Hammehütte Kiautschou

Postkarte (1906)
Die Hammehütte Kiautschou (Standort der Hütte), auch „Hütte Kiautschau“, „Rust’s Hütte“, „Fuhses Hütte“, „Puffs Hütte“, „Wedermanns Hütte“ oder „Tweete Hutten“ genannt, liegt am Ende der traditionellen „Holtstelle“ etwa 150 m flussabwärts von Melchers Hütte an der Hamme. Ihren Namen erhielt sie in der Kolonialzeit Ende des 19. Jh. in Anlehnung an die deutsche Kolonie Kiautschou in China.

Nach Ende des Schankbetriebes 1925 diente die Hütte zunächst als Wochenendhaus. 1930 fanden umstrittene Ex-Angehörige der Schwarzen Reichswehr hier Unterschlupf, von denen einer im Januar 1931 unter etwas mysteriösen Umständen auf der Hamme ums Leben kam.

Besitzer der Hütte waren

  • bis 1880 Martin Wehmann,
  • bis 1885 Diedrich Ahlers,
  • bis 1887 dessen Witwe (später Ehefrau von Georg Rust),
  • bis 1916 Wilhelm Fuhse,
  • bis 1919 Johann Grotheer,
  • bis 1925 (Ende des Gaststättenbetriebes) Albert Puff und
  • bis 1943 Hermann Wedermann

(Quelle: J. Segelken Osterholz-Scharmbecker Heimatbuch 1967. Verl. H. Saade, 1967.)
Einer anderen Quelle zur Folge ist die Hütte 1820 auf der Wiese des Hofbesitzers Martin Wehmann aus Büttel entstanden und wurde von Jürgen Böttjer aus Osterholz bewirtschaftet. Der Verkauf von Grotheer an Puff erfolgte danach 1918. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band 1, S. 113) 1943 wurde danach Hermann Wedermann Besitzer der Hütte. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

„Mudder Puff“

In den frühen 1920er-Jahren war die Hütte mit ihrer Wirtin unter Wassersportlern eine Legende. Die als „Mudder Puff“ bekannte und beliebte Ehefrau des Motorboot-Eigners Albert Puff führte die Wirtschaft in den Sommermonaten und gestattete auch Paaren die gemeinsame Übernachtung auf dem Heuboden der Hütte.

„Hamme runter, Hamme ruff,
am besten ist’s bei Mutter Puff.
Ob Regen oder Sonnenschein,
wir kehr’n hier immer wieder ein.
Und ist das Wetter auch mal mau,
erfreuen wir uns an KIAUTSCHAU.
Und ist kaputt mal der Motor,
verliern wir doch nicht den Humor.
Die Hauskapelle spielt dazu,
bis wir dann endlich geh’n zur Ruh.
Wir wühlen uns ins Heu hinein
Und schlafen endlich selig ein.“

aus dem Gästebuch 1921/22

(Quelle: Siewert)

Der „Fall Fahlbusch“

Der Bremer Farbenhändler Hermann Wedermann jr. sympathisierte mit der NSDAP und war in Bremen dadurch bekannt geworden, dass er in einem Schweinestall in der Schwachhauser Heerstrasse eine größere Anzahl von Gewehren versteckt hielt. Die Hütte Kiautschou nutzte er als Wochenendhaus und 1930-31 als Unterschlupf für sog. Fememörder der ehemaligen „Schwarzen Reichswehr“. Der unerwartete Tod eines dieser Fememörder auf der Hamme in Wedermanns Motorboot erregte in den 1930er-Jahren deutschlandweites Aufsehen. Der ehemalige Feldwebel der Schwarzen Reichswehr Hermann August Fahlbusch (* 1901 in Bremerhaven-Lehe) wurde nach einer Geburtstagsfeier unweit Tietjens Hütte tot aufgefunden.

1923 hatte er mit seinen Komplizen Klapproth, Fuhrmann, Umhofer und Büsching den Feldwebel Wilms und den Unteroffizier Alfred Brauer ermordet. Im Winter 1923/24 war Fahlbusch festgenommen, unter mysteriösen Umständen aber wieder freigelassen worden. Er war in die USA geflohen, wo er seine Frau kennenlernte, und 1928 nach Deutschland ausgeliefert worden. Sein Prozess wurde lange verzögert, bis die Fememorde im Herbst 1930 vom Reichstag amnestiert wurden. Fahlbusch tauchte in der ehemaligen Hammehütte Kiautschou bei Wedermann unter.

Am 13. Januar 1931 übernachtete er nach einer Geburtstagsfeier in Tietjens Hütte trotz der eiskalten Januarnacht in Wedermanns Motorboot auf der Hamme. Am nächsten Morgen wurde er tot aufgefunden, bei der Obduktion wurde eine Vergiftung durch Motorengase festgestellt. 1931 wurde Fahlbusch in Bremen eingeäschert und erhielt dann im November 1935 ein von den Nationalsozialisten inszeniertes Staatsbegräbnis. (Quelle: Fall Fahlbusch, Unterrichtsprojekt der Klasse FGWV1 der BBS Osterholz-Scharmbeck im Rahmen des Wettbewerbs “Geschichts@tlas”; vgl. auch Sozialdemokratischer Pressedient vom 16.1.1931 und Dornheim, A.: Röhms Mann fürs Ausland)

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