Moorexpress im Winter

Moorexpress im Winter

Am 30. Oktober 2011 ist die Saison des Moorexpress (mehr Fotos …) wieder einmal zu Ende gegangen. In den Wintermonaten werden wieder Sonderfahrten u. a. zu den Weihnachtsmärkten in Stade, Osterholz-Scharmbeck und Worpswede angeboten (siehe Moorexpress-Flyer). Nach Fahrplan verkehren die historischen Triebwagen nur von Mai bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen, 4-mal täglich zwischen Bremen und Bremervörde, 3-mal davon durchgehend bis Stade.

2009 feierte der Moorexpress seinen 100sten Geburtstag für die am 23. Juni 1909 offiziell eröffnete Teilstrecke Gnarrenburg-Bremervörde. Er verkehrt hauptsächlich auf der Trasse der früheren Kleinbahn Bremervörde-Osterholz, die 1942 in Bremervörde-Osterholzer-Eisenbahn (BOE) umbenannt wurde. Abgebildet sind Dieseltriebwagen vom Typ VT 168 (Baujahr 1962, Hersteller MAN, Betriebsnummer 168, Gewicht 20,7 t, Motorleistung 221 kW, Höchstgeschwindigkeit 90 km/h, Länge über Puffer 13,95 m), weitere Typen siehe “Historische Fahrzeuge” auf den Seiten der EVB – Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH.

Geschichte: Erste Planungen einiger Moorgemeinden für eine Eisenbahnverbindung Bremen-Stade datieren aus den 1890er-Jahren. Insbesondere bei der in Gnarrenburg ansässigen Glas- und Ziegelindustrie bestand ein vitales Interesse an einer solchen Verbindung, um die benötigten Rohstoffe (statt mit Pferdefuhrwerken von Oldenbüttel) heranzuschaffen und die gefertigen Waren (statt mit Lastkähnen in Richtung Elbe) abzutransportieren. Hermann Lamprecht, Besitzer der Gnarrenburger “Marienhütte”, vermachte seiner Gemeinde 50.000 Mark, um deren Anteil am Bahnbau zu finanzieren. Im 19. Jh. blieb dieser Plan aber unrealisierbar, weil die königliche Eisenbahnverwaltung in Hannover ihre Zustimmung auf Grund eines Eigeninteresses der Staatsbahn verweigerte. Erst im Juni 1903 wurde der Bau einer privaten Bahnstrecke Bremervörde-Gnarrenburg-Osterholz zugelassen.

Moorexpress im Teufelsmoor

Im Teufelsmoor am Kirchdammgraben

Um auch das mitten im Teufelsmoor gelegene Worpswede mit der damals gerade aufstrebenden Künstlerkolonie anzubinden, entschloss man sich für die ingenieurtechnisch wesentlich anspruchsvollere und teurere von zwei erwogenen Streckenführungen, die über die Hamme und mitten durch das Moor führen musste. Preußischer Staat, Provinz Hannover, die Landkreise Bremervörde und Zeven sowie die Gemeinde Gnarrenburg und 22 Gemeinden des Landkreises Osterholz als Gesellschafter gründeten im Oktober 1907 die Kleinbahn Bremervörde-Osterholz GmbH. Die Königliche Staatsregierung bewilligte 867.000 Mark als Anteil des preußischen Staates.

1908 wurde in Ahrensfelde mit den Erdarbeiten begonnen. 1909 streikten die Bauarbeiter für eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 40 Pfennige. Ebenfalls 1909 entstand in Ahrensfelde eine Bahnhofsgaststätte mit Saal. Die Teilstrecke Gnarrenburg-Bremervörde konnte bereits am 23. Juni 1909 eröffnet werden. 1910 wurden die Arbeiten für das Stationsgebäude in Osterholz-Scharmbeck vergeben (Stationgebäude: Maurermeister Wilhelm Torbohm aus Osterholz, Maschinenschuppen: Zimmermeister Heinrich Volger aus Osterholz, Geräteschuppen: Maurermeister Gottfried Stehnke aus Scharmbeck). Am 23.12.1910 wurde auch die Strecke zwischen Osterholz und Worpswede offiziell in Betrieb genommen und am 10.2.1911 schließlich die gesamte Verbindung zwischen Osterholz-Scharmbeck und Bremervörde vor 300 Ehrengästen offiziell dem Verkehr übergeben. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band 1)

Moorexpress in Osterholz

Moorexpress in Osterholz

Nach dem 2. Weltkrieg mussten zunächst gesprengte Brücken wiederhergestellt werden, bevor der durchgehende Betrieb OHZ-Bremervörde 1946 wieder aufgenommen werden konnte. Das Jahr 1949 brachte der BOE mit täglich durchschnittlich über 2.600 und im Jahr fast 1 Mio. Passagieren die höchste Fahrgastzahl ihres Bestehens. Viele Menschen nutzten den Moorexpress in den Nachkriegsjahren für “Hamsterfahrten” auf das Land.

Am 18.3.1978 wurde der Personenverkehr eingestellt, in den folgenden 22 Jahren verkehrten lediglich Güterzüge und gelegentliche Sonderfahrten zu touristischen Zwecken. Am 1.5.2000 wurde der Personenverkehr an Wochenenden im Rahmen eines Sonderprogrammes anlässlich der EXPO 2000 wieder aufgenommen.

Das Land, die Landkreise und anliegende Gemeinden teilen sich seit 2004 zunächst für 5 Jahre die erforderlichen Investitionen. Seit dem 29.4.2006 werden durchgehende Fahrten zwischen Stade und Bremen als Tourismus-Projekt durchgeführt. Diese “Durchbindung” nach Bremen hat die Fahrgastzahlen noch einmal nahezu verdoppelt.

Anfang 2009 wurden die nötigen Investitionen für den Zeitraum bis 2013 in Höhe von ca. 1 Mio. € erneut in den Kommunen verhandelt. Eine Hälfte trägt das Land Niedersachsen, die andere soll von den Landkreisen Osterholz und Rotenburg (je € 17.000/Jahr), den Städten Bremervörde, Osterholz-Scharmbeck und Stade (je € 8.000/Jahr), den Gemeinden bzw. Samtgemeinden Gnarrenburg, Worpswede, Geestequelle und Fredenbeck (je € 6.000/Jahr) sowie der Gemeinde Ritterhude (€ 1.000/Jahr) aufgebracht werden.

Jahr Fahrgäste
1928 207.121
1949 955.775
1960 605.415
1970 491.900
Expo 2000 23.000
2001 15.000
2002 18.000
2003 18.000
2004  
2005 11.000
2006 22.500
2007 22.600
2008 21.058
2009 ca. 22.000
2010 17.306

Im Jahr 2008 wurde der Moorexpress damit an jedem Betriebstag von etwa 200 bis 240 Fahrgästen genutzt, etwa jeder siebte von ihnen hat sein Fahrrad mitgenommen (2.823 Fahrräder/Jahr)

Weblinks: Moorexpress (Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH), Bremervörde-Osterholzer Eisenbahnfreunde

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