#CoronaWegImpfen in OHZ

Corona einfach weg impfen … ganz so einfach wird’s nicht werden. Mittlerweile aber ist klar, dass die Impfung in sehr kurzer Zeit beginnen und einen ganz großen Schritt nach vorn im Umgang mit der Pandemie bringen wird.

Eines mal vorweg

Kumulative Inzidenz von Covid-19 nach 1. Dosis von Placebo (rot) oder BNT 162b2 (blau) im Laufe von 112 Tagen
(Quelle: FDA Briefing Document Pfizer-BioNTech COVID-19 Vaccine 10.12.2020)
Ich will hier in keiner Form Werbung für die Impfung machen. Im Gegenteil: Meiner Meinung nach soll jeder weg bleiben, der das für klüger hält. Angesichts knapper Impfstoffe wird es sowieso viele Monate dauern, bis die Impfwilligen versorgt sind. Und dann haben wir für die anderen auch wieder genug Beatmungsgeräte. Und hoffentlich auch genügend geimpftes Fachpersonal in Intensivpflege und -medizin, um Patienten mit schweren Verläufen ohne die heute unvermeidlich hohe Eigengefährdung versorgen zu können.

Ich will aber auch aus meiner persönlichen Freude über die derzeit bekannte Wirksamkeit zumindest von BNT 162b2 (Pfizer/BioNTech) keinen Hehl machen. Die heute bekannt gewordenen Daten aus dem FDA Briefing Document versprechen tatsächlich eine unerwartet gute Wirksamkeit gegen eine Covid-Infektion.

Wie wird das laufen?

Deutschland

Voraussetzung zur Impfung ist die Zulassung des Impfstoffes. Für Deutschland ist die EMA zuständig. Bislang (Stand 7.12.) ist dort für zwei Impfstoffe eine Conditional marketing authorisation beantragt, mit einer Entscheidung wird noch im Dezember 2020 gerechnet.

  • mRNA-1273 von Moderna Biotec (pro Dosis ca. $ 37.-)
  • BNT 162b2 von Pfizer und BioNTech (pro Dosis ca. $ 20.-)

Von beiden Impfstoffen zusammen wird Deutschland im 1. Quartal 2021 voraussichtlich 7 Mio. Dosen erhalten, was eine Impfung von 3.5 Mio Bundesbürgern erlauben würde. Eine Priorisierung wird also zwingend erforderlich sein, grundlegende ethische Überlegungen dazu haben STIKO, Deutscher Ethikrat und Leopoldina am 09.11.2020 in einem gemeinsamen Positionspapier veröffentlicht.

Auf diesen Überlegungen basiert der erste Entwurf einer Impfempfehlung der STIKO vom 7.12.2020: Sie definiert sechs Prioritäten von „sehr hoch“ bis „niedrig“. Höchste Priorität haben demnach Bewohner von Senioren- und Alten­pfle­ge­heimen, ≥80-Jährige, Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtun­gen, Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen, Pflegepersonal in der am­bu­lanten und stationären Altenpflege und andere Tä­­tige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kon­takt zu den Bewohnern. Das BMG rechnet in dieser Gruppe mit 8.6 Mio Bundesbürgern.

Landkreis Osterholz

Stadthalle Osterholz-Scharmbeck
Stadthalle Osterholz-Scharmbeck: Impfzentrum für den Landkreis Osterholz
Der Landkreis Osterholz wird in der Stadthalle in Osterholz-Scharmbeck eines der voraussichtlich 50 niedersächsischen Impfzentren betreiben, die in Niedersachsen bis zum 15. Dezember einsatzbereit sein sollen. Das Impfzentrum soll anfangs aus zwei Impfzügen und zwei mobilen Teams bestehen. Ein Impfzug besteht aus einem Arzt sowie Personal, das die Impfung durchführt und dokumentiert. Mobile Teams sind ähnlich strukturiert.

Wenn ich die Bundes-Zahlen herunterrechne, dürften etwa 11.800 Landkreis-Bewohner zur Gruppe mit „sehr hoher Priorität“ gehören, die Impfstoff-Zuteilung im 1. Quartal 2021 würde für voraussichtlich 4.800 von ihnen reichen. Bei ca. 63 Werktagen im Quartal müssten dann täglich 152 Menschen geimpft werden, 22 davon in den Pflegeeinrichtungen. Vielleicht auch 30, wenn Pflegepersonal und andere dort Beschäftigte mit Bewohnerkontakt praktischerweise von den ambulanten Teams gleich mitgeimpft werden. Korrektur: In den ersten drei Wochen halbieren sich diese Zahlen, weil die Zweitimpfung ja erst an Tag 21 hinzukommt. Krankenhäuser können ihr jeweils berechtigtes Personal ggf. in Eigenregie impfen, in der 1. Prioritätskategorie wäre das Personal von Notaufnahmen, Covid-19-Stationen und onkologischen Abteilungen.

Unklar ist noch, wie die Impfung von >80-Jährigen organisiert wird, die nicht in einer Altenpflegeeinrichtung leben und nicht mobil sind. Diese Gruppe könnte Schätzungen zur Folge 1.000 bis 1.500 Personen umfassen, die etwa zur Hälfte von ambulanten Pflegediensten und zur anderen Hälfte privat gepflegt werden.

Die Impf-Prozedur (administrative Aufnahme, Aufklärungsgespräch, Impfung und anschließende Überwachung) soll voraussichtlich 45-60 Minuten in Anspruch nehmen. In Niedersachsen wird (Stand Nov. 2020) mit 20 Impfungen pro Stunde bei 4 Impfplätzen gerechnet.

Das Terminmanagement soll in Niedersachsen für alle Impfzentren zentral erfolgen und eine Online-Buchung ebenso vorsehen wie telefonische Terminvergabe.

Ein paar Zahlen noch zum Schluss: Lt. NLGA sind im Landkreis ca. 5.540 Personen im Alter von ≥80 Jahren gemeldet. In den 29 vollstationären Pflegeeinrichtungen sind etwa 1.440 Plätze vorhanden. Letzten Umfragen zur Folge wollen etwa 70 % der Bundesbürger sicher oder wahrscheinlich vom Angebot der kostenlosen Impfung Gebrauch machen.

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