Corona-Schnelltest bei einer Prävalenz von 0,1 %

Szenario: Schnelltest bei sehr geringer Corona-Inzidenz

Beispiele: Neuseeland im Dezember 2020, Insel oder Hallig ohne Fährverbindung, Einsiedler oder Menschen in strikter Quarantäne >3 Wochen.

Selbst im Januar 2020 gibt es „Zero Covid“-Regionen mit einer Corona-Prävalenz von ≤0,1 %. Bei 1.000 Schnelltests würden sich dort höchstens 11 positive und mindestens 989 negative Resultate ergeben:

AG-Schnelltest bei 0,1 % Prävalenz
AG-Test bei einer Prävalenz von 0,1 %

In einem solchen Test-Szenario wäre also die überwiegende Mehrheit der positiven Tests falsch-positiv, während so gut wie alle negativen Tests korrekt wären. Mit höchstens einem „Treffer“ bei 1.000 Tests wäre der Aufwand zwar sehr hoch, auf der anderen Seite aber eine durchaus probate Strategie, um die „Zero Covid“-Strategie durchzuhalten.

Corona-Schnelltest bei einer Prävalenz von 20,7 %

Szenario: Schnelltest bei symptomatischen Patienten

Beispiel: Notaufnahme einer internistischen Abteilung.

Im November 2020 lag die Corona-Prävalenz in der Notaufnahme bei z. B. 20,7 %, 1.000 Schnelltests würden 174 positive und 826 negative Resultate ergeben:

AG-Schnelltest bei 20,7 % Prävalenz
AG-Test bei einer Prävalenz von 20,7 %

In einem solchen Szenario kann der Schnelltest für akute Entscheidungen hilfreich sein, insbesondere bei positiv Getesteten. Mit 5 % falsch negativen Befunden ist er aber nicht annähernd sicher genug, um einen Eintrag in die Klinik zu verhindern. Schon aus diesem Grund wird er immer um einen PCR-Test ergänzt werden, sofern die Kapazitäten es erlauben.

Corona-Schnelltest bei einer Prävalenz von 11,5 %

Szenario: Schnelltest statt PCR-Test

Beispiele: Covid-Verdacht, Kontaktpersonen, „Freitesten“ aus Quarantäne, vor oder bei Aufnahme in Klinik oder Pflegeeinrichtung.

In dieser sehr gemischten Gruppe liegt die Corona-Prävalenz etwa in Höhe der aktuellen Test-Positivrate von 11,5 % (Stand Dezember 2020). 1.000 Schnelltests würden 101 positive und 899 negative Resultate ergeben:

AG-Schnelltest bei 11,5 % Prävalenz
AG-Test bei einer Prävalenz von 11,5 %

Im Vergleich zur geringeren Prävalenz von 1 % steigt mit der Prävalenz auch die Quote falsch negativer Testergebnisse (23 von Tausend), falsch positive hingegen fallen weniger ins Gewicht: Nur noch 9 von 101 positiven Befunden wären falsch, was wegen der Überprüfung mittels PCR akzeptabel ist. Je nach Situation durchaus problematisch sind aber >2 % falsch negative Befunde, wenn sie ohne Not hingenommen werden. Nicht umsonst setzt die Nationale Teststrategie für dieses Szenario vorzugshalber auf PCR-Tests, sofern die Kapazitäten ausreichen und das Testergebnis abgewartet werden kann.

Corona-Schnelltest bei einer Prävalenz von 1 %

Szenario 1: Test ohne Anlass

Beispiel: Regelmäßige Tests bei asymptomatischen Mitarbeiter*innen in Pflegeeinrichtungen/Kliniken oder Schüler*innen/Lehrer*innen.

Ende Dezember 2020 haben wir im Landkreis Osterholz ca. 250 bekannte aktive Infektionen, in Anbetracht einer 4- bis 6-fach höheren Dunkelziffer vermutlich also 1.250 Fälle oder 1 % der Landkreis-Bewohner. Bei einer derartigen Prävalenz von 1 % würden 1.000 Schnelltests mit einer Sensitivität von 80 % und einer Spezifität von 99 % insgesamt 18 positive und 982 negative Befunde ergeben:

AG-Schnelltest bei 1 % Prävalenz
AG-Test bei einer Prävalenz von 1 %

Wie immer bei sehr geringer Prävalenz spielen falsch negative Testergebnisse (2 von Tausend) praktisch keine Rolle, wohl aber falsch positive: Von 18 positiven Befunden wären 8 korrekt und 10 falsch. Da jeder positive Schnelltest mittels PCR überprüft wird, ist das aber kein Beinbruch: Die vorsorgliche Isolierung der falsch positiv Getesteten kann nach 1-2 Tagen beendet werden.

Vergleicht man die „Anlasslose Schnelltest-Strategie“ mit der „Gar-nicht-testen-Strategie“, liegen die Vorteile auf der Hand: Bereits 15 Minuten nach dem Test können 80 % der Infektionsketten unterbrochen werden. Nimmt man eine mittlere Dauer der Infektiosität von 3 Tagen ab Testzeitpunkt an, kann man allen Kontaktpersonen 24 Tage Ansteckungsrisiko ersparen. Als Nachteil muss mit einer retrospektiv unnötigen Quarantäne von ca. 12 Arbeits- oder Unterrichtstagen gerechnet werden.

Vergleicht man die „Schnelltest-Strategie“ mit einer „PCR-Test-Strategie“, so würde letztere zwar alle Infizierten erkennen, aber erst nach durchschnittlich einem Arbeits- bzw. Schultag. Kontaktpersonen würde man dann nur 20 Tage Ansteckungsrisiko ersparen, allerdings ohne unnötige Quarantäne auszulösen.

Szenario 2: Schnelltest mit besonderem Anlass bei Asymptomatischen

Beispiel: Vor dem Familie-Weihnachten mit Oma & Opa, vor Pflegeheim- oder Klinikbesuch.

Auch in dieser Gruppe wäre die Corona-Prävalenz derzeit ca. 1 %, so dass mit ähnlichen Testergebnissen wie in Szenario 1 zu rechnen ist. Je vulnerabler allerdings die zu schützenden Personen und je infektionsträchtiger der Anlass (Dauer und Häufigkeit, Raumgröße, Mund-Nasen-Schutz etc.), umso genauer müssen die Besonderheiten jedweder Teststrategie beachtet werden:

  1. Ein negativer Schnelltest bietet (fast) nur am Tag des Abstriches hinreichende Sicherheit.
  2. Ein negativer PCR-Test ist auch nur sicher, wenn 3 Tage vor dem Test und zwischen Abstrich und geplantem Besuch keine infektionsträchtigen Kontakte stattgefunden haben.