Lübbert, Joachim

<<    #015 von 999 Gesichtern    >>
Joachim Lübbert

Einige Spuren seines Lebens werde ich nie aus den Augen verlieren, und damit weiß ich mich in bester Gesellschaft. Der am 5. Januar 2016 verstorbene Joachim Lübbert kannte jeden hier und jeder kannte ihn. Im wörtlichen Sinn mag das nicht zutreffen, im übertragenen aber ist es einfach eine Tatsache. Ich jedenfalls erfuhr fast immer irgend etwas Interessantes, wenn ich ihn traf. Im April 2011 sah ich ihn von Weitem, als ich mit den Sonntagsbrötchen an der Mühle vorbei radelte. Also habe ich nach dem Frühstück rasch die Kamera umgehängt und mich nochmals auf den Weg zur Mühle gemacht. Und ich hatte Glück, seine Mühlenführung war bald beendet und ich durfte ihn -noch in „Müller-Uniform“- auf dem Maschinenboden in der 1. Etage fotografieren.

Das passte haargenau, denn für mich gehörte er zur Mühle von Rönn an der Lindenstraße wie die vier Mühlenflügel. Deren vertikale Stellung übrigens schon von Weitem den Feierabend des Müllers anzeigt, wie er mir mal vor Jahren erklärt hat. Was in diesem Fall nicht so ganz zutrifft, denn mit „Feierabend“ wäre sein Verhältnis zur Mühle höchst unzureichend charakterisiert. Dass die 1992 von der Stadt gekaufte Mühle heute als Mühlenmuseum ihrer Bedeutung als eines der Wahrzeichen der Stadt auch gerecht wird, ist auch seinem Engagement und einer vierstelligen Zahl freiwilliger Arbeitsstunden zu verdanken, die er in „seine Mühle“ investiert hat.

Als Vorsitzender des Bürgervereins Osterholz-Scharmbeck e.V., der 2002 die Restaurierung und den Betrieb des Museums übernahm, kümmerte er sich seither um die Sanierung der aufwändigen Technik. Hunderte von sachkundigen und sehr kurzweiligen Führungen hat er durchgeführt, vor einigen Jahren selbst das Müllerdiplom erlangt und 2010 zusammen mit Paul Mahrt und der Volksbank die Kulturmühle ins Leben gerufen. Paul Mahrt war es auch, der ihn im Dezember 2011 für das Bundesverdienstkreuz vorschlug. Und in der Tat, im März 2015 überreichte der Landrat Lübbert im Mühlencafé die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland mit den Worten „Durch seinen Einsatz ist die Mühle das, was sie heute ist: ein gut erhaltenes Museum“.

Auch sonst traf ich Hr. Lübbert immer wieder, wenn es etwas für das Gemeinwohl zu tun gab. So 2009 in der Loger Straße, wo er für die Diakoniestiftung mit vielen anderen Freiwilligen tatkräftig das Haus saniert und renoviert hat, in dem heute Wärmestube und Osterholzer Tafel residieren.

„Glück zu“ da oben … und danke für das Foto, Herr Lübbert.

2 Antworten auf „Lübbert, Joachim“

  1. Ich möchte mich sehr bei Ihnen bedanken , dass Sie so nett und zuvorkommend über meinen Vater geschrieben haben.Es zeigt mir wie sehr er angesehen war , auch wenn er manchmal mit seinem dicken Kopf durch die Wand musste. Es ist nicht ganz leicht in seine Fußstapfen , in Sache Mühle zu treten , doch ich möchte sein Lebenswerk weiterführen. Auf dem Mühlenfest wurde mir klar , wie sehr er doch oft fehlt. Doch bei jeder MühlenFührung wurde mir bestätigt , dass ihr auf einem guten Weg bin Ihn zu vetreten. Vielen Dank Herr Heuser.

    1. Mir fehlen ein wenig die Worte und in den Augen schliert es … Danke, dass Sie das schreiben. Es war mir immer ein Vergnügen und bis heute ein Privileg, Ihren Vater so kennengelernt zu haben! Und nicht ganz zufällig weiß ich, dass er sehr stolz auf Sie ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.