Holtstelle

Hamme 1764 und 2008

Hammeniederung 1764 (Kurhannoversche Landesaufnahme)
Überlagert sind der heutige Verlauf von Hamme (blau), Kreisstraßen (gelb) und Bahnlinien (schwarz) sowie die 5 bekannten Standorte von Hammehütten (rot)

Die Holtstelle (auch als Haltestelle, Holz Stelle und Holtz Stelle bezeichnet) war eine seenartige Erweiterung der Hamme im Bereich der heutigen Eisenbahnbrücke, die der weitgehend am Ende des 19. Jh. vorgenommenen Hammekorrektur zum Opfer fiel. Ihren Namen verdankt die Holtstelle ihrer jahrhundertlangen Bedeutung als Handels- und Umschlagsplatz für den im Teufelsmoor abgebauten Torf. Von ca. 1770 bis zum Ende des 19. Jh. war sie die “Haltestelle” der vor Anker liegenden Bockschiffe zunächst Bremer, dann örtlicher Torfhändler.

Während man den Fluß nun langsam aufwärts fährt, erweitert sich seine dunkelbraune Fluth allmälig und bildet bald ein seeartiges, länglich gestaltetes und reich gegliedertes Becken, welches auf den Specialkarten unserer Gegend als “Holzstelle” bezeichnet ist, richtiger aber wohl “Holtestelle” d. i. “Haltestelle” heißt, weil hier nicht nur ein geringer Zoll (“Ankergeld”) von den Schiffen erhoben wurde, sondern auch die bis zu achtzig Last großen Torfschiffe (Böcke und Kähne), die bei gewöhnlichem, etwa 60 cm hohen Wasserstande der oberen Hamme nicht weiter aufwärts gelangen können, zu “halten” pflegen, um den Torf aufzunehmen, der von den oberhalb der Holtestelle belegenen Moorkolonien in kleineren Fahrzeugen hierher geführt wird. Wie bedeutend der Schiffsverkehr hier überhaupt ist, geht aus der Thatsache hervor, daß im Jahre 1864 – und seitdem hat der Verkehr sich noch wesentlich gesteigert – nicht weniger als 2000 kleinere Moorfahrzeuge mir durchschnittlich je dreißig Jahresreisen die Holtestelle passirten und außerdem noch 11 Böcke von 40-50 Last oder 20 Hunt Torf Tragfähigkeit und 5 Kähne von 15 Last oder 9 Hunt Torf Größe die untere Hamme befuhren, auch jedes dieser größeren Schiffe gleichfalls dreißig Jahresreisen machte.

(Halenbeck L: Eine Fahrt nach dem Weiherberge, Bremen 1878)

Um sich die etwa vier Tage lange Fahrt nach Bremen und zurück zu ersparen, gingen viele Moorbauern auf den Zwischenhandel mit den Bockschiffern ein, gingen hier mit ihren Torfkähnen längsseits und verkauften den Torf nach Qualität gestaffelt. Ein Bockschiff konnte bis zu 20 Hunt (1 Hunt = hundert Körbe = ca. 12 Kubikmeter) aufnehmen, was der Ladung von bis zu 40 Torfkähnen entsprach. So entstand ein besonders im Herbst stark frequentierter Handelsplatz und rund um die Holtstelle entwickelte sich ein reger Verkehr, der rasch den Bedarf an Kramläden und Schankgelegenheiten nach sich zog. Den Bedarf deckten zunächst “fliegende” Händler mit kleinen Booten, 1814 beantragte das Amt Osterholz bei der Stader Regierung die erste Schankkonzession an der Hamme.

Im Laufe der Zeit entstanden dann im Bereich der Holtstelle drei Schänken oder Hammehütten, von denen Melchers Hütte und zumindest als Gebäude auch die Hütte Kiautschau noch erhalten sind.

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Hamme veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

*


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>