsvergrößerung in Abb. 1 zeigt auch, warum ich es am Tag zuvor nicht entdeckt hatte.

Naja, erst habe ich wie gesagt über mich gelacht: wie blind kann man denn sein, wenn man das Verkehrszeichen sogar auf einer nur diesem Zweck dienenden „Inspektionsfahrt“ schon übersieht. Aber dann fand ich es eigentlich nicht mehr so lustig. Was wäre wohl die überwiegende öffentliche Meinung, wenn Verkehrszeichen für den Autoverkehr einfach mal so angebracht werden, dass sie sich gegenseitig verdecken und von den adressierten Autofahrern gar nicht gesehen werden können?

Kreuzung Heidkampstr./Bremer Str. in Osterholz-Scharmbeck
Abb. 2: ... das Verkehrszeichen 240 als Suchspiel?
Ich fürchte, dass dieses Beispiel ein Indiz für die noch weit verbreitete Ansicht ist, dass die Verkehrsregeln eigentlich nur für Autofahrer gelten und Radfahrer sowieso fahren wie es gerade passt.

Übrigens keineswegs eine Ansicht nur von Autofahrern und Verkehrsplanern, gerade bei Letzteren ist in den letzten Jahren eher ein stetig wachsendes Interesse für die Verkehrslenkung auch des Radverkehrs zu beobachten. Leider sind es auch und gerade viele Radfahrer selbst, die -kaum auf ihrem 2-Rad aufgesessen- den kleinen Anarchisten raushängen lassen und munter über Fußwege, Fußgängerüberwege und Kreuzungen „mal schnell ein wenig abkürzen“. Ist schon ein kleiner Teufelskreis: nachlässig beschilderte und überhaupt nicht durchdachte Verkehrsführung fördert den Anarchismus unter Rad Fahrenden … und dieser Anarchismus wiederum motiviert auch nicht gerade, sich über jedes Verkehrszeichen und jeden Meter Radweg wochenlang den Kopf zu zerbrechen. Gelegentlich wird an dieser Stelle eingewandt, man solle mal die „typisch deutsche“ Regulierungswut nicht an den Radfahrern auslassen und ihnen ein bisschen Freizügigkeit zugestehen. Das aber funktioniert meines Erachtens nicht für ungeübte und viele ältere Radfahrer sowie Fußgänger. Ganz zu schweigen von der leidigen Schuldfrage, wenn dann doch mal etwas passiert. Da kommt es dann schon im Detail darauf an, wer sich an Regeln gehalten hat.

Hier jedenfalls an der AOK-Kreuzung gibt’s meines Erachtens 2 Möglichkeiten:

  • Entweder Aufhebung der Benutzungspflicht für den Fußweg in Richtung Tietjens Hütte (stadteinwärts wird man sie belassen wollen, weil der Radweg entlang des Hafenkanals sonst am Ortseingang ohne sichere Querungsmöglichkeit plötzlich im Nichts endet) oder
  • Umsetzen des Verkehrszeichens 240 an der Kreuzung, damit auch Radfahrer aus der Bahnhofstraße und der Bremer Straße eine Chance bekommen, es zu sehen und zu beachten.

Das Verkehrsaufkommen von ca. 8.500 Kfz täglich mit ca. 7 % Lkw-Anteil lässt beide Möglichkeiten offen, die Breite des jetzt gemeinsamen Fuß-/Radweges spricht eher für eine Aufhebung der Benutzungspflicht stadtauswärts.

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