Canon 5D Mark III vs Nikon D800

Canon 5D Mk III
Canon EOS 5D Mark III mit dem 2.8/24-70 (Foto: Canon)
Vor etwas über einem Jahr hatte ich schon einmal meinen Unmut über Kamera-Vergleichstests geäußert, damals den Vergleich zwischen Canon 600D und Nikon D5100 betreffend. Derzeit sind wir mal wieder mit einer Welle mehr oder weniger sinnvoller Vergleiche zwischen der Canon EOS 5D Mark III und der Nikon D800 bzw. D800E konfrontiert. Und erneut kann man sich beim Studium einiger dieser Betrachtungen ein gehöriges Kichern nicht verkneifen.

Fazit vorneweg

Kaufinteressenten einer der der beiden Modelle möchte ich mein Fazit aus dem bisher Gelesenen gleich vorweg kundtun: Ich bin absolut sicher, dass man mit keiner der beiden Kameras einen Fehlkauf tätigt. Einige wenige Spezialisten, von deren Existenz ich allerdings nicht überzeugt bin, könnten ihre hochgesteckten Erwartungen in zwei speziellen „Ausnahmesituationen“ evtl. ein wenig enttäuscht sehen:

  • Wer regelhaft mit Empfindlichkeiten oberhalb von ISO 1600 fotografiert, wird bei der Nikon hin und wieder über Bildrauschen lästern und
  • wer fortwährend kleine Bildausschnitte seiner Fotos auf DIN A3 vergrößert, wird an der Auflösung der Canon mäkeln.

Für alle anderen kann ich als Fazit eigentlich nur Ryans Botschaft weitergeben: „On either the Nikon or Canon side, you can’t use the camera as an excuse anymore.“

Nutzlose Vergleiche

Das ändert aber nichts an meiner Sicht, dass nämlich ein direkter Vergleich zwischen den beiden Kameras schlicht unnütz ist. Ich werde deshalb gar nicht erst damit anfangen, das Resultat wäre doch nur Ausdruck meiner subjektiven Bewertung von Qualitätsmerkmalen.

Nikon D800
Nikon D800 mit dem 2.8/24-70 (Foto: Nikon)
Woran liegt es, dass man zwei auf den ersten Blick so ähnliche Kameras kaum miteinander vergleichen kann? Beide sind doch „Vollformat“, kosten ähnliche Unsummen, haben ähnliche Ausmaße und sind auch noch fast zeitgleich auf den Markt gekommen. Mir geht dabei immer durch den Kopf: Was ist besser, Maserati GranCabrio (nettes Video übrigens) oder Porsche Cayenne Turbo (das Video ist nicht ganz so „italienisch“, finde ich)? Die haben auch beide 4 Sitzplätze, 8 Zylinder, imposante Preislisten und Höchstgeschwindigkeiten um die 280 km/h. Trotzdem wird kaum jemand ernsthaft diese beiden Modelle direkt miteinander vergleichen wollen. Oder doch?

Randbemerkungen

Getan wird’s natürlich trotzdem, das will ich nicht verschweigen. So etwa im fotoMAGAZIN 6/2012: Da wird die 5D Mark III mit insgesamt 87 % (Bildqualität 88 %, Geschwindigkeit 82 %, Ausstattung 89 % und Bedienung 85 %) bewertet, die D800 mit insgesamt 86 % (Bildqualität 86 %, Geschwindigkeit 80 %, Ausstattung 93 % und Bedienung 85 %). Merkwürdiges Resultat, muss ich sagen. Hat doch in nahezu allen anderen Vergleichstest die Nikon gerade in Sachen Bildqualität die Nase vorn, bei niedriger Empfindlichkeit jedenfalls. Und was genau rechtfertigt die 4 Prozentpunkte „Ausstattung“, mit denen die Nikon vorne liegt … der eingebaute Systemblitz etwa??

Das ganze hat für mich auch eine amüsante „psychologische Komponente“: Wer vor 3-4 Jahren glaubte, wegen der wesentlichen höheren Auflösung der 5D Mark II im Vergleich zur D700 von Nikon zu Canon wechseln oder in diversen Foren lautstark dazu aufrufen zu müssen, wird beim jetzt fälligen Rücktausch abermals seinen gesamten Objektivpark auswechseln müssen. Genauso geht es jenen, die wegen der ach so viel besseren Autofokusleistung und Serienbildgeschwindigkeit seinerzeit von Canon zu Nikon geschwenkt sind. Tja, Pech gehabt … 😉

Canon EOS 5D Mark III

Foto: Canon
3. März 2012: Jetzt ist die Katze aus dem Sack und scheint mir ein Volltreffer zu sein: Canon hat am 2. März die EOS 5D Mark III vorgestellt, Nachfolgerin der ohne Übertreibung legendären und bei Amateuren wie auch vielen Profis ungemein beliebten 5D Mark II. Den Daten (guckstu hier) und einem ersten Vorserientester (Jeff) zur Folge hat Canon alles richtig gemacht. Was mich angeht jedenfalls.

Das Gute (fast) beibehalten: Größe, Bildformat, Auflösung, Akku (der gleiche aus der Mark II !) …

Kleinigkeiten verbessert: Sucher, Display, Spritzwasserschutz, zweiter Kartenslot (SD!), Prozessor (DIGIC 5+), Geschwindigkeit, Menü, Extras …

Echte Ärgernisse beseitigt: Autofokus (das System der neuen 1Dx, wow!) …

Das Ganze soll ab Ende März für € 3299.- erhältlich sein. Viele Euros, in der Tat. Vorbehaltlich angemessener Qualität aber nicht ganz ungerechtfertigt für ein System, das dann ziemlich genau zwischen der „alten“ 5D Mark II und der neuen 1Dx anzusiedeln wäre. Die Mark II gibt’s mittlerweile übrigens bei Amazon für € 1.777,79.

16.3.12: Wer sich dafür interessiert, kann bei canonrumors schon mal die Bedienungsanleitung (engl.) studieren …

Andere Meinungen
  • Canon-addict Jeff Ascough hat Anfang März offenkundig ein Vorserienmodell in Händen gehabt und äußert sich sehr positiv. Liest sich vll. etwas unkritisch …?
  • Ryan Brenizer zeigt am 25.3. erstmal einen 12.800 ISO „Schnappschuss“ und wirkt als zuletzt überzeugter Nikon 3Ds-Nutzer ziemlich angetan: „… but it feels like they’ve really adapted Nikon’s innovations and combined them with Canon’s own to make a fantastic camera.“ Am 30.3. dann sein vorläufiges Urteil: „More importantly, Canon has built a near-perfect wedding camera. Great at high ISOs, accurate and customizable autofocus, speedy and quiet operation and with versatile RAW resolution, this camera is finally a worthy companion to Canon’s huge array of lenses. On either the Nikon or Canon side, you can’t use the camera as an excuse anymore.“
  • Gizmodo
  • Engadget
  • 1. Teil (von 3en) eines Videos zum Vergleich EOS 5D Mark III vs. Nikon D800 unter Praxisbedingungen von The Camerastore in Calgary. 2. Teil folgt hier.

ISO Auto EOS 5D Mark III

5D Mark III (Foto:Canon)
Ein Punkt, der mich an der Mark II stört, ist die inkonsequente Umsetzung der im Grunde willkommenen ISO Auto Funktion. Und ich bin etwas enttäuscht, dass die Verbesserungen in der neuen Canon EOS 5D Mark III erneut inkonsequent geblieben sind. Aus meiner Sicht jedenfalls.

Wofür ISO Auto?

Früher war ich gewohnt, die Lichtempfindlichkeit des Sensors (ISO) im Kameramenü fest einzustellen. Die 5D Mark II bot mir erstmals die Option „ISO Auto“ an. Drei Monate lang glaubte ich, diese Automatik völlig unnütz finden zu müssen: Hab‘ ich noch nie vermisst, gerade die ISO werde ich tunlichst per Hand und mit Köpfchen selbst bestimmen. Möglichst niedrig natürlich, um möglichst wenig gefürchtetes Rauschen zu erhalten. Das ist in der Theorie auch goldrichtig, führte aber in der Praxis immer wieder zu Bildern mit unnötig hoher ISO, die ich ihnen erst später anmerkte. In glücklichen Momenten noch „am Set“, dann konnte ich sie manchmal wiederholen. In mindestens ebenso vielen Fällen aber erst nach dem Download am PC, dann war die Chance vertan. Ursache waren entweder rasch wechselnde Lichbedingungen oder schlichte SchusseligkeitHektik. ISO war dann eben auf 800 programmiert und das Licht reichte doch für 1/250 Sek mit dem 50mm-Objektiv. Schade drum. Auto-ISO sorgt bei solchen Bedingungen schön bequem (und zuverlässig!) für die jeweils geringst-mögliche ISO.

ISO Auto an der 5D Mark II

Nach anfangs zögerlichen Versuchen mit ISO Auto war ich dann eine Weile ganz angetan. Besonders sinnvoll schien mir die ISO-Automatik in meinem „Lieblingsprogramm“, der Blendenvorwahl AV. Hier wählt ISO Auto nämlich die Belichtungszeit in Abhängigkeit von der aktuell verwendeten Brennweite. Beispiel: Grundsätzlich wird ISO 100 verwendet, solange das Licht reicht. Bei Blendenvorwahl (also im AV-Modus) wird mit abnehmender Lichtmenge die Belichtungszeit bis ca. 1/Brennweite verlängert. Das sind max. 1/40 Sek beim 50mm und 1/80 beim 80mm-Objektiv. Erst dann wird die ISO unter Beibehaltung dieser „längstmöglichen“ Belichtungszeit bis max. 3.200 erhöht.

Diese scheinbar nützliche Logik hat leider zwei kleine Haken, die in der Praxis aber von manchmal entscheidender Bedeutung waren:

  • Bei 1/40 Sek Belichtungszeit steigt bei mir der Anteil verwackelter Bilder leider schon deutlich an. Das hat sicher mit dem Alter, dem Maß an Entspanntheit und vielleicht sogar schon mit der Erschütterung durch den Spiegelschlag zu tun, ist aber (leider) Fakt. 1/60 Sek würde bei mir deutlich bessere Ergebnisse bringen, das habe ich ausgiebig probiert. Kann ich aber für ISO Auto leider nicht einstellen.
  • ISO Auto berücksichtigt leider nicht, ob das Objektiv bildstabilisiert und der IS aktiviert ist. Das führt bei diesen Objektiven zu unnötig kurzen Belichtungszeiten, die man lieber in geringere ISO „investiert“ hätte. Kann man aber leider ebenfalls nicht einstellen.

Am praktikabelsten wäre vielleicht der manuelle Modus M: Blende und Zeit vorgeben und die Kamera wählt die passende ISO. Aber leider Pustekuchen: die 5D Mark II wählt bei ISO Auto im M-Modus stur ISO 400 und weicht davon auch keinen Millimeter ab.

ISO Auto an der 5D Mark III

Die gute Nachricht: Canon hat die ISO Auto-Funktion verbessert. ISO Auto funktioniert jetzt auch im manuellen Modus M und die maximale Belichtungszeit kann vorgegeben werden. Mir würde beides gerade bei low-light-Porträts und Kinderfotografien eine Ecke weiterhelfen. Ich könnte dann beispielsweise bei 50mm Brennweite als kürzeste Belichtungszeit 1/60 Sek vorgeben oder gleich den M-Modus wählen … und wäre eine Ecke zufriedener.

Die schlechte Nachricht: Canon ist irgendwie auf halbem Weg stecken geblieben. Eine evtl. aktivierte Bildstabilisierung wird weiterhin nicht berücksichtigt, die max. Belichtungszeit kann nur im Bereich 1-1/250 Sek vorgegeben werden und ist nicht Brennweiten-abhängig. Eine Enttäuschung für alle Wildlife- und Sportfotografen, die bei Gläsern oberhalb von 200mm Brennweite und/oder diversen Sportarten sicher auch mal Verschlusszeiten von weniger als 1/250 Sek würden erzwingen wollen. Und gerade bei der (insgesamt sicher häufigen) Verwendung bildstabilisierter Zoom-Objektive wäre eine Verknüpfung von Brennweiten- und Stabilisator-abhängiger Verschlusszeit mit zusätzlich individueller Korrektur eine echte Hilfe. Beispiel: Verschlusszeit mit Stabi 2/Brennweite, Verschlusszeit ohne Stabi 1/Brennweite, Korrektur in Drittel Blendenstufen.

Die neutrale Nachricht: Der von ISO Auto nutzbare ISO-Bereich kann jetzt eingegrenzt werden, was ich ehrlich gesagt für völlig unnötig halte. Die Philosophie von ISO Auto ist ja nun mal eindeutig: „So wenig ISO wie möglich, aber besser ein verrauschtes Bild als gar kein Bild“. Was macht es da für einen Sinn, den ISO-Bereich zu beschränken? Wegwerfen kann ich die Aufnahme schließlich immer noch …

Fazit

Ich denke, dass ich persönlich von der ISO-Automatik der Mark III sehr profitieren würde. Wäre mir schon was wert. Wenn man bedenkt, dass häufig unscharfe „low-light-Porträts“ die einzigen wirklich enttäuschenden Bilder mit meiner Mark II sind, wäre das vermutlich schon eine sehr relevante Verbesserung. Für mich, wohlgemerkt. Wer viel Sport oder andere bewegte Motive womöglich mit großen Brennweiten fotografiert, wird auch in der neuen Version nur begrenzte Freude an ISO Auto haben und allenfalls von deren Verfügbarkeit jetzt auch im M-Modus profitieren.

Autofokus EOS 5D Mark III

5D Mark III (Foto: Canon)
Sie lässt mich nicht los, die neue Canon EOS 5D Mark III. Siehe auch: hier. Fast täglich erwische ich mich dabei, die hier erwähnten Vorteile gegen die 3299 hier (ganz unten) erwähnten Nachteile aufzurechnen und meine persönliche SchönfärbereiKosten-Nutzen-Analyse zu verfeinern. Canon Deutschland in Gestalt ihrer Presseabteilung hat sich meinem Ansinnen, das gute Stück auf Herz & Nieren zu testen, leider freundlich aber hartnäckig verweigert. Bleibt also keine andere Chance, als mich selbst Stück für Stück der komplexen Frage anzunähern:

Ist das wirklich 3299.- Euro wert?

Ich gehe mal getrost davon aus, dass genau diese Frage aktuell viele Gleichgesinnte umtreibt. Will deswegen meine Gedanken dazu sammeln, vielleicht können wir uns derart gegenseitig ein wenig bei der Beantwortung helfen. Dabei sollte klar sein, dass jeder diese Frage letztlich nur für sich selbst beantworten kann, weil die Antwort vorrangig vom derzeit vorhandenen Equipment und dem voraussichtlichen Einsatzgebiet abhängt.

Der Übersichtlichkeit halber will ich die wesentlichen Fragen einzeln behandeln und beginne heute mit dem Autofokus.

AF-System der 5D Mark II

Derzeit fotografiere ich mit der Mark II und habe noch eine 400D als Zweitbody. Für meine Bedürfnisse ist die Mark II (fast) ideal. Für Landschaftsaufnahmen und Porträts halbwegs geduldiger Mitmenschen ist das Ding in meinen Augen perfekt. Tatsache ist aber, dass der Autofokus (AF) aus dem Vorgängermodell 5D übernommen ist und den Entwicklungsstand von 2005 repräsentiert. Der AF war dann auch Hauptkritikpunkt in allen Foren. Es ist kein Zufall, dass 4 von 7 Rezensionen des Profi-Modells EOS 1D Mark IV auf den deutschen Amazon-Seiten genau diesen Punkt als entscheidenden Vorteil der 1D im Vergleich zur 5D Mk II herausstellen. Insbesondere bewegte Motive werden mit entschieden höherer Treffsicherheit fokussiert.

AF-System der 5D Mark III

Für mich war es eine der Überraschungen bei der Vorstellung der Mark III, dass sie das absolute High-End-AF-System der kurz zuvor präsentierten 1D X erhält: 61 Sensoren, davon 41 Kreuzsensoren (1:4) inkl. 5 Doppelkreuzsensoren bei 1:2.8 (Anzahl der Kreuzsensoren abhängig vom Objektiv). Lt. Chuck Westfall (technical advisor, Professional Engineering & Solutions Division, Canon USA) ist das AF-System der 5D Mark III durch folgende Eigenschaften charakterisiert:

  • Die overall AF detection speed der EOS 5D Mark III übertrifft die der EOS-1D Mark IV.
  • Die AF-Präzision von 5 der zentralen AF-Sensoren, den dual X-shaped cross-type points, übertrifft die sämtlicher Sensoren der 1D Mark IV.
  • 21 Kreuzsensoren im Zentrum funktionieren bis f/5.6; sämtliche Kreuzsensoren der EOS-1D Mark IV funktionieren nur bis f/4 als Kreuzsensoren.
  • Der AF-Sensor der 5D Mark III hat eine doppelt so hohe low light sensitivity wie der Sensor der 1D Mark IV (EV -2 vs. EV -1).
  • Das AF-System der 5D Mark III unterstützt AI Servo III, das dem AI Servo II der EOS-1D Mark IV hinsichtlich der Stabilität und Konsistenz bei der Objektverfolgung überlegen ist.
  • Das AF-System der 5D Mark III deckt 20 % mehr Sensorfläche ab (19mm vs. 15mm).

Von der Papierform habe ich keinen Zweifel, dass der Autofokus der 5D Mark III einen Quantensprung „besser“ sein wird als derjenige der Mark II, möglicherweise sogar „besser“ als jener der 1D Mark IV. Was natürlich in der Realität zu prüfen sein wird und sicher auch getestet wird.

Was habe ich davon?

1. Tag: Euphorie. Am Tag der Vorstellung der Mark III war ich begeistert und überzeugt, dass dieser Quantensprung des Autofokus genau auf meine Bedürfnisse abgestimmt ist. Er alleine rechtfertigte eigentlich schon die geschätzte Zuzahlung von gut 2.000.- € für das „upgrade“ auf die Mark III. Ist doch der Autofokus das „Hauptproblem“ der Mark II.
2. Tag: Ernüchterung. Bringt ein besserer Autofokus auch mir wirklich mehr gute Bilder? Soll ich 61 AF-Sensoren bezahlen, wenn ich für 95 % der Aufnahmen eh‘ nur den zentralen aktiviere? Unstrittig ist, dass ich auch nach dem Wechsel von der 400D zur 5D eine ganze Reihe unbefriedigend „unscharfer“ Fotos wegwerfe. Mal mehr und mal weniger. Aber liegt das wirklich am Autofokus? Auffällig ist, dass Urlaubsfotos mit dem 24-105mm und Blende 4.0 bis 11 praktisch nie wegen Unschärfe in den Papierkorb wandern (da hat es andere Gründe!), von den „low-light“-Porträts der quirligen 2-Jährigen mit Blende 1.4 und ISO 800-3200 hingegen mindestens jedes zweite. Bin ich nicht eher zu dämlichunaufmerksam für perfekte Schärfe als dass die Technik schuld dran ist?
Ab Tag 3: Unsicherheit und Neugierde. Ich bin ziemlich sicher, dass das neue AF-System erhebliche Vorteile bieten würde, wenn ich häufig Sport oder Möven im Vorbeiflug aufnehmen würde. Mach‘ ich aber nicht. Unsicher bin ich, welches Ausmaß an Verbesserung für meine „Problemfälle“ zu erwarten ist: weit offene Blende, hohe ISO, grenzwertige Belichtungszeiten. Damit meine ich zum Beispiel 1/40 und 1/50 s mit dem 50mm. Bei diesen Aufnahmen gibt es so viele potentielle Fehlerquellen!

Vorläufiges Resümee

Der Autofokus der neuen 5D Mark III ist zumindest seiner Papierform nach deutlich „besser“ als jener der Mark II. Ich nehme an, dass er unter Alltagsbedingungen das (sehr hohe) Niveau der 1D Mark IV erreichen wird. Das neue AF-System wird seine Überlegenheit besonders bei bewegten Motiven und bei Nutzung aller oder mehrerer AF-Sensoren in den Modi AI Focus und AI Servo ausspielen.

Für meine „Schärfe-Probleme“ („One Shot“, zentraler AF-Sensor, lange Belichtungszeiten, hohe ISO) wird das neue AF-System vermutlich keine Zauberlösung sein. Allerdings sind jeweils kleine und in der Summe vielleicht doch entscheidende Verbesserungen möglich, weil

  • auch der zentrale AF-Sensor offenbar eine doppelt so hohe low light sensitivity aufweist,
  • das ISO-Rauschen geringer ausfallen soll (die von Canon beworbenen 2 Blendenstufen besserer ISO-Empfindlichkeit beziehen sich allerdings auf das JPG-Format bei Kamera-interner Umwandlung, wird lt. Westfall im RAW-Format deutlich geringer ausfallen),
  • die Auto-ISO-Funktion bei der Mark III auch im manuellen Modus (Programmschalter auf „M“) funktionieren soll (bei der Mark II sind in „M“ immer ISO 400 fest eingestellt) und
  • die aus der 1D Mark IV bekannten neuen AI-Servo-Funktionen „Zentraler Sensor plus 4 oder 8 angrenzende Sensoren“ für meine Zwecke vielleicht besser geeignet sind als „Zentraler Sensor“ alleine.

Fazit: Es hilft nichts, ich muss abwarten und versuchen, irgendwie ein Exemplar der Neuen in die Hand zu bekommen. Bleibt spannend, finde ich.

Canon Standard-Zooms

Das Canon EF 24-105mm 1:4L IS USM und das Canon EF 24-70mm 1:2.8L USM sind sogenannte Standard-Zoomobjektive für Spiegelreflexkameras mit Vollformat-Sensor (ca. 24 x 36 mm), mit Einschränkungen auch an sog. Crop-Kameras mit kleinerem Sensor. Die Entscheidung für ein solches Objektiv und bei Canon-Anwendern die Auswahl zwischen Lichtstärke einserseits (EF 24-70 2.8 L) und Brennweite plus Bildstabilisator andererseits (EF 24-105 4.0 L IS) beschäftigt viele Fotografen.
Update 7. Februar 2012: Canon hat das EF 24-70mm 1:2.8L II USM offiziell angekündigt, verfügbar ab April 2012. Das neue 24-70 hat 2 Linsen mehr (dann 18), ist mit 805 vs. 950 g deutlich leichter und hat einen Filterdurchmesser von 82 (statt jetzt 77) mm. Der von einigen erwartete IS (Stabilisator) ist nicht dabei, als Listenpreis sind € 2299.- aufgerufen, somit € 1000.- mehr als beim Vormodell.
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Canon EF 50mm 1:1.4

Canon 5D Mk II mit EF 50mm 1:1.4
Canon EF 50mm 1:1.4 an der 5D Mk II
Das Canon EF 50mm 1:1.4 ist ein sogenanntes Standardobjektiv für Canon-Spiegelreflexkameras. Es stammt noch aus der „analogen“ Zeit (1993), wird aber auch an den digitalen Modellen häufig und gerne genutzt. Bildqualität, Verarbeitung und Preis machen es zu einem der Canon-Objektive mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis.

Die Bezeichnung Standardobjektiv verdankt das 50mm der Tatsache, dass sein horizontaler Bildwinkel von 40 ° an Kleinbildkameras (und somit auch Digitalkameras mit Vollformat-Sensor 24 x 36 mm) in etwa dem des menschlichen Auges entspricht.
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Winterfahrt ins Teufelsmoor

Wolf-Dietmar Stock/Jürgen Petschull
Verleger Wolf-Dietmar Stock (re.) im Gespräch mit Autor Jürgen Petschull
Winterfahrt ins Teufelsmoor hat Wolf-Dietmar Stock vom Verlag Atelier im Bauernhaus die heutige „multimediale“ Lesung für seine neu gegründete Moorbibliothek genannt. Sozusagen als Auftakt für die Lesung habe ich eine kleine Auswahl von Herbst- und Winterbildern zusammengestellt und mit Hilfe von iPhoto eine Diashow gebastelt. Die haben wir heute auf Gut Sandbeck gezeigt, untermalt vom accordioso. Verzeihung: Detlef Gödicke natürlich. Ich habe mich prächtig amüsiert und war von allen vier Autoren (Tatjana Gräfin Dönhoff, Ruth Hunfeld, Grit Klempow und Jürgen Petschull) sehr angetan. Und ich hatte den Eindruck, dass diese Form der Präsentation auch beim Publikum sehr gut angekommen ist. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Stadt Osterholz-Scharmbeck (Susanne Stelljes) und der Buchhandlung die Schatulle (Ute und Sabine Gartmann).

Ich habe die Diashow als Video bei Youtube geladen. Wer möchte und 14 Minuten Zeit hat, kann sie sich jetzt auch hier mal ansehen:

Diashow (13:40 min)

Adventskalender 2011

Adventskalender 2011
Mit Lindt-Schokolade Gutes tun ...
Das hat mich gefreut: Der Rotary Club Osterholz-Scharmbeck hat mich gebeten, sein Advents-Charity-Projekt mit einem Winter-/Weihnachtsmotiv zu unterstützen. Eine nette Idee mit vielen regionalen Bezügen: Mit Hilfe örtlicher Sponsoren (Kreissparkasse, Stadtwerke, autocenter Schmolke, Tierärzte Raschka, Vermessungsbüro Thorenz & Bruns, Kelch Verpackungstechnik und letztlich ja auch mir) hat der Club eine limitierte Anzahl von Adventskalendern herstellen lassen, die im örtlichen Einzelhandel (Wirtschaftstreff OHZ) verkauft wird. Die Verkaufserlöse (€ 5.- pro Kalender) fließen an das Projekt „Zeit für Kinder“ des Familienzentrums Osterholz-Scharmbeck in der Bördestraße.

Der Club hat sich diese Nachtaufnahme des Scharmbecker Marktes mit Weihnachtsbeleuchtung ausgesucht. Gestern hatte ich dann das Vergnügen, eines der ersten Exemplare anschauen und -der Jahreszeit gerecht im Herbstlaub- ablichten zu können.

Sternschnuppen fotografieren

Tietjenshütte mit Sternschnuppe
Hamme bei Tietjenshütte
Ausschnittsvergrößerung: Sternschnuppe oben li. - Canon 5D MkII, 24 mm, 1:6.3, 25 s, ISO 640

Gar nicht so einfach, Sternschnuppen zu fotografieren. Gestern war das Maximum des diesjährig besonders ergiebigen Sternschnuppenstroms der Draconiden vorhergesagt, 300 bis 600 Sternschnuppen pro Stunde waren prognostiziert worden. Ihr Radiant, aus dem sie zu entstehen scheinen, ist das Sternbild Drachen (lat. draco).

Wir suchten uns also einen Ort mit guter Sicht nach Westnordwest und einem fotogenen Vordergrund, in diesem Fall die Hammebrücke bei Tietjenshütte. Letztlich war die ganze Aktion zumindest hinsichtlich der Sternschnuppen von nur magerem Erfolg gekrönt, hat mir aber wertvolle Erkenntnisse eingebracht. Die will ich hier mal archivieren:

  1. Wolken sind natürlich schlecht, ist klar.
  2. Zu viel Mond (gestern war 4 Tage vor Vollmond) ist auch schlecht, anderweitige Lichtquellen ebenso. Ganz so negativ wie vielerorts diskutiert empfinde ich diese „Lichtverschmutzung“ aber nicht, immerhin will man in 10-30 Sek. (Belichtungszeit, dazu später) ja nicht nur den Himmel mit Sternen und (idealerweise auch) Sternschnuppen, sondern auch irgendeinen Vordergrund belichten. Ich jedenfalls, nur Himmel finde ich langweilig. Völlige Dunkelheit würde ich also nicht gerade bevorzugen. Gestern war die Mischung eigentlich gar nicht so schlecht, direkt bei Tietjens aber doch zu hell (und viel zu viele Autos auf der Straße…).
  3. Sternschnuppen sind ungeheuer schnell, schneller als ich sie in Erinnerung hatte. Dabei sollen die Draconiden sogar zu den eher „langsamen“ gehören. Deren 24.000 m/s lassen sie von mir geschätzte 0.5 s am Himmel ihre Spur ziehen. Aussichtslos also, sie gezielt abzulichten. Einzig sinnvolle Technik ist die Aneinanderreihung von Langzeitbelichtungen, wobei die Kometen-Trefferquote dem Zufall überlassen bleibt.
  4. Je geringer die Brennweite des Objektivs, umso höher die statistische Wahrscheinlichkeit, einen Kometen einzufangen. Umso kleiner andererseits auch die Sterne und Kometenspuren auf den Fotos. Ca. 35 mm (KB-Äquivalent) scheint mir ein guter Kompromiss zu sein.
  5. Bei dieser Brennweite zeigen Sterne je nach Entfernung zum Horizont etwa ab 15 s Belichtungszeit die typischen durch die Erdrotation bedingten Bewegungsartefakte, die mich zumindest bei diesen Aufnahmen stören. Eine Belichtungszeit von 15-25 s sehe ich als guten Kompromiss zwischen „Kometenwahrscheinlichkeit“ und Bewegungsunschärfe der Sterne an. Ich habe im Internet allerdings auch Fotografen gefunden, die diese „Sternschweife“ auf ihren Fotos als Sternschnuppen verkaufen, dann sollte man ruhig 5-10 Minuten Belichtungszeit wählen 🙂
  6. Handschuhe nicht vergessen, warmer Kakao wäre auch nicht schlecht gewesen.

Auch wenn ich letztlich nur ein einziges Bild (von 48) mit sichtbarer Sternschnuppe nach Hause gebracht habe und dieses auch noch durch die Wolken etwas beeinträchtigt wirkt, der Sternenhimmel über der Hamme ist schon sehenswert! Auch ohne Sternschnuppe:

Sternenklarer Himmel ... Wolken- und (leider auch) Kometenfrei

Maren Arndt

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Maren Arndt

Maren Arndt vor einem „ihrer“ wunderbaren Bäume. Am Tag der Offenen Ateliers OHZ trafen wir Maren auf Gut Sandbeck, wo sie eine Probe ihrer Fotokunst ausgelegt und ausgehängt hatte und Interessierten einen Einblick in die Verarbeitung digitaler Bilddaten am PC gab.

Über Marens Arbeiten habe ich hier 2007 und 2008 schon einmal berichtet und dabei auf ihre wunderbaren Fotos aus der Teufelsmoorregion hingewiesen. Regelmäßige Leser des Osterholzer Kreisblattes kennen und erkennen ihre Landschaftsaufnahmen seit vielen Jahren, in letzter Zeit insbesondere ihre Insekten und Wildblumen. In unzähligen Ausstellungen und Veröffentlichungen hat sie dazu beigetragen, dem Teufelsmoor die ihm zustehende Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Einen sehr guten Einblick erhält man auf ihrer Webseite und in dem Buch „Im Teufelsmoor“ mit Marens Bildern und historischen Texten von Johann Georg Kohl.

Ich danke dir, Maren, für’s Mitmachen bei den 999 Gesichtern!

Kuhnke, Philipp

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Philipp Kuhnke

Wie Hermann und ein halbes Hundert anderer Ehrenamtlicher hat sich auch Philipp Kuhnke gestern seinen Sonntag-Vormittag mit einer „Trockenübung“ des Ernstfalles um die Ohren geschlagen. Philipp ist Rettungsassistent beim DRK und ehrenamtlicher OrgL in der Örtlichen Einsatzleitung beim Landkreis Osterholz. In dieser Funktion war er gerade dabei, im Versorgungszelt der SEG die im Einsatz zur Verfügung stehenden Materialien zu sondieren. Diese Szene haben wir für das Porträt dann noch einmal „nachgespielt“, danke Philipp!

Das Foto hatte übrigens noch ein angenehmes Nachspiel. Nachdem ich Philipp die Bilder vorhin geschickt hatte, hat er sie als „richtig gute Fotos“ bezeichnet. Gefällt mir, zumal ich sein fotografisches Auge (mal DA vorbeischauen!) gut leiden kann!

Enfuse für Lightroom

Bin grad ziemlich beeindruckt: LR/Enfuse (Webseite und Download, Demo-Video, Workshop) eröffnet zusammen mit Lightroom einen ziemlich eleganten Weg zur Bewältigung von Motiven mit großem Kontrastumfang. Fotografen kennen das Problem: Bei bestimmten Motiven ist der Unterschied zwischen den hellsten und dunkelsten Bildanteilen (Lichtern und Schatten) so groß, dass ihn der Bildsensor mit einer einzelnen Belichtung nicht differenziert wiedergeben kann. Das führt üblicherweise dazu, dass entweder die „Lichter ausbrennen“ oder die „Schatten absaufen“, oder beides. Wenn dies nicht vielleicht sogar als Stilmittel gewünscht ist, muss der Kontrastumfang mit Hilfe von Aufhelllichtern oder Graufiltern bereits bei der Aufnahme verringert werden. Alternativ können mehrere Aufnahmen mit unterschiedlicher Belichtung angefertigt und miteinander kombiniert werden.
„Enfuse für Lightroom“ weiterlesen

Fotos: Paris

Artikel dazu: Paris
Übrigens: wie in London alle Aufnahmen mit dem „Standardobjektiv“ 1.4/50 mm, die Zooms mussten wieder mal zu Hause bleiben. Macht mir richtig Spaß im Moment, mich auf eine Festbrennweite zu beschränken. Viel Spaß mit den Bildern!