2009 feierte der Moorexpress seinen 100sten Geburtstag für die am 23. Juni 1909 offiziell eröffnete Teilstrecke Gnarrenburg-Bremervörde. Er verkehrt hauptsächlich auf der Trasse der früheren Kleinbahn Bremervörde-Osterholz, die 1942 in Bremervörde-Osterholzer-Eisenbahn (BOE) umbenannt wurde. Abgebildet sind Dieseltriebwagen vom Typ VT 168 (Baujahr 1962, Hersteller MAN, Betriebsnummer 168, Gewicht 20,7 t, Motorleistung 221 kW, Höchstgeschwindigkeit 90 km/h, Länge über Puffer 13,95 m), weitere Typen siehe “Historische Fahrzeuge” auf den Seiten der EVB – Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH.
Geschichte: Erste Planungen einiger Moorgemeinden für eine Eisenbahnverbindung Bremen-Stade datieren aus den 1890er-Jahren. Insbesondere bei der in Gnarrenburg ansässigen Glas- und Ziegelindustrie bestand ein vitales Interesse an einer solchen Verbindung, um die benötigten Rohstoffe (statt mit Pferdefuhrwerken von Oldenbüttel) heranzuschaffen und die gefertigen Waren (statt mit Lastkähnen in Richtung Elbe) abzutransportieren. Hermann Lamprecht, Besitzer der Gnarrenburger “Marienhütte”, vermachte seiner Gemeinde 50.000 Mark, um deren Anteil am Bahnbau zu finanzieren. Im 19. Jh. blieb dieser Plan aber unrealisierbar, weil die königliche Eisenbahnverwaltung in Hannover ihre Zustimmung auf Grund eines Eigeninteresses der Staatsbahn verweigerte. Erst im Juni 1903 wurde der Bau einer privaten Bahnstrecke Bremervörde-Gnarrenburg-Osterholz zugelassen.
1908 wurde in Ahrensfelde mit den Erdarbeiten begonnen. 1909 streikten die Bauarbeiter für eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 40 Pfennige. Ebenfalls 1909 entstand in Ahrensfelde eine Bahnhofsgaststätte mit Saal. Die Teilstrecke Gnarrenburg-Bremervörde konnte bereits am 23. Juni 1909 eröffnet werden. 1910 wurden die Arbeiten für das Stationsgebäude in Osterholz-Scharmbeck vergeben (Stationgebäude: Maurermeister Wilhelm Torbohm aus Osterholz, Maschinenschuppen: Zimmermeister Heinrich Volger aus Osterholz, Geräteschuppen: Maurermeister Gottfried Stehnke aus Scharmbeck). Am 23.12.1910 wurde auch die Strecke zwischen Osterholz und Worpswede offiziell in Betrieb genommen und am 10.2.1911 schließlich die gesamte Verbindung zwischen Osterholz-Scharmbeck und Bremervörde vor 300 Ehrengästen offiziell dem Verkehr übergeben. (Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band 1)
Nach dem 2. Weltkrieg mussten zunächst gesprengte Brücken wiederhergestellt werden, bevor der durchgehende Betrieb OHZ-Bremervörde 1946 wieder aufgenommen werden konnte. Das Jahr 1949 brachte der BOE mit täglich durchschnittlich über 2.600 und im Jahr fast 1 Mio. Passagieren die höchste Fahrgastzahl ihres Bestehens. Viele Menschen nutzten den Moorexpress in den Nachkriegsjahren für “Hamsterfahrten” auf das Land.Am 18.3.1978 wurde der Personenverkehr eingestellt, in den folgenden 22 Jahren verkehrten lediglich Güterzüge und gelegentliche Sonderfahrten zu touristischen Zwecken. Am 1.5.2000 wurde der Personenverkehr an Wochenenden im Rahmen eines Sonderprogrammes anlässlich der EXPO 2000 wieder aufgenommen.
Das Land, die Landkreise und anliegende Gemeinden teilen sich seit 2004 zunächst für 5 Jahre die erforderlichen Investitionen. Seit dem 29.4.2006 werden durchgehende Fahrten zwischen Stade und Bremen als Tourismus-Projekt durchgeführt. Diese “Durchbindung” nach Bremen hat die Fahrgastzahlen noch einmal nahezu verdoppelt.
Anfang 2009 wurden die nötigen Investitionen für den Zeitraum bis 2013 in Höhe von ca. 1 Mio. € erneut in den Kommunen verhandelt. Eine Hälfte trägt das Land Niedersachsen, die andere soll von den Landkreisen Osterholz und Rotenburg (je € 17.000/Jahr), den Städten Bremervörde, Osterholz-Scharmbeck und Stade (je € 8.000/Jahr), den Gemeinden bzw. Samtgemeinden Gnarrenburg, Worpswede, Geestequelle und Fredenbeck (je € 6.000/Jahr) sowie der Gemeinde Ritterhude (€ 1.000/Jahr) aufgebracht werden.
| Jahr | Fahrgäste |
| 1928 | 207.121 |
| 1949 | 955.775 |
| 1960 | 605.415 |
| 1970 | 491.900 |
| Expo 2000 | 23.000 |
| 2001 | 15.000 |
| 2002 | 18.000 |
| 2003 | 18.000 |
| 2004 | |
| 2005 | 11.000 |
| 2006 | 22.500 |
| 2007 | 22.600 |
| 2008 | 21.058 |
| 2009 | ca. 22.000 |
| 2010 | 17.306 |
Im Jahr 2008 wurde der Moorexpress damit an jedem Betriebstag von etwa 200 bis 240 Fahrgästen genutzt, etwa jeder siebte von ihnen hat sein Fahrrad mitgenommen (2.823 Fahrräder/Jahr)
Weblinks: Moorexpress (Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH), Bremervörde-Osterholzer Eisenbahnfreunde





Kommentare