Juden in OHZ

Synagoge in Osterholz-Scharmbeck
Ehemalige Synagoge in der Bahnhofstraße
nach der Reichsporgromnacht 1938
Osterholz und Scharmbeck waren vor 150 Jahren eine Hochburg jüdischer Ansiedlung im Elbe-Weser-Dreieck. Noch zu Beginn des 20. Jh. waren viele jüdische Mitbürger in Osterholz-Scharmbeck als Kaufleute, Ärzte, dekorierte Kriegsteilnehmer und Heimatforscher respektiert und bei Vielen im Ort beliebt. Die Geschichte ihrer Demütigung, Vertreibung und fast vollständigen Vernichtung in den Jahren 1933-45 ist wegen ihrer „Überschaubarkeit“ und der lokalen Bezüge ein bedenkenswertes Lehrstück über menschliche Schwächen, Toleranz und Zivilcourage.

„Das meiste Unrecht beginnt im Kleinen – und da lässt es sich mit Mut und Zivilcourage noch bekämpfen.“
Roman Herzog (ehemaliger Bundespräsident) im Mai 1997

Beachtlich sind auch Schicksal und Auftreten Wilhelm Arons, des einzigen „Volljuden“ unserer Stadt, der nach diesen Ereignissen an seinen Heimatort zurückkehrte.

Anfänge

Als erster namentlich erwähnter Jude erhielt Levi Hertz 1732 einen Geleitbrief für Scharmbeck. 1756 oder 1757 kaufte er ein ca. 150 m² großes Grundstück an der Chaussee zwischen Lintel und Pennigbüttel für einen jüdischen Friedhof. (Quelle: Obenaus) Anderen Quellen zur Folge (Staatsarchiv Stade) erhielten 1731 Levy Herz und Moses Hein in Osterholz sowie Cahn Meyer und David Meyer in Scharmbeck einen Schutzbrief.

Die jüdische Gemeinde für Osterholz und Scharmbeck wurde am 1. Dezember 1768 gegründet. Sie bestand damals aus vier Familien mit insgesamt 18 Personen sowie einem Knecht und vier Mägden. In Scharmbeck lebten die Familien Levi Hertz (lt. Stadtchronik seit 1735), Philipp Moses (seit 1753) und Leffmann Moses Meyer (seit 1758), in Osterholz die Familie Salomon Levi seit 1761.

1772 gründete die spätere Familie Davidsohn in der Obernstraße (später Poststraße) ein Textilgeschäft, den Namen Davidsohn nahmen sie vermutlich erst später während der französischen Besatzung 1803-13 an. 1780 erhielt auch Jakob Nachmann einen Schutzbrief, um auf dem Heidkamp eine Schlachterei einzurichten. Zuvor hatte er bereits drei Jahre bei Moses Hein in Scharmbeck gearbeitet. (Quelle: Menkhoff) 1796 wurde der Levi Lefmann in Scharmbeck gewährte Schutz auf Heine Lefmann Goldberg in Scharmbeck übertragen (Quelle: Nds. Landesarchiv)

Wachstum

Bis 1875 wuchs der Bevölkerungsanteil jüdischen Glaubens in Osterholz und Scharmbeck fast stetig, mit ca. 3 % lag er damals höher als in jedem heutigen Land der Welt, abgesehen von Israel. Für das Wachstum der hiesigen jüdischen Gemeinde gab es mehrere Gründe: Zum einen waren gerade die Berufe des Schlachters und des Textilhändlers unter Juden sehr verbreitet, da ihnen der Zugang zu vielen anderen Berufen bis Mitte des 19. Jh. verwehrt war. Insofern war die herausragende Stellung Scharmbecks in der Stoffproduktion und im Viehhandel für viele Juden von Belang: Sowohl die Tuchmacherzunft als auch der seit 1748 gehaltene Viehmarkt im Herbst waren bis in das späte 19. Jh. weit überregional berühmt. Hinzu kam Bremens bis 1849 völlig ablehnende Haltung den Juden gegenüber, die einige von ihnen zur Ansiedlung in der unmittelbaren Umgebung veranlasste.

1803, zu Beginn der französischen Besatzung durch Napoleons Truppen, waren zumeist Juden für die Organisation der Verpflegung verantwortlich: Hyam Marks aus Bremerlehe, Jakob Lachmann, Levi Lefmann, Lüder Hartmann (Koppelstraße) und Oppenheimer (später Markus Kayser). 1804-09 beschäftigte die jüdische Gemeinde Benjamin Jacob, der zuvor in der Synagoge wohnte und eine Schänke betrieb, als „Schulmeister, Schecher und Vorsinger“. 1811 erhielt Salomon Meyer aus Scharmbeck vom Kanton-Maire Eickenrodt einen Schutzbrief. 1815 bestand die Gemeinde bereits aus sieben Familien mit fast 50 Personen, Gemeindevorsteher und Schullehrer war Meyer Aaron. 1824 wurde er von Nathan Cohen abgelöst, Distriktvorsteher für den Weserdistrikt des Herzogtums Bremen. (Quelle: Menkhoff)

1829 lebten in Osterholz und Scharmbeck bereits 12 jüdische Familien mit 101 Personen. In Scharmbeck waren es Abraham Heidemann, Hein Lefmann Goldberg, Salomon Meyer, Meyer Aron Aronsohn Witwe, Nachmann Jacob Kugelmann, Isaac David Davidsohn, David Weinberg und Jeckel Jacob. In Osterholz lebten Nathan Cohen, Moses David Davidsohn, Levi Weinberg und Moritz Cohen. (Quelle: Menkhoff)

Das 1830 an der Teichstraße erbaute Synagogen- und Schulgebäude erhielt im vorderen Teil Schulstube und Küche und im hinteren Teil die Synagoge mit 12 Gebetspulten. Im oberen Stockwerk befanden sich die „Synagogenstände“ für die Frauen und eine Lehrerwohnung. 1830 wurde der 3. Distrikt der Judenschaft im Elbe-Weserraum mit Sitz in Rotenburg aufgelöst und dem 2. Distrikt mit Sitz in Osterholz zugeschlagen, der damit die Ämter Ottersberg, Lilienthal und Osterholz sowie das Gericht Ritterhude umfasste. (Quelle: Obenaus) 1840 wurde Moses Davidsohn Bezirksvorsteher, sein Nachfolger war der Osterholzer Heidemann. (Quelle: Menkhoff) 1841 wurde Salomon Goldberg in Scharmbeck Schutz verliehen. (Quelle: Nds. Staatsarchiv)

   Einwohner        Juden        % 
1815     ca. 49  
1845   3.079   101   3,28
1861   3.406   96   2,82
1864   3.441   106   3,08
1871   3.467   127   3,66
1895   4.419   99   2,24
1905   4.844   62   1,28
1925   5.760   47   0,82
1939   5.568   27   0,48

(Quelle: Obenaus und Menkhoff)

1844 waren im gesamten Bezirk Stade 210 jüdische Familien registriert, 33 von ihnen ohne Schutzbrief. In Scharmbeck lebten Salomon Meyer, Meyer Aaron Aaronsohn Witwe, Nachmann Jacob Kugelmann, Isaak David Davidsohn, David Weinberg, Jeckel Jacob, Abraham Heidemann und Hein Lefmann Goldberg. In Osterholz waren Nathan Cohen, Moritz Cohen, Moses David Davidsohn und Levi Weinberg registriert, auf Sandbeck Philipp Samson Feist. Seit Juli 1847 brauchten Juden im Königreich Hannover keine Schutzgelder mehr zu entrichten. (Quelle: Menkhoff)

Aus dem Jahr 1876 stammt eine Aufstellung der an den Vermögensverhältnissen orientierten Abgaben für die Synagogengemeinde für das Jahr 1877:

Mark Familie
100.00
(Kaufkraft 2008 ca. € 640)
J. Gotthelf (Scharmbeck)
A. Goldschmidt (Scharmbeck)
S. Feist (Scharmbeck)
J. D. Davidsohn (Scharmbeck)
S. Heidemann (Osterholz)
90.00 D. Weinberg (Scharmbeck)
L. Feist (Scharmbeck)
J. Davidsohn (Osterholz)
60.00 P. S. Feist (Scharmbeck)
J. A. Heidemann (Scharmbeck)
35.00 M. Cohen (Osterholz)
A. Cohen (Osterholz)
30.00 J. Cohen (Ritterhude)
20.00 E. Ries (Scharmbeck)
A. Bähr Scharmbeck)
A. Löwenbach (Scharmbeck)
S. Cohen (Scharmbeck)
L. Weinberg (Osterholz)
17.50 M. Meyer (Worpswede(?))
15.00 W. Cohen (Scharmbeck)
13.00 S. Simonsohn (Osterholz)
L. Simonsohn (Osterholz)
A. Rosbach (Osterholz)
10.00 M. Abraham (Worpswede)
J. Gunst (?) (Ritterhude)
A. Cohen (Ritterhude)
9.00 N. Simon (Ritterhude)

Integration

1881 wurde der Kaufmann Eduard Davidsohn (Poststr. 159, später Nr. 4) Scharmbecker Schützen-Vizekönig. Von 1893 bis 1915 wurde er mindestens vier mal zum Bürgervorsteher gewählt. Quelle: Menkhoff

Im 1. Weltkrieg fielen zwei Kriegsteilnehmer der jüdischen Gemeinde Scharmbecks, unter ihnen am 7.5.15 Ludwig Aron, geb. 19.8.1892, der ältere Bruder von Wilhelm Aron.

Dr. Richard Cohen besuchte nach der jüdischen Elementarschule in der Bahnhofstraße eine höhere Schule in Bremen, studierte in Berlin Medizin und promovierte dort. Er übernahm 1899 die Praxis des verstorbenen Dr. Neander in Scharmbeck in der späteren Marktstraße 5. Richard war deutsch und vaterländisch orientiert, Freiwilliger im 1. Weltkrieg und diente an der französischen Front als Sanitätsrat. Ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse wurde er 1917 in Scharmbeck zum Bürgervorsteher 2. Klasse gewählt und erlangte 1919 einen Sitz im Kreistag und als Spitzenkandidat mit der Bürgerlichen Liste 9 von 15 Sitzen in der Scharmbecker Gemeindevertretung. 1920 wählte das Bürgervorsteherkollegium ihn zu seinem Wortführer.

Leopold „Leo“ Löwenstein war Vorbeter und hauptamtlicher Lehrer der jüdischen Gemeinde. Er gehörte 1910 zu den Gründungs- und Vorstandsmitgliedern des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei Osterholz-Scharmbeck. Ab 1915 diente er als Soldat im 1. Weltkrieg. In den 1920er-Jahren war Löwenstein nicht nur Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, sondern auch anerkannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, u. a. Schriftführer im einflussreichen Scharmbecker Bürgerverein und Autor zahlreicher heimatkundlicher Artikel im Heimatboten, einer Beilage zum Osterholzer Kreisblatt.

Dunkle Jahre

Jüdischer Friedhof Osterholz-Scharmbeck
Grabstein Moritz Meibergen auf dem Jüdischen Friedhof
Moritz Meibergen (1875-1933) aus der Bahnhofstraße 90 war das erste jüdische Opfer des Nationalsozialismus aus Osterholz-Scharmbeck. Am Tag nach seinem 58. Geburtstag wurde er in Ahlhorn von der SA zu Tode misshandelt. Er ist auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt.

1934 wurde die Ausgrenzung jüdischer Mitbürger überall im Reich drastisch intensiviert. In jedem Ort wurden sog. „Stürmerkästen“ installiert, in denen das antisemitische Wochenblatt „Der Stürmer“ ausgehängt wurde. Inhaber und Kunden jüdischer Geschäfte wurden zunehmenden Repressalien ausgesetzt, indem Boykottposten vor den Läden aufgestellt, Schaufenster beschmiert und eingeworfen und Kunden beim Betreten oder Verlassen der Geschäfte fotografiert und teilweise mit vollem Namen und Anschrift in den „Stürmerkästen“ veröffentlicht wurden.

Stürmerkasten
Stürmerkasten in Worms (Quelle: Bundesarchiv)
Im Herbst 1934 druckte die „Nordwestdeutsche Landeszeitung“ Flugblätter, die zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen und in zahlreichen Schaufenster aufgehängt wurden. Der 30-jährige Referendar John Davidsohn, Sohn des Inhabers der Manufakturwarenhandlung Davidsohn in der Poststraße, entfernte einige davon am 27. November und wurde darauf hin von 40-50 Männern zusammengeschlagen, in Schutzhaft genommen und nach Berlin gebracht. Auf Intervention eines vom Vater eingeschalteten Bremer Rechtsanwaltes und des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (CV) ließ man ihn am 15. Dezember wieder frei. (Quelle: Obenaus H (Hrsg): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen Band II, 2005)

1935 wurden auch aus Osterholz-Scharmbeck Fälle gemeldet, in denen Geschäftsleute christlichen Glaubens ihren jüdischen Mitbürgern den Verkauf von Dingen des täglichen Bedarfs verweigerten. (Quelle: Wildt M: Geschichte des Nationalsozialismus, 2008)

„Juden sind hier unerwünscht
Ein nachahmenswertes Beispiel hat jetzt unsere Kreishauptstadt Osterholz-Scharmbeck gegeben: Seit einigen Tagen sind in sämtlichen Geschäften und Handwerksbetrieben, bis auf eine unrühmliche Ausnahme, Schilder sichtbar angebracht, die die Aufschrift tragen: Juden sind hier unerwünscht. Einige wenige Geschäftsleute und Handwerker, die bisher ‚Bedenken‘ hatten, das Plakat auszuhängen, haben sich zuletzt doch noch eines Besseren besonnen … Erfreulich ist der Gemeinschaftsgedanke … Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter!“ (Osterholzer Kreisblatt vom 21.8.1935, zitiert nach Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

Am 1.10.1937 ging das Bekleidungsgeschäft Heidemann (seit 1851) in der Findorffstraße wegen des Boykotts jüdischer Händler in „arische Hände“ über und wurde als Fa. Chr. Essen fortgeführt. Stuhlfabrik und Sägewerk von S. Feist wurden 1938 vom Kaufmann Heinrich Kramer aus Oberneuland erworben. Ebenfalls 1938 wurde dem jüdischen Arzt Dr. Richard Cohen (Marktstraße 5) Berufsverbot erteilt, er starb verarmt und seelisch gebrochen am 8. April in Bremen. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

1938 veröffentlichte der Lehrer und Heimatforscher Johann Segelken die erste Auflage seines „Heimatbuches“ mit Unterstützung durch Bürgermeister und NSDAP-Parteileitung, in dessen Anhang er die Geschichte der Juden in der Region überaus geringschätzig behandelt (siehe Auszüge).

Die Löwenstein’sche Schulchronik endet 1938 mit dem Vermerk, dass die Gemeinde noch aus 31 Personen besteht und die Synagoge wegen Ausfalls steuerkräftiger Mitglieder und zusätzlicher Belastungen nicht halten kann. Nur noch sechs Kinder (Ruth und Cläre Meyer, Sonja, Erika und Jacob Ratusch sowie Inge Cohen) besuchten den Religionsunterricht. Löwenstein verlor durch den notwendigen Verkauf der Synagoge seine Wohnung und sah sich nach 45-jähriger Tätigkeit gezwungen, zu Verwandten nach Paderborn zu ziehen. Am 16.1.44 wurde Löwenstein in Theresienstadt ermordet.

In der sog. Reichspogromnacht 9. November 1938 drangen SA-Männer in die Häuser jüdischer Familien ein, schlugen auf männliche Bewohner ein und verletzten mehrere von ihnen schwer. In der Bremer Str. 47 (westlich der Bahnschranke) wurden Alfred, Flora und Henny Cohen in den Keller ihres Hauses getrieben und dort stehende Einweckgläser zerschlagen. Annelie Müller (damals wh. im „Judenhaus“ Bördestr. 20) und Otto Arnholt erinnerten sich noch 2001 an die Namen der beteiligten SA-Männer. Quelle: K. Beer Ein Denkmal für Familie Cohen die in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen gelebt hat. Verl. H. Saade, 2001. S. 75

In unmittelbarer Folge der Novemberpogrome wurden Ende 1938 im gesamten Reich Ausgehverbote, Einkaufs- und Verkehrsbeschränkungen für Juden erlassen. Sie durften nicht mehr Autofahren, unterlagen nachts zwischen 21:00 und 5:00 Uhr (im Winter 20:00-6:00 Uhr) einem Ausgehverbot und durften nur noch zu festgelegten Zeiten in ausgewählten Geschäften einkaufen. In Osterholz-Scharmbeck waren dies Pape (Kirchenstraße 19) für Lebensmittel, Seedorf (Koppelstraße 23) für Fleischwaren und Habekost (Bahnhofstraße 117) bzw. später Minkwitz (Bremer Straße 51) für Backwaren.

Bei Inkrafttreten der „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ am 1. September 1941 lebten hier noch sieben jüdische Mitbürger: die Brüder Moritz und Wilhelm Aron, Familie Alfred und Flora Cohen mit Tochter Henny sowie das Ehepaar Hugo und Selma Meyer-Rosenhoff. 13 Osterholz-Scharmbecker Juden befanden sich mit 570 Leidensgenossen in dem Reichsbahntransport, der am 18. November 1941 von Bremen über Hamburg in das Ghetto von Minsk (Weißrussland) führte:

Henny Cohen, Hohetorstraße
Clara Cohen, Lindenstraße
Hanni Meyer, geb. Cohen, Lindenstraße
Ilse und Toni Davidsohn, Bahnhofstraße
Ernst Davidsohn, Poststraße
Irma, Betty und Iwan Heidemann, Findorffstraße
Cläre, Ruth, Selma und Hugo Meyer-Rosenhoff, Bördestraße

Keiner von ihnen überlebte.

Mit Flora und Alfred Cohen, die zum Umzug nach Bremen gezwungen und später über Hannover in das Lager Theresienstadt deportiert wurden, verließen am 21.3.1942 die letzten Mitglieder der in Osterholz und Scharmbeck einst zahlreichen Familie Cohen den Ort. Alfred starb im August 1942 im Lager, während Flora am 8. Mai 1945 befreit wurde. Sie kehrte zu ihrer Schwägerin Frieda (Witwe von Dr. Richard Cohen) zurück, reiste 1946 zu ihrem Sohn Fritz nach Brasilien, wo sie 1955 starb.

Als am 30. März 1942 alle jüdischen Wohnungen gekennzeichnet werden sollten, betraf dies hier nur noch ein Haus: Übrig waren am 2. April 1942 nur noch zwei jüdische Einwohner: Moritz und Wilhelm Aron. Moritz Aron wurde am 23.7.1942 ebenfalls nach Theresienstadt deportiert und kam dort oder im KZ Auschwitz ums Leben.
(Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

Nachkriegsgeschichte

Nur Wilhelm Aron und seine Kinder Annelie und Wilhelm („Willi“) kehrten nach Osterholz-Scharmbeck zurück. Wilhelm senior engagierte sich in der Nachkriegszeit viele Jahre in der SPD, der Gewerkschaft sowie bei der Feuerwehr, der AOK, im Stadtrat und beim VSK. Bis 1960 arbeitete er als Leiter des Gewerkschaftsbüros in der ehemaligen Synagoge seiner Gemeinde in der Bahnhofstraße und machte vielen Zeitzeugenberichten zur Folge kein Aufheben von der erlittenen Verfolgung.

Der öffentliche Umgang mit dem Schicksal der jüdischen Mitbürger in den 1930er-Jahren ist aus heutiger Sicht über Jahrzehnte stark problembehaftet gewesen. Eine in verschiedenen Quellen (u.a. Wikipedia-Artikel zur Geschichte Osterholz-Scharmbecks, s. Kap. „Arbeitslosigkeit und Nationalsozialismus“) vermutete oder behauptete Empfindlichkeit noch in der Stadt lebender Angehöriger ehemaliger Nazis mag ein Grund gewesen sein. Sie erklärt aber beispielsweise nicht, warum dem Juden und Ex-KZ-Häftling Wilhelm Aron 1972 die Anerkennung verweigert wurde, eine Sporthalle nach ihm zu benennen, während der Judenhetzer und Ex-NSDAP-Sympathisant Johann Segelken (vgl. die Ausführungen über Juden in seinem Heimatbuch von 1938) 1964 das Bundesverdienstkreuz erhielt. Ebensowenig lässt sich damit begründen, dass Oberkreisdirektor Gottschalk 1967 in einem Brief an den niedersächsischen Landesrabbiner Dr. Zvi Asaria eben jenen Segelken als Informationsquelle für das Schicksal der Juden in der Region empfiehlt, da dieser „die Aktenunterlagen über das Judentum genau kennen“ dürfte (Quelle: Brief des OKD an den Landesrabbiner vom 26.1.1967, zitiert nach Murken).

7 Replies to “Juden in OHZ”

    1. Hello Bob,
      I am researching my Beer family tree. I have the name Hattendorf and the name Cohen in my family tree. The name Hattendorf relates to the Beer family while the name Cohen relates to the Hein family from Fischerhude near Bremen. Emma Beer b. 1861 Naugard marriied a Hattendorf b. in Oldenburg (Lower Saxony) and I have a Eva Cohen b. abt. 1840 married to Moses Hein. Can you see a connection?
      Brigitte K. Beer

      1. Hi Brigitte,
        Bob will not be able to answer for a couple of weeks, as he is on a trip around Europe and only connected via smartphone on an irregular basis. And I doubt that he is watching this thread anyway.. So let me answer at least as far as I can:
        The surnames Hattendorf, Cohen and Beer indeed came across here a couple of times, but as far as I can judge not in any of the circumstances you just mentioned.
        1) Meyer Cohen (1928-1900) from Scharmbeck married Elise Hattendorf (1836-1921) from Kichhatten in 1862
        2) Louis Cohen (b 1836) from Scharmbeck married Henriette de Beer (b 1847) from Emden

        best regards
        Jürgen

  1. Guten Morgen, Bob! Or should I say „Guten Abend“, taking into account those six hours of time-shift? Ich danke Dir und Jonathan ebenfalls, durch Eure Informationen und Anteilnahme gewinnt dieses zutiefst beeindruckende Kapitel unserer Geschichte zunehmend an Gesicht.

  2. Ich suche weitere Information zu unserem Familien Stammbaum Bremer; wie es sich ansieht könnte ein Sohn von Levi Herz rund 1743/43 nach Amsterdam gezogen sein.
    Ich kann nirgendwo einen weiterenVerweis finden über Levi Herz, Osterholz:
    1) er sollte verheiratet sein, mit 7 Kindern. Haben Sie vielleicht Namen der Ehefrau und/oder der Kinder? Vielleicht sogar Geburtsdaten?
    2) von wo kam Levi Herz nach Osterholz?

    Das wäre toll!
    Herzlichen Dank für Ihre Mitwirkung, Nicole Bremer

  3. Hallo liebe Mitmenschen,
    ich habe da ein paar fragen zu meinen Vorfahren bzw. zu jüdischen Vorfahren aus den Raum Lilienthal und Umgebung:
    -Kann mir jemand Auskunft über einen Juden ,Namens Moses Meyer (geb. 1785) der mit einer evangelischen Gesche Adelheit Krenzel (geb. 11.9.1819) so um 1842 zusammen war???
    -Kann mir jemand Auskunft über die Nichte von Moses Meyer geben. Ihr Vater hieß Levy Meyer ( geb. 9.4.1794) und sie hieß Sophie Meyer (geb. 26.9.1839). Die besagte Sophie Meyer war mit dem in Lilienthal ansässigen Fotografen Julius Frank (geb. 31.7.1845) verheiratet.
    -Weiß evtl jemand wer der Vater von Moses Meyer sein könnte? Ich habe da zwei Namen bei denen ich bis heute nicht weiß wer es sein könnte: Meyer Samuel oder vielleicht auch M. Moses.
    Wer mir helfen kann und möchte, ist herzlichst eingeladen mir unter die Arme zugreifen.
    Ich konnte bisher nur Infos aus dem WWW zu meinen Vorfahren in Erfahrung bringen da mir der richtige Weg irgendwie fehlt…
    Ich möchte mich schon jetzt bei euch bedanken und freue mich schon auf den nächsten Kontakt mit euch.

    Lieben Gruß von Frank M. aus Bremen

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