Davidsohn, Johan

Johann und Ilse Davidson
Johan und Ilse Davidsohn
Johan Davidsohn (später John Davidson; geb. 1. August 1904, gest. Sept. 1985) war ein Sohn der alteingesessenen und angesehenen Kaufmannsfamilie Davidsohn in Scharmbeck. Im Nationalsozialismus wurde er entrechtet und verhaftet, bevor ihm 1939 noch die Flucht über England in die USA gelang.

Johan war das älteste Kind von Sally Davidsohn und dessen Frau Toni, geb. Goldschmidt. Mit seiner 1906 geborenen Schwester Ilse wuchs er schräg gegenüber der Synagoge im Haus Bahnhofstr. 84 („Kohlmannsches Erbe“) auf, das die Davidsohns 1902 gekauft hatten. Als 30-jähriger Gerichtsreferendar wurde John im November 1934 von 40-50 Männern zusammengeschlagen, in „Schutzhaft“ genommen und nach Berlin gebracht, nachdem er mehrere Flugblätter entfernt hatte, die zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen.

Polizeiprotokoll Henny Cohen Schutzhaft
Polizeiprotokoll betr. 'Schutzhaft'
Nach der sog. Reichspogromnacht (9./10. November 1938), in deren Verlauf SA-Männer im Anschluss an die vereitelte Brandstiftung an der ehemaligen Synagoge in die Wohnungen ansässiger Juden eindrangen und u. a. Johans Schwester Ilse schwer verletzten, wurden Johan und sein Cousin Ernst in „Schutzhaft“ genommen.

Nachdem er am 31. März 1939 noch in Osterholz-Scharmbeck einen neuen Pass mit dem seit Anfang 39 für alle Juden verbindlich vorgeschriebenen roten „J“ erhielt, konnte er am 11. August 1939 an Bord der MS Europa von Bremen nach Southamptom flüchten.

Vermutlich ist er 1940 in die USA eingereist. Dort heiratete er Elsa Eichwald, vor seinem Tod im September 1985 lebte er in Queens im Staat New York. Johns Cousin Ernst kam 1942 im Ghetto von Minsk ums Leben.

Pass 1939

Buch: Worpswede im Dritten Reich

Ferdinand Krogmann
„Worpswede im Dritten Reich 1933-1945“
1. Aufl. 2011, Donat-Verlag
Hardcover, 304 S. , € 19.80

Krogmann (*1948) ist ehemaliger Geschichts- und Politiklehrer und schied 1994 aus dem Schuldienst aus. Ende der 1990er-Jahre kam er als „Auswärtiger“ nach Worpswede, wo er sich über viele Jahre intensiv mit der Geschichte des Ortes und seiner teils prominenten Bewohner insbesondere während des Nationalsozialismus befasste. Seit 2007 lebt er in Vegesack. (Quellen: Webseite Krogmann und taz 2006) „Worpswede im Dritten Reich 1933-1945“ ist sein jüngstes und nicht nur in Worpswede umstrittenes Buch, das diesem Thema gewidmet ist.

Meinungen dazu

Sehr informative Interviews mit dem Autor führten Christian Palm (Weserkurier 21.2.2012)

Palm: Ihre Hauptquelle für die Forschungen waren die historischen Jahrgänge der Lokalzeitung. Wie wahrscheinlich ist es, darin auf der Suche nach Widerständlern fündig zu werden?
Krogmann: Wo es Widerstand gab, wurde auch in den staatstreuen Medien darüber berichtet. Auch die „Wümme-Zeitung“ hätte über den Widerstand berichtet, wenn es ihn wirklich gegeben hätte. Da bin ich mir sicher.

und Lars Fischer (Weserkurier 14.01.2012).

Fischer:Es gibt keine Belege für Widerstand oder zumindest „zivilen Ungehorsam“?
Krogmann: Nein, auch im Bundesarchiv finden Sie nichts zum Thema Widerstand in Worpswede. Gefunden habe ich noch eine Angelegenheit, die bezog sich auf den Maler Bernhard Huys. Der soll verbotenerweise „Feindsender“ gehört haben, ist aufgeflogen und wurde verhaftet. Daraufhin hat sich Fritz Mackensen bei Gauleiter Otto Telschow für Huys eingesetzt. In einem Brief haben Mackensen und Waldemar Augustiny versucht, ihn da rauszupauken, indem sie ihn als harmlosen, national denkenden Menschen beschreiben.

In diesem Zusammenhang bedenkenswert: Bernhard Huys.
Arn Strohmeyer im Schattenblick:

Krogmann weist in unendlicher und fast schon quälender Fülle nach. wie sehr die Künstlerschaft des Ortes dem Nationalsozialismus erlag und wie sie und ihre Verteidiger Mythen und Legenden schaffen mussten, um sich zu rechtfertigen, als der braune Spuk vorbei war.

Ralf Rospeck in marktplatz-osterholz.de:

Ferdinand Krogmanns Buch ist schwer, ja, mitunter regelrecht langweilig zu lesen, was er auch selber zugibt. Das ist seiner peniblen Fleißarbeit zuzuschreiben, alle genannten Fakten mit Quellen, Daten und Zitaten zu versehen. Ein bisschen erschlägt diese Informationsflut. Doch darin sieht Krogmann auch ein großes Plus. „Ich kann alle meine Behauptungen belegen. Meine Kritiker sparen sich das leider meistens und antworten lieber mit persönlichen Beleidigungen.“

Verlagstext:

Auch in Worpswede, der wohl bekanntesten deutschen Künstlerkolonie, saßen die Nationalsozialisten fest im Sattel. Ortsgruppenleiter Ferdinand Stolte tat mit den über 300 Parteigenossen alles, „damit man in der Welt einmal von dem neuen, dem nationalsozialistischen Worpswede“ spricht. Wie es sich präsentierte und die Künstler bei seiner Gestaltung mithalfen, ist ebenso zentrales Thema des Buches wie die Pläne des Propagandaministeriums und der Gauleitung von Ost-Hannover, Worpswede zum Kulturzentrum des gesamten niederdeutschen Raumes sowie zum Mittelpunkt niederdeutscher Heimatkunst auszubauen.
Der Autor hat neben den Archiven die wichtigsten Presseorgane ausgewertet und die Rolle von Worpsweder Künstlern und Schriftstellern ebenso beachtet wie die der Handwerker, Bauern, Gewerbetreibenden, Händler, Lehrer, Pastoren, Frauen sowie der Verbände und Vereine. Persönlichkeiten aus anderen Orten sind ebenfalls einbezogen, sofern sie mit Worpswede oder mit dort lebenden Künstlern eng verbunden waren. Zahlreiche Abbildungen dokumentieren, wie sich Worpswede mit dem „Leben unter dem Hakenkreuz“ einrichtete, was man sich von ihm erhoffte und wie man sich von ihm leiten ließ. Dabei sind vor allem jene Bekanntgaben, Bilder und Ankündigungen berücksichtigt, die zeigen, wie vielfältig der Alltag und für jedermann sichtbar von NS-Vorstellungen durchsetzt gewesen ist.

Bahnhofstr. 34

ca. 1926
Bis 1934 Bahnhofstraße 474, fälschlicherweise wird auch für den neu errichteten Gebäudekomplex Bahnhofstr. 30 oftmals die Adresse „Bahnhofstr. 32-34“ verwendet..

Das heutige Gebäude wurde 1908 von der Osterholz-Scharmbecker Bank erbaut und 1926 von der Amtssparkasse angekauft. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band I, 2004)

1934 wurde beim Umbau der Kreissparkasse der erste Luftschutzkeller mit Platz für 40 Personen gebaut. Im gleichen Jahr mietete Hanni Cohen, Tochter von Siegmund Cohen (ehemals Bahnhofstr. 37) einen Raum für ihr Manufakturgeschäft. Sie wurde am Tag nach den Novemberpogromen (10. November 1938) für einen Tag in „Schutzhaft“ genommen, ihr Geschäft musste sie aufgeben. Quelle: K. Beer Ein Denkmal für Familie Cohen die in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen gelebt hat. Verl. H. Saade, 2001.

Im März 1940 wurde die Hauptstelle der Kreissparkasse von Blumenthal hierher verlegt. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

... und 2007
1975 wurden die neuen Räume für die Stadt- und Kreisbücherei eröffnet, seit 1977 ist auch das Kreisarchiv im Gebäude untergebracht. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

Im Februar 2012 wurde berichtet, dass das Finanzamt seinen zusätzlichen Raumbedarf hier decken und das Gebäude nach Auszug von Stadt- und Kreisbücherei und nötigen Umbaumaßnahmen voraussichtlich ab November 2012 von Landkreis anmieten will. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 23.2.2012)

Holtstelle

Hamme 1764 und 2008
Hammeniederung 1764 (Kurhannoversche Landesaufnahme)
Überlagert sind der heutige Verlauf von Hamme (blau), Kreisstraßen (gelb) und Bahnlinien (schwarz) sowie die 5 bekannten Standorte von Hammehütten (rot)
Die Holtstelle (auch als Haltestelle, Holz Stelle und Holtz Stelle bezeichnet) war eine seenartige Erweiterung der Hamme im Bereich der heutigen Eisenbahnbrücke, die der weitgehend am Ende des 19. Jh. vorgenommenen Hammekorrektur zum Opfer fiel. Ihren Namen verdankt die Holtstelle ihrer jahrhundertlangen Bedeutung als Handels- und Umschlagsplatz für den im Teufelsmoor abgebauten Torf. Von ca. 1770 bis zum Ende des 19. Jh. war sie die „Haltestelle“ der vor Anker liegenden Lastkähne und Bockschiffe zunächst Bremer und dann auch örtlicher Torfhändler.
„Holtstelle“ weiterlesen

Lager Sandbostel

Lagerbaracken
Lagerbaracken
Das ehemalige Kriegsgefangenenlager Sandbostel (Stalag XB = Mannschafts-Stammlager B im Wehrkreis X, Hamburg) liegt am Nordrand des Teufelsmoores etwa 30 km nordöstlich von Osterholz-Scharmbeck (Standortmehr Fotos …). Im 2. Weltkrieg war es Zwangsaufenthalt für mehrere Hunderttausend Kriegsgefangene, Internierte, Gefangene und zuletzt auch KZ-Häftlinge, bevor es am 29. April 1945 von der englischen Guards Armoured Division befreit wurde.
„Lager Sandbostel“ weiterlesen

Buch: Die Findorff-Siedlungen

Bild bei Edition Temmen

Wolfgang Konukiewitz, Dieter Weiser (Hg.):
Die Findorff-Siedlungen im Teufelsmoor bei Worpswede
Ein Heimatbuch
328 Seiten, 443 Abb., gebunden
1. Aufl. 2011, Edition Temmen (Link)
€ 24,90

Aus dem Verlagstext:
„Für das Buch hat sich ein Team von Autorinnen und Autoren den „Findorff-Siedlungen“ aus je ihren Fachrichtungen genähert. Alle Texte sind mit historischem und aktuellem Bildmaterial von Dieter Weiser reich illustriert. Zusammen mit vielen Karten und zahlreichen Zeichnungen ist ein faszinierendes Heimatbuch entstanden, das in Worpswede und umzu in keinem Haushalt fehlen sollte.“

Errata

S. 92 (Karte): D=Bargschütt liegt nicht an der Hamme sondern an der Abzweigung des Torfkanals (1.28) von der Beek (1.25) — vgl. Bargschütt und NiedersachsenNAVIGATOR.

Bahnhofstraße 117

Bahnhofstr. 117
1904
von G. Seedorf, aus: H. Siewert
Rund um den Scharmbecker Marktplatz - damals
(Früher Bahnhofstr. 349)
Der „Hinter der Loge“ aufgewachsene Hinrich Finken fuhr als gelernter Bäcker lange Jahre auf Passagierschiffen des Norddeutschen Lloyd zur See, bevor er das Grundstück erwerben, das Haus bauen und sich hier als Bäcker und Konditor niederlassen konnte. (Quelle: H. Siewert Rund um den Scharmbecker Marktplatz – damals. Verl. H. Saade, 1983. S. 29)

1919 übernahm sein Sohn, der Bäckermeister Heinrich Finken die Bäckerei, 1938 der Konditormeister Otto Habekost. Quelle: Menkhoff 1939 war sie neben Pape in der Kirchenstr. 19 (Lebensmittel) und Seedorf in der Koppelstr. 23 (Schlachterwaren) eines der drei Geschäfte, in denen die wenigen übrig gebliebenen Juden Osterholz-Scharmbecks in Folge der Rassegesetzgebung der Nationalsozialisten noch einkaufen durften, und das nur in der Zeit von 12 bis 13 Uhr. Nach wenigen Monaten allerdings wurde Bäcker Habekost zur Wehrmacht eingezogen, so dass die Bäckerei Minkwitz in der Bremer Str. 51 zuständig wurde. (Quelle: Die Geschichte der Juden in Osterholz-Scharmbeck. hagalil.com)

2007
1997 zog der Drogeriemarkt „Ihr Platz“ von hier zur Kirchenstr. 6. 1998 eröffnete Gerd Horneburg seinen Laden „Mode Schröder“. Quelle: Menkhoff

Ca. 2006-2009 befand sich hier Das Radhaus – Service-Station und von 2010 bis 2011 das Orient-Teppich-Haus Saber.

OHZ: Bahnhofstraße 117 September 2011
September 2011
2011 kaufte die Sewtz GmbH die Immobilie und das Nachbarhaus Nr. 115, um dort ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten, das 2012 fertiggestellt werden soll. Im Erdgeschoss soll u. a. die LBS einziehen, die erste Etage (300 qm) wird von der Lebenshilfe Osterholz als Wohnraum für Behinderte genutzt werden. In der zweiten Etage sind drei Eigentumswohnungen geplant.

Bahnhofstraße 115

Bahnhofstr. 115
Aufn. ca. 1910
(v. F. Lauenstein aus: H. Siewert Rund um den Scharmbecker Marktplatz – damals.)
Aufn. 2007

Früher Bahnhofstraße 326.

1875 eröffnete Friedrich Wilhelm Dreyer auf dem ehemaligen Grundstück des Bergschen Hofes (Ecke Bahnhofstr./Loger Str.) ein Geschäft für Pumpenbau. (Quelle: H. Siewert Rund um den Scharmbecker Marktplatz – damals. Verl. H. Saade, 1983)

1910 verkaufte er das Haus für 28.000 Mark an den Maschinenmeister Fritz Lauenstein (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band 1, 2004), der 1904 aus Halle zu den Osterholzer Reiswerken gekommen war und später eine Einheimische heiratete. Er führte Installations- und Wartungsarbeiten aus und verkaufte Porzellan und Haushaltsgeräte. Wartungsarbeiten an der Gemeinschaftspumpe auf dem Scharmbecker Marktplatz zwangen ihn häufig, in den 14 m tiefen Brunnen hinab zu steigen. (Quelle: H. Siewert Rund um den Scharmbecker Marktplatz – damals. Verl. H. Saade, 1983)

1925 eröffnete hier die Genossenschaftskasse, die 1934 in der Spar- und Leihkasse aufging. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band 1)

1946 Arztpraxis Dr. Seiffert.
1960 Erich Nevoigt mit dem „Wollstübchen“, Wilhelm Bergmann mit Schlachterei und Schnellimbiss
1968 Übernahme der Schlachterei durch H. F. Jäger.
1976 Schuhgeschäft „Greif zu“ (Salamander-Gruppe, wechselt 1981 zur Bahnhofstraße 79).
1981 Salamander-Schuhhaus Behrens (1991 dann Bahnhofstraße 79).
1986 Bekleidungsgeschäft KARAT.
1990 „kiek rin“ (Internationales Kunstgewerbe, Inh. Sigrid Groothedde).
(Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

In 115 a war von 1991 bis 2001 die Fa. Schmidtke ansässig (Haushaltsgeräte, jetzt Siemensstr. 1 in Pennigbüttel), von 2001 bis ca. 2007 ein Copyshop (Inh. Hans Joachim Pschygoda) und von ca. 2007 bis 2009 der „Palmenprinz“ (Kunstpflanzen), kulturschaffend auch als „Weser-Elvis“ bekannt. Seit 2010 steht der Laden leer.

In 115 b wurde 2007 der City-Kiosk und ca. 2009 der Kiosk-Shop eröffnet.

2011 kaufte die Sewtz GmbH die Immobilie und das Nachbarhaus Nr. 117, um dort ein Wohn- und Geschäftshaus zu errichten, das 2012 fertiggestellt werden soll. Im Erdgeschoss soll u. a. die LBS einziehen, die erste Etage (300 qm) wird von der Lebenshilfe Osterholz als Wohnraum für Behinderte genutzt werden. In der zweiten Etage sind drei Eigentumswohnungen geplant.

Escherhausen, Brigitte

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Brigitte Escherhausen

Ich traf Brigitte Escherhausen am Sonntag beim Erntefest, wie eigentlich jedes Jahr. Und ich durfte einen der seltenen ohne Regenschirm erträglichen Momente nutzen, um sie vor den vorbeiziehenden Festwagen im Hintergrund für die 999 Gesichter abzulichten. Danke!

Als wir 1999 nach Osterholz-Scharmbeck kamen, war Frau Escherhausen Bürgermeisterin und sehr präsent in der Lokalpresse. Wahrscheinlich war dies der Grund, warum ihr Gesicht für mich von Anfang an irgendwie mit der Region verknüpft war. Einige Jahre später lernten wir uns bei der ehrenamtlichen Hospizarbeit besser kennen und ich verstand auf Anhieb, warum sie als Bürgermeisterin so beliebt war. Während all der Jahre kommunalpolitischer Aktivität stand bei ihr das Menschliche und Persönliche ganz offenkundig im Vordergrund. Und das spürt man intensiv.

Mehr als 30 Jahre war sie im Stadtrat aktiv, 11 Jahre davon als Bürgermeisterin. Für die hiesige SPD war sie „Bürgermeisterin der Herzen“ und „das Herz der SPD der Stadt“, im Jahr 2006 mit der Willy-Brandt-Medaille geehrt, der höchsten Auszeichnung der deutschen Sozialdemokratie.

Unter Anderem für ihren Einsatz für die Familien von US-Soldaten zu Zeiten des sog. 2. Golfkrieges wurde sie 1992 mit dem Outstanding Civilian Service Award ausgezeichnet, einem der höchsten an Zivilisten vergebenen Orden der US Army. Als die Kampftruppen der in Garlstedt stationierten 2nd Armored Division (Forward) Ende 1991 innerhalb weniger Tage in die Golfregion verlegt und dort später auch in Kampfhandlungen involviert waren, engagierte sie sich auch persönlich sehr für die verbliebenen Angehörigen der 3.500 im Nahen Osten eingesetzten Soldaten.

Aron, Wilhelm

Wilhelm Aron (9.1.1895-2.1.1973) war neben seinen „halbjüdischen“ Kindern Annelie und Willi der einzige Jude aus Osterholz-Scharmbeck, der nach der Vertreibung und Vernichtung der Juden unter nationalsozialistischer Herrschaft an seinen Heimatort zurückkehrte. Er engagierte sich danach viele Jahre in Partei und Gewerkschaft sowie bei der Feuerwehr, der AOK, im Stadtrat und beim VSK, der ihn 1962 zum Ehrenmitglied machte.

Am 10.11.1938, dem Tag nach der sog. Reichspogromnacht und dem Brand der Scharmbecker Synagoge wurde Aron (damals wohnhaft Auf dem Kamp 14) wie alle Juden im Alter von 20 bis 60 Jahren in „Schutzhaft“ genommen und mehrere Tage in Lesum festgehalten.

Am 2.4.1942 waren Wilhelm und sein Bruder Moritz die letzten beiden jüdischen Bewohner Osterholz-Scharmbecks, deren Haus somit als einziges unter die neue Kennzeichnungspflicht jüdischer Wohnungen fiel. Drei Monate später, am 23.7.1942, wurde Moritz im Alter von 69 Jahren in das Lager Theresienstadt deportiert und dort oder in den Gaskammern von Auschwitz hingerichtet.

Wilhelm Aron wurde im September 1944 zusammen mit Tochter Annelie und Sohn Willi (geb. 1918) von der Gestapo verhaftet. Annelie kam zunächst in ein Arbeits- und Erziehungslager nach Oldenburg, im November dann als Zwangsarbeiterin zur Fa. Krupp nach Oslebshausen. Später musste sie im zerstörten Bremen in einem Aufräumkommando Trümmer beseitigen, wobei ihr als „Halbjüdin“ der Zutritt zu den Bunkern bei Bombenalarm verwehrt war. Nach dem Krieg kehrte sie nach Osterholz-Scharmbeck zurück, 1950 engagierte sie sich als Kassiererin in der 1947 gegründeten Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes VVN.

Willi und sein Vater wurden in das Lager Farge gebracht, wo zeitweise bis zu 12.000 Häftlinge und Zwangsarbeiter für den Bau des U-Boot-Bunkers Valentin zusammengepfercht waren. Vater Wilhelm wurde etwa vier Wochen später nach Wesermünde (Bremerhaven) verlegt und musste als gelernter Tischler Reparaturarbeiten durchführen. Wie zuvor sein Bruder Moritz wurde auch er in das KZ Theresienstadt verlegt, dort aber von den Russen befreit. Er kehrte nach dem Krieg nach Osterholz-Scharmbeck zurück.

Sohn Willi, der noch bis 1942 als Soldat in der deutschen Wehrmacht gedient hatte und dann als sog. Halbjude verstoßen worden war, hatte das „Glück“, in der Lagerküche eingesetzt zu werden. Nach einem halben Jahr wurde er in das Außenlager Eschershausen des KZ Buchenwald verlegt, aus dem er kurz vor Kriegsende entlassen wurde. Er kehrte nach Osterholz-Scharmbeck zurück und arbeitete nach dem Krieg zeitweise als Lkw-Fahrer für die US-Besatzungstruppen. (Quellen: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009 sowie: 1945 Kriegsende und Neubeginn. Eine Serie im Osterholzer Kreisblatt, M. Wilke u. N. Koch, 1996)

1945 wurde Aron von der amerikanischen Militärregierung zusammen mit u. a. Heinrich Horstmann, Drebelow und Biester in den „Zwölferausschuss“ berufen, der den ersten Landrat der Nachkriegszeit, den Sozialdemokraten August Lange, beraten sollte.

In der ehemaligen Synagoge seiner Gemeinde (Bahnhofstraße 105) richtete Aron ein Gewerkschaftsbüro ein. Im September 1945 konnte er nach vielen Verhandlungen mit dem US-Kommandanten die Zulassung eines neuen Sportvereins durchsetzen und lud zusammen mit August Schlüter sen. zur Gründungsversammlung des VSK (Verein für Sport- und Körperpflege e. V.) ein, die am 30.9.45 im Gewerkschaftshaus stattfand. Aron unterstützte auch die „Scharmbecker Speeldeel“ bei ihren Bemühungen, wieder aufzutreten. Als Sparte des VSK konnte sie 1946 ihr Premierenstück „Morgen geiht los“ aufführen. Angesichts der 1945/46 „schwierigen Situation einer sich weitgehend sich selbst überlassenen Jugend“ engagierte sich Aron zusammen mit dem Kreisjugendpastor Erwin Seeger und dem Kreisjugendpfleger Willi Nagel für eine neue Jugendfürsorge und machte seinen Einfluss bei den Besatzungsmächten für die Arbeit von Pfadfindern, „Falken“, „Jugendbund für entschiedenes Christentum“ und die „Offene Jugendarbeit“ geltend.

Aron trat wieder der SPD bei und war 1946-64 Mitglied des Stadtrates. Als Leiter des Gewerkschaftsbüros ging Aron (mittlerweile wohnhaft Auf dem Kamp 32) 1960 in den Ruhestand, die DGB-Ortsgruppe wählte ihn 1963 nach 50-jähriger Gewerkschaftsmitgliedschaft zum Ehrenvorsitzenden. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

Im November 1963 (Quelle: Menkhoff) oder Anfang 1964 (Quelle: Otte) trat Aron zumindest im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit der sog. Drebelow-Affäre aus der SPD aus. Die SPD verlor darauf hin ihre Mehrheit im Stadtrat und Aron führte sein Ratsmandat bis 1964 als unabhängiger Ratsherr weiter. Kurz vor seinem Tode lehnte die SPD-Fraktion 1972 den Antrag der CDU ab, die neue Sporthalle an der Langen Straße nach ihm zu benennen(Quelle: 1945 Kriegsende und Neubeginn. Eine Serie im Osterholzer Kreisblatt, M. Wilke u. N. Koch, 1996)

Gut Sandbeck

Postkarte ca. 1920er-Jahre
(Verl. Heinrich Künne, Bremen ... thank you, Bob!)
1856 starb Friedrich Christian Heinrich August von Sandbeck als Letzter derer von Sandbeck „in fast ärmlichen Verhältnissen, weil er mit der Leitung des Gutes überfordert war“. Für 140.000 Thaler erwarb der Celler Bankier C. Hostmann das Gut. Quelle: Menkhoff

1957 gekauft von Friedrich Meyer. 1962 verkauft an den Dipl.-Volkswirt Hubertus Bultjer aus Bremen, der hier ein Agrarkulturinstitut plante.

Bultjer geriet 1964 in die Schlagzeilen, nachdem er in der nahe gelegenen „Weinstube Adam“ auf seine Lebensgefährtin Liselotte Thomsen einstach. Er war in Folge der aufwändigen Restaurierung des Gutes in finanzielle Schwierigkeiten geraten, Petroleum-Behälter auf dem Gut führten zu der Annahme, dass er das Gutshaus abbrennen wollte. Das Gut wurde im März 1966 zwangsversteigert, das einzige Gebot über DM 380.000.- kam von der Iduna-Versicherung. Als diese Pläne schmiedete, die historischen Gebäude abzureißen und durch 8-geschossige Hochhäuser zu ersetzen, kaufte die Stadt der Versicherung das Gut samt 29.930 m² Grundstück 1975 für DM 380.000.- ab. Quelle: Menkhoff

Buch: Mord im Moorexpress

Wolf-Dietmar Stock und Elke Löwe (Hrsg.): Mord im Moorexpress – und andere Geschichten aus dem Teufelsmoor
soll im Juni 2011 anlässlich des 100. Geburtstages des Moorexpress erscheinen.

2 Bd.

Am 24. Juni 2011 soll dazu eine „Lesefahrt“ im Moorexpress stattfinden (OHZ-Worpswede-OHZ), Karten dazu im Vorverkauf für € 12.- in den Läden „Neue Buchhandlung“ und „Schatulle“ in Osterholz- Scharmbeck, bei der Worpswede-Touristik und der Buchhandlung in Fischerhude. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 24.2.2011)

Stolpersteine

Stolpersteine in Hamburg-Eppendorf
Stolpersteine in Hamburg-Eppendorf
Stolpersteine (siehe auch www.stolpersteine.com und Wikipedia-Artikel „Stolpersteine“) sind ca. 10 x 10 x 10 cm große Steine mit Gedenktafeln aus Messing, die seit den 1990er-Jahren in mittlerweile über 500 Orten Deutschlands und mehreren Ländern Europas ins Trottoir eingelassen sind. Sie sollen am jeweils letzten selbstgewählten Wohnort an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Das Projekt wurde von dem Kölner Künstler Gunter Demning ins Leben gerufen.

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ (Gunter Demnig)

„Stolpersteine“ weiterlesen

Jewish Community OHZ (engl.)

During the 19th Century, Osterholz and Scharmbeck became significant Jewish strongholds within the Elbe-Weser triangle. At the beginning of the 20th century, members of the community included merchants, doctors, decorated war veterans and even local historians, respected by many in the town. The story of their humiliation, expulsion and almost total annihilation between 1933 and 1945 is a lesson in human weakness, tolerance and moral courage.

most injustice begins on a small scale – which one can combat with courage and conviction
Roman Herzog (former German president) May 1997

A case in point being the fate and conduct of Wilhelm Aron, the only Jew who returned back to his home town after these events.
„Jewish Community OHZ (engl.)“ weiterlesen

Notizen eines jüdischen Schulkindes

Notizen der Erlebnisse eines jüd. Schulkindes während der Nazizeit (zwischen 1932-1934/35)
von Lilly Heidemann

aus der
„Ausstellung anlässlich der Einweihung des jüdischen Mahnmals in Osterholz-Scharmbeck am 9. November 2006“
(2002 gestaltet von Claudia Körber – 2006 überarbeitet und ergänzt von Horst Böttjer und Ilse Schröder)

Heidemann, Betty

Betty Heidemann (*6.8.1889) zog im Juli 1940 nach Verden. (Quelle: Murken) Sie wurde am 18. November 1941 mit 569 jüdischen Leidensgenossen von Bremen über Hamburg nach Weißrussland in das Ghetto von Minsk deportiert, ihr weiteres Schicksal ist unbekannt. Quelle: Menkhoff

Den Erinnerungen ihres seinerzeit 15-jährigen Neffen Gottfried Heidemann zur Folge zog Betty ca. 1937 mit ihrem Bruder Iwan und dessen Frau Irma nach Bremen, sie seien 1944 in ein Vernichtungslager nach Polen deportiert worden.

Eintrag im Gedenkbuch beim Bundesarchiv

Heidemann, Betty
* 06. August 1889 in Osterholz-Scharmbeck
wohnhaft in Verden
Deportation: 1941, unbekannter Deportationsort

Heidemann, Grete und Alfred

Alfred Heidemann (1884-1942) und seine Frau Greta („Grete“) Heidemann (geb. Cohn, 1884-1942) waren Anfang des 20. Jh. respektierte Bürger von Osterholz und Mitinhaber des 1851 etablierten größten Osterholzer Bekleidungsgeschäftes S. J. Heidemann in der heutigen Findorffstraße. Während ihre beiden Kinder Lilli (auch „Lilly“, 1920-1999) und Gottfried (1922-2000) noch nach England bzw. Palästina emigrieren konnten, wurden die Eltern im Nationalsozialismus entrechtet und ermordet, .
„Heidemann, Grete und Alfred“ weiterlesen

Ter Berg (Familie)

Die Familie ter Berg war Anfang des 20. Jh. eine angesehene Kaufmannsfamilie in Ritterhude. Ihre dortige Existenz lässt sich bis in das Jahr 1730 zurückverfolgen, die Vorfahren sind aus Groningen in Holland zugewandert. Den Namen ter Berg erhielten sie durch die Heirat von Sophie Simons (geb. 06.04.1858 in Ritterhude) und Hartog ter Berg (geb. 05.05.1856 in Noordbroek, Niederlande; gest. 1921 in Ritterhude).
„Ter Berg (Familie)“ weiterlesen