Hinter der Kirche

Nicht mehr lange: die ehemalige Wärmestube
Schauen Sie Sich das Foto noch einmal gut an: dieses Haus, ehemaliger Standort der Wärmestube der Diakonie Hinter der Kirche 11. wird abgerissen. Ebenso wie die Nr. 12 (im Bild direkt dahinter). Beide sind im Besitz der Stadtentwicklungsgesellschaft (STEG), die es an die „Wertoptimierer“ Grotelüschen & Weber AG aus Bremerhaven verkaufen will. Die wiederum plant dort ein 2½-geschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit einer Ladenzeile im Erdgeschoss und insgesamt 23 seniorengerechte 52-100 m² großen Komfortwohnungen. Skizzen des Hauses sind im Ratsinformationssystem (Gremien…Planungsausschuss…Oktober 2012) einsehbar.

Das Projekt wurde im Oktober 2012 im Planungs- und Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrates vorgestellt. Auf meiner Skizze (re.) ist das geplante Gebäude rot eingezeichnet, an seiner Nordseite schließt es unmittelbar an die Teichstraße 1 mit den Seniorenwohnungen an. Neuere Planungen sollen nach Angaben gewöhnlich gut unterrichteter Kreise auch den Abriss der Kirchenstraße 6 (ehemals Ihr Platz) vorsehen und die Ecke zur Kirchenstraße einbeziehen.

Planungen 2012
rot=Neubau - hellrot=Parkplätze - hellblau=Restteich
Als problematisch erwies sich bei der Ausschusssitzung der Plan der Investoren, etwa ⅔ von Starkes Teich zuzuschütten, um dort ca. 32 Parkplätze anzulegen. Dazu nämlich muss der geltende Bebauungsplan geändert werden, der für diese Baufläche eine Tiefgarage vorsieht. Das den Bauherren Kosten sparende Entgegenkommen der Stadt begründeten erster Stadtrat Jörg Fanelli-Falcke und Stadtplaner Stefan Kamischow mit 10-jährigen vergeblichen Bemühungen, das Grundstück zu veräußern. Im Ausschuss haben sich alle Fraktionen gegen eine Teichverkleinerung ausgesprochen und die Stadtverwaltung aufgefordert, mit dem Investor eine alternative „Teichlösung“ auszuarbeiten. Ein aus Scharmbeck stammender Leserbriefschreiber hat ironisch angemerkt, man könne natürlich auch die Teichstraße in Tümpelstraße umbenennen.

Starkes Teich 2012
Die Baugenehmigung betreffende Interessenkonflikte zeichnen sich also schon mal ab. Bei uns in Osterholz-Scharmbeck führt das in letzter Zeit ja gerne mal zum jahrelangen Anblick unschöner Bauruinen wie unlängst Marktstraße 4 und aktuell am Schlauchturm. Bin mal gespannt, ob demnächst auch die Gegend rund um Willehadi davon heimgesucht wird.

Ein Anfang ist gemacht: am 20.11. berichtete das Kreisblatt, dass die SPD-Fraktion bereits umgestimmt wurde und jetzt für eine Teichverkleinerung sei. „Der Bau einer Tiefgarage ist für den Investor nach eigenen Aussagen wirtschaftlich nicht vertretbar“, so die SPD. Achso, 😉 na dann!

Mitte Januar 2013 dann scheint die Angelegenheit entschieden. Das Kreisblatt zitiert Michael Rolf-Pissarczyk (CDU) und Brigitte Neuner-Krämer (Die Grünen) mit eindeutigen Rückziehern: Die CDU will den Teich „so weit wie möglich“ erhalten und die Grünen wollen ihn „berücksichtigt“ wissen. Klartext abseits solcher Worthülsen: Ein Resttümpel tut’s auch. Der nicht-öffentlich tagende Verwaltungsausschuss des Stadtrates habe sich auch bereits mit Mehrheit dafür ausgesprochen, auf einer Tiefgarage zu bestehen. Diese übrigens solle ca. 750.000 € kosten, was man dem Investor nicht zumuten möchte.

Für meinen Geschmack ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Widerstandslos räumt man das Feld für eine „Billiglösung“ mit einem Beton-Innenhof wie hinter dem Aldi an der Bahnhofstraße, anstatt potenziellen Käufern und Mietern der neuen Wohnungen ein attraktives Ambiente mit Park- und Seeblick zu bieten. Die dafür meiner Überzeugung nach auch einige Zehntausend Euro für einen Tiefgaragenplatz springen lassen würden.

Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende, den Fortgang der Diskussionen finden Sie hier.

Medienhaus am Campus

Bauzaun statt Mensa-Essen: das Medienhaus im Oktober 2012
Das Medienhaus am Campus ist das erste der geplanten neuen Gebäude im Campus. Auf zwei Stockwerken mit einer Gesamtfläche von ca. 2.700 qm werden Mensa, Stadt- und Kreisbibliothek, Kreismedienzentrum (Kreisbildstelle) und Kreisarchiv untergebracht. Die Mensa im Erdgeschoss wurde mit einiger Verzögerung am 4.2.13 eröffnet.

2007 wurde ein integriertes städtisches Wachstums- und Entwicklungskonzept (ISEK) erarbeitet, für dessen Umsetzung die Stadt Osterholz-Scharmbeck 2008 eine Zusage über Fördermittel in Höhe von 3,5 Mio. Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) erhielt. Die Gesamtkosten sollte sich auf 4,906 Mio. Euro belaufen.

Baumängel am Medienhaus

Eines der Themen bei unserOHZ: Nachdem die Mensaküche bereits eingebaut worden war, stellte die Bremer Materialprüfanstalt (MPA) im März 2012 fest, dass 70 % der Hohlkammer-Deckenelemente des Erdgeschosses (139 von 195 verbauten Platten) fehlerhafte Bohrungen aufwiesen, die die Tragfähigkeit beeinträchtigen. Fünf bis acht der am Bau beteiligten Firmen seien für den Schaden verantwortlich. Im Juni 2012 bestand bei der Stadt noch Hoffnung, das Medienhaus bis September fertigzustellen. Fünf Elemente mussten letztlich durch den Einbau von Stahlträgern „ertüchtigt“ werden. Im Oktober wurde „wieder auf Hochtouren gearbeitet“ (Fanelli-Falcke), im Erdgeschoss wurde nach Einbau der fünf Stahlträger die Brandschutzverkleidungen wieder montiert. Tätig waren jetzt eine neue Trockenbaufirma und der seit Sommer 2012 dritte Bauleiter der Hamburger Architekten Trapez. Dieser hatte bei Übernahme auch im Obergeschoss Montagefehler an der Decke entdeckt, sie werde komplett erneuert. Die Baumängel sollen Zusatzkosten in Höhe von knapp 1,2 Mio. Euro verursacht haben oder noch nach sich ziehen, einschließlich Anwaltskosten und neuer Bauplanungen.

Tempo 30

Tempo 30 Sandbergstr.
Aktuelles Thema bei : Tempo 30 in Osterholz-Scharmbeck.

Am 12.9.12 sorgte ein Artikel im Kreisblatt bei uns für Diskussionsstoff. Die Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat eine Anfrage zum bundesweiten „Tempo-30-Zankapfel“ gestellt. Sie wünscht Auskunft, ob das gesamte Stadtgebiet zur Tempo-30-Zone erklärt werden könnte und und fragt, wo etwa aufgrund von gesetzlichen Regelungen oder anderer Zuständigkeiten keine Tempo-30-Limits angeordnet werden können.

Dieses Thema haben viele Freunde und Bekannte schon oft durchgekaut und zu Beginn des „Sommerlochs“ 2012 war es Gegenstand vieler aufgeregter Pressemitteilungen auf Bundesebene. Ein virtuelles Bündnis aus CDU, Junge Union, ADAC, Städtetag und zuletzt auch SPD-Parteispitze meinte sich dabei im Interesse des „Mobilitätslandes Deutschland“ gegen Pläne von Verkehrsexperten von SPD und Grünen positionieren zu müssen, die mit Unterstützung von ADFC und Polizeigewerkschaft für ein generelles Tempo 30 in geschlossenen Ortschaften plädierten.

Fakt scheint zu sein, dass Tempo 30 den Ausstoß von Ozon und Stickoxiden deutlich und den Bremsweg eines Autos von durchschnittlich 28 m (Tempo 50) auf 13,3 m Metern reduzieren würde. Die Zahl der Unfälle soll um fast 20 % gesenkt werden können, in Münster soll die Zahl der Schwerverletzten sogar um 72 % zurückgegangen sein.

Welt Online zitiert den Verkehrsexperten der Polizei-Hochschule in Münster, Martin Mönnighoff: „Das würde zu einer erheblichen Reduzierung der Zahlen von Verkehrsunfällen, der Verletzten und Getöteten führen. Wir müssen unseren Verkehrsraum weiter entschleunigen, um ihn gemeinsam sicher nutzen zu können“. Ein Herabsetzen der gefahrenen Geschwindigkeit führe zu weniger Gefahrensituationen und Verkehrsunfällen, die Schwere der Verletzungen würde abnehmen. „Es wurde sogar nachgewiesen, dass eine Temporeduktion um ein Prozent zu zwei Prozent weniger Unfällen mit Verletzen, drei Prozent weniger Schwerverletzten und vier Prozent weniger Toten führt“, erläuterte Mönnighoff. Sowohl der Wissenschaftliche Beirat des Bundesverkehrsministeriums als auch das Europäische Parlament empfehlen ein generelles Tempo 30.

Rottweil in Baden-Württemberg hat Ende 2011 Tempo 20 eingeführt und dabei eine Ampel ab- sowie zusätzliche Zebrastreifen angeschafft. Pressesprecher Tobias Hermann: „Wir wollen unseren Bürgern und Gästen mehr Freiraum im Zentrum bieten und Gleichberechtigung zwischen den Verkehrsteilnehmern schaffen … Viele Autofahrer zeigen Verständnis für die Maßnahme. Tempo 20 gilt auch nur im Stadtkern, auf ein paar hundert Metern“. Andere Städte erwägen ebenfalls eine Entschleunigung ihrer Innenstädte und haben sich in Rottweil die neue Langsamkeit in der Praxis angesehen.

Übrigens: Auf den Internetseiten des Landkreises erfährt man unter „Allgemeine Informationen: Zahlreiche innerörtliche Straßen sind als Tempo 30-Zonen und/oder verkehrsberuhigte Bereiche ausgewiesen. Ansprechpartner/in Stadt Osterholz-Scharmbeck … Telefon: +49 4791 17-0 … E-Mail: service@osterholz-scharmbeck.de“

Jetzt fragen wir uns:

  • Gibt es überhaupt irgendein ernstzunehmendes Argument gegen ein generelles Tempo-30-Limit in Osterholz-Scharmbeck?
  • Bringt es was, den genannten Ansprechpartner anzusprechen?

Was sagen Sie dazu?

eMail unserOHZ.de

Wer sich für den Landkreis OHZ und die Stadt Osterholz-Scharmbeck interessiert und einsetzt, kann evtl. eine eMail-Adresse nach dem Muster xyz@unserohz.de gebrauchen.

Trifft das auch für Sie zu? Schreiben Sie einfach einen kurzen Kommentar, ich melde mich dann bei Ihnen.