Vorhofflimmern

Häufigkeit von Vorhofflimmern
Häufigkeit von Vorhofflimmern (in %) nach Altersgruppen
Vorhofflimmern (VHF) ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. In Deutschland sind knapp zwei Mio. Menschen betroffen. Vorhofflimmern tritt mit zunehmendem Alter immer häufiger auf, bei Männern öfter als bei Frauen. Es kann dauerhaft (persistierend oder permanent) oder nur ab und zu (paroxysmal) auftreten. Es ist nicht unmittelbar lebensbedrohend und wird von manchen Menschen überhaupt nicht bemerkt. Es kann aber auch erhebliche Beschwerden wie Herzklopfen, Herzrasen, Luftnot, Schwäche, Brustenge und Angstgefühl hervorrufen. In Abhängigkeit von anderen Risikofaktoren kann VHF das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen, dann wird oft eine Behandlung mit Medikamenten zur Blutverdünnung (=Antikoagulation) durchgeführt.

Wie stellt man Vorhofflimmern fest?

Vorhofflimmern und Sinusrhythmus
Vorhofflimmern (oben) und Sinusrhythmus (unten) im 1-Kanal-EKG
rot=Flimmerwellen bei Vorhofflimmern
blau=P-Welle bei Sinusrhythmus
Anders als beim normalen regelmäßigen Sinusrhythmus ist der Puls bei VHF unregelmäßig (=Arrhythmie), im unbehandelten Zustand oft auch zu schnell (=Tachyarrhythmie). Goldstandard für die Diagnose Vorhofflimmern ist das EKG. Es muss für mindestens 30 Sekunden absolut unregelmäßigen Herzschlag ohne erkennbare deutliche P-Wellen (blauer Pfeil in der Grafik) aufweisen. Leider erschweren viele potenzielle Fehlerquellen die exakte Diagnose. Besonders das paroxysmale, also nur gelegentlich auftretende VHF wird oftmals nicht erkannt, weil es zum Testzeitpunkt gerade nicht vorhanden ist. Selbst wenn das EKG während Vorhofflimmerns abgeleitet wird, kann seine Interpretation ungenau ausfallen, weil vorhandene P-Wellen gelegentlich schwer oder nicht erkennbar sind und auch der Sinusrhythmus unregelmäßig ausfallen kann, besonders bei zusätzlichen Extrasystolen.

Mit (teilweise abgeschätzt) ansteigender Genauigkeit kommt eine ganze Reihe erprobter Methoden in Frage, unregelmäßigen Puls festzustellen und ggf. Vorhofflimmern zu identifizieren:

  1. Pulsempfindung oder Pulstasten durch den Betroffenen selbst,
  2. Blutdruckmessgeräte u. ä.,
  3. Pulstasten durch den geschulten Betroffenen oder medizinisches Fachpersonal,
  4. Photoplethysmographische Messung mit automatischer Arrhythmie-Analyse (z. B. Smartwatch),
  5. 1-Kanal-EKG ohne oder mit automatischer Arrhythmie-Analyse (z.B. Apple Watch ab Series 4, Event-Recorder),
  6. Intrakardiale Signale von Schrittmachern mit automatischer Arrythmie-Analyse,
  7. Langzeit-EKG (24 Std. bis 14 Tage, 1-Kanal bis 3-Kanal-EKG)
  8. 12-Kanal-EKG

Behandlung

Die rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern kann bei bestimmten Menschen helfen, Schlaganfälle und Herzmuskelschwäche zu verhindern. Dies gilt insbesondere für Patienten mit bereits erlittenen Schlaganfällen und ≥65-Jährige mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Zucker- oder Gefäßkrankheit. Bei <65-Jährigen ohne weitere Risikofaktoren und ohne Beschwerden ist eine spezielle Behandlung hingegen meist nicht nötig. Deshalb bietet die frühzeitige Erkennung von VHF bei diesen Menschen in der Regel auch wenig Vorteile.

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