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	<title>SARS-CoV-2 &#8211; teufelsmoor.eu</title>
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	<description>Osterholz-Scharmbeck - Radfahren - Mac - Fotografie</description>
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	<title>SARS-CoV-2 &#8211; teufelsmoor.eu</title>
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		<title>Corona-Faktencheck: mehr Fälle nur wegen mehr Tests?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Aug 2020 16:09:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit Wochen haben wir wieder steigende Fallzahlen. Selbsternannte Gegner der vermeintlichen Corona-Diktatur behaupten, dies sei lediglich auf die höhere Anzahl von Corona-Tests zurückzuführen. Und viele Nachplapperer verbreiten das munter, ohne sich lange mit den Fakten abzumühen. Dabei sind diese Fakten unmissverständlich: JA, die Anzahl an Corona-Tests ist gestiegen (s. graue Balken in der Grafik). In &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/politik/corona-faktencheck-mehr-faelle-nur-wegen-mehr-tests/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Corona-Faktencheck: mehr Fälle nur wegen mehr Tests?“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Seit Wochen haben wir wieder steigende Fallzahlen.  Selbsternannte Gegner der vermeintlichen Corona-Diktatur behaupten, dies sei lediglich auf die höhere Anzahl von Corona-Tests zurückzuführen. Und viele Nachplapperer verbreiten das munter, ohne sich lange mit den Fakten abzumühen.</p>


<figure style="width: 548px" class="wp-caption alignnone"><a href="https://lh3.googleusercontent.com/VHkl9iDMfDAWPwoYnxDIZ6Mo_9ezVkIW_8lHxCXxu21ugtxF6qSR7Q8slnYfRiwWR8cY6sWiUQYK1vAsTOTF9YxiIR8TD3U-0KZZYGDEEz9Bo_Hqm0KI-fnlxWMVbxn4dPuNyw-9Rxo=w1920-h1080"><img decoding="async" class="" src="https://lh3.googleusercontent.com/VHkl9iDMfDAWPwoYnxDIZ6Mo_9ezVkIW_8lHxCXxu21ugtxF6qSR7Q8slnYfRiwWR8cY6sWiUQYK1vAsTOTF9YxiIR8TD3U-0KZZYGDEEz9Bo_Hqm0KI-fnlxWMVbxn4dPuNyw-9Rxo=w1920-h1080" alt="Corona-Tests Deutschland" width="548" height="445" /></a><figcaption class="wp-caption-text">Corona-Tests in Deutschland (Quelle: RKI-Lagebericht 12.8.20 und eigene Berechnung).</figcaption></figure>


<p>Dabei sind diese Fakten unmissverständlich:</p>



<p><strong>JA</strong>, die Anzahl an Corona-Tests ist gestiegen (s. graue Balken in der Grafik). In den letzten fünf Wochen von 505.518 auf 672.171 nach den Zahlen des RKI.</p>



<p><strong>UND NEIN</strong>, der Zuwachs an neuen Corona-Fällen (rote Balken) von 3.080 auf 6.909 wöchentlich ist dadurch keineswegs erklärt. Die gelbe Linie &#8222;fiktiver Fälle&#8220; zeigt, was mit dem höheren Testaufkommen erklärbar wäre. In der vergangenen Woche wären das 4.033 positive Tests gewesen, tatsächlich aber waren es 6.909.</p>
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		<title>Corona-Warn-App</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 20 Jun 2020 16:19:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
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		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Corona-Warn-App der Bundesregierung und des RKI ist seit dem 16. Juni 2020 verfügbar und wurde innerhalb von drei Tagen knapp 10 Mio. mal heruntergeladen. Detaillierte Informationen zur App gibt es auf der Projekt-Homepage und den einschlägigen Seiten der Bundesregierung, des RKI und bei Wikipedia. Auch wenn der tatsächliche Nutzen der App erst in einigen &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/corona-warn-app/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Corona-Warn-App“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><figure id="app1" aria-describedby="caption-app1" style="width: 400px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/mx--oPtQ3TL0x-JAyNCwOuakW82UVItGYZd2Nx89Wf7gRl-Wvz3FDyr36L6FU_LL7TTdznTWRVYlziYshgAuGj2Ax-tKiWLXWX19tOYrnnaOhbiH8peUkzUg-4Fipmz0sIVqqBQr5Ck=w1920-h1080" alt="Corona-Warn-App Logo"><figcaption id="caption-app1" class="wp-caption-text"> <small>Quelle: RKI</small></figcaption></figure>Die <strong>Corona-Warn-App</strong> der Bundesregierung und des RKI ist seit dem 16. Juni 2020 verfügbar und wurde innerhalb von drei Tagen knapp 10 Mio. mal heruntergeladen. Detaillierte Informationen zur App gibt es auf der <a href="https://www.coronawarn.app/de/">Projekt-Homepage</a> und den einschlägigen Seiten der <a href="https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/corona-warn-app">Bundesregierung</a>, des <a href="https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/WarnApp/Warn_App.html">RKI</a> und bei <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Corona-Warn-App">Wikipedia</a>.</p>
<p>Auch wenn der tatsächliche Nutzen der App erst in einigen Monaten bewertet werden kann, ist sie berechtigterweise mit großen Hoffnungen verbunden. Im Idealfall wird sie dazu beitragen, die Infektionszahlen auch in Zeiten zunehmender Kontakte so gering wie möglich zu halten. Gerade uns Beschäftigten im Gesundheitswesen kann sie dabei helfen, besonders gefährdete Menschen zu schützen, indem wir Infektionen frühzeitig erkennen und weitere Übertragungen vermeiden.</p>
<p><figure id="app2" aria-describedby="caption-app2" style="width: 800px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/z2pjJGv2UktOFA99gp8qlStlnySM6MZ2m-16NDbg9i-IADqOBe0FeEv5jYFi8FvEiroV_Ei2heUL5Y-ajQ6z-lCmPPoZL00C_LYz7GvbZRMFHoTSrhiLCK8U1bA8TfoYvkbHe-HgoJg=w1920-h1080" alt="Funktion Corona-Warn-App"><figcaption id="caption-app2" class="wp-caption-text"> <small>Quelle: RKI</small></figcaption></figure><br />
Die Installation der App ist und bleibt ebenso freiwillig wie deren Nutzung. Die App überträgt keine personenbezogenen Daten und keine Standortdaten. Sowohl die Risikoermittlung als auch die Meldung eines positiven Corona-Befundes an die App müssen vom Nutzer ausdrücklich aktiviert werden. </p>
<h2>Was heißt &#8222;Niedriges Risiko&#8220;</h2>
<p><figure id="app3" aria-describedby="caption-app3" style="width: 150px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/fjn0MOgemia78vvMxcvjkU2T4NxZQBJxmtjlzM5jgrV7uUA31Ekjt6eb9QX5lj9D_Yp93_-Efb0_eFsCfVTiTpnrahwECccCRimu0G5IpCCb6qY70t8acqKbieEkbII0ptfQHx6U1wM=w1920-h1080" alt="Meldung Niedriges Risiko"><figcaption id="caption-app3" class="wp-caption-text"> </figcaption></figure>Der Status <em>Niedriges Risiko</em> bedeutet <strong>nicht</strong>, dass das Infektionsrisiko in diesem Moment gering ist. Er sagt lediglich aus, dass in den letzten 14 Tagen kein &#8222;riskanter&#8220; Kontakt (grob gesagt: länger als 15 Minuten weniger als 1.5-2.0 m Abstand) mit einem anderen Handy bestand, dessen Besitzerin oder Besitzer positiv getestet wurde und dies auch in der App registriert hat. </p>
<p>Keine Berücksichtigung finden dabei Kontakte mit Menschen ohne Handy oder solchen, die die App nicht nutzen. Ebensowenig solche mit Menschen, die gar nicht getestet wurden, sei es wegen fehlender Symptome oder aus anderen Gründen. </p>
<p>Auch mit grün unterlegtem &#8222;Niedrigrisiko-Status&#8220; heißt es also weiterhin wachsam sein: Abstand wahren, Mund-Nasen-Schutz in Risikosituationen, bei einschlägigen Symptomen an Covid-19 denken!</p>
<h2>Was bedeutet &#8222;Erhöhtes Risiko&#8220;</h2>
<p><figure id="app4" aria-describedby="caption-app4" style="width: 150px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/Q9I1WB8k00AHO5jvUHDc8xyutfRn_KzqF49r0aepKgfz72kF2rsR1u98tYe2UOXIs8qVK3ei93CSaWap6V8-0bgBjmbVSGe0TAL2HnF9ICGjL7Bulea4ePpvIdpdVyBwQnOijzSu8gU=w1920-h1080" alt="Meldung Erhöhtes Risiko"><figcaption id="caption-app4" class="wp-caption-text"><small>Quelle: RKI</small></figcaption></figure>Die Meldung <em>Erhöhtes Risiko</em> sagt erstmal nur aus, dass ein &#8222;epidemiologisch relevanter&#8220; Kontakt zu einer positiv getesteten Person bestanden haben <strong>kann</strong>. Aus Datenschutzgründen erfährt man nur das Datum dieses Kontaktes, dessen Bewertung somit nicht immer einfach ist. Die App weiß zum Beispiel nicht, ob Mund-Nasen-Schutz, FFP2-Masken oder Trennwände im Einsatz waren. Wie also damit umgehen?</p>
<p>Wer durch die App gewarnt wird, sollte Begegnungen vermeiden und &#8211; wenn möglich &#8211; nach Hause gehen. Per Telefon sollte dann mit Hausärztin oder Hausarzt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (Tel. 116 117) oder dem zuständigen Gesundheitsamt (für den LK Osterholz Tel. 04791 930 2900) über das weitere Vorgehen beraten werden. </p>
<p>Über eine Krankschreibung entscheidet der behandelnde Arzt, über die Anordnung von häuslicher Quarantäne das zuständige Gesundheitsamt jeweils nach eigener Einschätzung. Wer positiv auf Corona getestet wird, kann eine Krankschreibung erhalten und hat Anspruch auf Lohnfortzahlung. Wenn das Gesundheitsamt Quarantäne anordnet, zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter und wird dafür vom Gesundheitsamt entschädigt.</p>
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		<title>Corona-Infektionswege in Japan</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jun 2020 09:15:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
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					<description><![CDATA[Furuse Y et al.: Clusters of coronavirus disease in communities, Japan, January–April 2020. Emerg Infect Dis. 2020 Sep. doi: https://doi.org/10.3201/eid2609.202272 Y. Furuse vom Institute for Frontier Life and Medical Sciences and Hakubi Center for Advanced Research der Uni Kyoto in Japan und Co-Autoren haben 3.184 Fälle Coronavirus-Infektion in Japan analysiert und dabei 61 Cluster identifiziert, &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/corona-infektionswege-in-japan/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Corona-Infektionswege in Japan“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Furuse Y et al.: Clusters of coronavirus disease in communities, Japan, January–April 2020. Emerg Infect Dis. 2020 Sep.<br />
doi: <a href="https://doi.org/10.3201/eid2609.202272">https://doi.org/10.3201/eid2609.202272</a></p>
<p>Y. Furuse vom <em>Institute for Frontier Life and Medical Sciences and Hakubi Center for Advanced Research</em> der Uni Kyoto in Japan und Co-Autoren haben 3.184 Fälle Coronavirus-Infektion in Japan analysiert und dabei 61 Cluster identifiziert, die ihren Ausgang in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, Restaurants und Bars, Arbeitsstätten und bei Musikveranstaltungen genommen haben. Sie haben dabei 22 mutmaßliche Ursprungspatienten identifiziert, die mehrheitlich 20–39 Jahre alt und zum Zeitpunkt der Virusübertragung prä- oder asymptomatisch waren.</p>
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		<title>Wer ist Corona-Risikopatient?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jun 2020 16:55:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[Risikopatient]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
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					<description><![CDATA[Viele Menschen inkl. Ärztinnen und Ärzte sind verunsichert, wer im Hinblick auf das neuen Corona-Virus als Risikopatient zu gelten hat. Die Datenlage dazu ist auch noch im Fluss, sehr hilfreich ist jetzt eine neue Studie aus unserem Nachbarland Dänemark: Die für skandinavische Länder typische Vollständigkeit der erhobenen Daten und die mit Deutschland vergleichbaren Begleitumstände machen &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/wer-ist-corona-risikopatient/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Wer ist Corona-Risikopatient?“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Menschen inkl. Ärztinnen und Ärzte sind verunsichert, wer im Hinblick auf das neuen Corona-Virus als Risikopatient zu gelten hat. Die Datenlage dazu ist auch noch im Fluss, sehr hilfreich ist jetzt eine <a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/coronavirus-in-daenemark/">neue Studie aus unserem Nachbarland Dänemark</a>:<br />
<figure id="risk1" aria-describedby="caption-risk1" style="width: 500px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/KNdyXJbJAJneANSXRbOm-WpGhH7kVbQAWyNg7JNxmWaO9XqAv1_2LA5lIc5WIbl9r_c4kSUNfrpzl4Fx_v1e1l1XoCia9xIXj8I5GP36IKD02aIN0HebpU9MykASwXFP1qJKVHi77bw=w1920-h1080" alt="heatmap covid-19-mortality"><figcaption id="caption-risk1" class="wp-caption-text">Sterberisiko für Covid-19-Patienten in %</figcaption></figure>Die für skandinavische Länder typische Vollständigkeit der erhobenen Daten und die mit Deutschland vergleichbaren Begleitumstände machen diese Studie zur bislang besten Grundlage, um das Risiko für einen tödlichen Verlauf einer Corona-Infektion abschätzen zu können. Eine aus den Studiendaten generierte Heatmap zeigt fast auf den ersten Blick recht deutlich, wer im Falle einer Infektion mit einem sehr niedrigen, einem mittleren oder gar einem hohen Sterberisiko rechnen muss.<br />
<span id="more-12772"></span></p>
<p>Im Detail sind einige Ergänzungen angebracht, die in dieser Heatmap nicht dargestellt sind:</p>
<ul>
<li>Das Geschlecht ist ebenfalls ein wichtiger und unabhängiger Risikofaktor: Männer haben im Vergleich zu Frauen ein 2.1-fach erhöhtes Risiko für einen tödlichen Verlauf. <sup><a href="https://doi.org/10.1101/2020.05.24.20111823">(1)</a></sup></li>
<li>Die Begleiterkrankungen wurden hier nur recht grob anhand von verschriebenen Arzneimitteln oder <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_statistische_Klassifikation_der_Krankheiten_und_verwandter_Gesundheitsprobleme">ICD-Codes</a> bei Krankenhausentlassung erfasst. Aus anderen Studien wissen wir mittlerweile, dass beispielsweise ein gut behandeltes stabiles Asthma kein erhöhtes Risiko darstellt.</li>
<li>Überraschenderweise beeinflussen vermutlich auch die AB0-Blutgruppenmerkmale den Verlauf von Covid-19. Eine <a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/blutgruppen-unterschiede-beim-covid-risiko/">ebenfalls ganz frische Studie</a> legt nahe, dass Patienten mit Blutgruppe A ein 1.45-fach höheres und mit Blutgruppe 0 ein 0.65-fach geringeres Risiko für einen schweren Covid-Verlauf haben. <sup><a href="https://doi.org/10.1101/2020.05.31.20114991">(2)</a></sup></li>
</ul>
<p>Zum Schluss noch eine Klarstellung, weil das oft verwechselt wird: <em>Risikopatient</em> bezieht sich in diesem Zusammenhang auf das Risiko für einen schweren oder gar tödlichen Verlauf, wenn man einmal vom Virus infiziert ist. Das Risiko, überhaupt erst infiziert zu werden, ist nach bisherigen Erkenntnissen für alle Menschen gleich und lässt sich nur durch Verhaltensweisen beeinflussen (Abstand, Vermeidung von Ansammlungen in geschlossenen Räumen, Mund-Nasen-Schutz, Schutzausrüstung). </p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Coronavirus in Dänemark</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Jun 2020 08:48:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[Risikopatient]]></category>
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					<description><![CDATA[Reilev M et al.: Characteristics and predictors of hospitalization and death in the first 9,519 cases with a positive RT-PCR test for SARS-CoV-2 in Denmark: A nationwide cohort. medRxiv 26.05.2020 (Preprint) doi: https://doi.org/10.1101/2020.05.24.20111823 Die Autoren haben die Daten aller 228.677 Dänen aufgearbeitet, die sich vom 27.02. bis zum 30.04. einem Test auf SARS-Cov-2 unterzogen haben. &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/coronavirus-in-daenemark/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Coronavirus in Dänemark“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Reilev M et al.: Characteristics and predictors of hospitalization and death in the first 9,519 cases with a positive RT-PCR test for SARS-CoV-2 in Denmark: A nationwide cohort. medRxiv 26.05.2020 (Preprint)<br />
doi: <a href="https://doi.org/10.1101/2020.05.24.20111823">https://doi.org/10.1101/2020.05.24.20111823</a></p>
<p><figure id="danish1" aria-describedby="caption-danish1" style="width: 500px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/KNdyXJbJAJneANSXRbOm-WpGhH7kVbQAWyNg7JNxmWaO9XqAv1_2LA5lIc5WIbl9r_c4kSUNfrpzl4Fx_v1e1l1XoCia9xIXj8I5GP36IKD02aIN0HebpU9MykASwXFP1qJKVHi77bw=w1920-h1080" alt="mortality heatmap Covid-19"><figcaption id="caption-danish1" class="wp-caption-text">Mortality-Heatmap <small>(Quelle: Reilev et al. s.o.)</small></figcaption></figure>Die Autoren haben die Daten aller 228.677 Dänen aufgearbeitet, die sich vom 27.02. bis zum 30.04. einem Test auf SARS-Cov-2 unterzogen haben. </p>
<p>9.519 Fälle waren SARS-CoV-2-PCR-positiv, davon wurden 78 % ambulant und 22 % im Krankenhaus behandelt, 3.2 % auf einer Intensivstation. 5.5 % sind innerhalb von 30 Tagen verstorben. Das Durchschnittsalter der ambulanten Fälle lag bei 45 Jahren (Interquartilbereich IQR 31-57), der Verstorbenen bei 82 Jahren (IQR 75-89). Das Alter war ein starker Prädiktor für tödlichen Ausgang (Odds Ratio OR 14 für 70-79-Jährige, OR 26 für 80-89-Jährige und OR 82 für Fälle über 90 Jahre im Vergleich zu 50-59- Jährige, angepasst an Geschlecht und Anzahl der Komorbiditäten). Auch die Anzahl der Komorbiditäten war stark mit einem tödlichen Ausgang assoziiert (OR 5.2 für Fälle mit ≥4 Komorbiditäten gegenüber keinen Komorbiditäten). 82 % der Verstorbenen hatten mindestens 2 Komorbiditäten. Viele schwerwiegende chronische Erkrankungen erwiesen sich als Prädiktoren für  Krankenhausaufnahme (OR 1.3-1.4 für z. B. Schlaganfall, ischämische Herzerkrankung bis 2.2-2.7 für z. B. Herzinsuffizienz, im Krankenhaus diagnostizierte Nierenerkrankung, chronische Lebererkrankung) und Mortalität (OR 1.2-1.3 für z. B. ischämische Herzkrankheit, Hypertonie bis 2.4-2.7 für z. B. schwere psychiatrische Störung, Organtransplantation). Ohne Komorbiditäten war die Mortalität bei bis zu 80-Jährigen relativ niedrig (5% oder weniger).<br />
<span id="more-12769"></span></p>
<blockquote><p><strong>Objective</strong> To provide population-level knowledge on individuals at high risk of severe and fatal coronavirus disease 2019 (COVID-19) in order to inform targeted protection strategies in the general population and appropriate triage of hospital contacts. Design, Setting, and Participants Nationwide population-based cohort of all 228.677 consecutive Danish individuals tested (positive or negative) for severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) RNA from the identification of the first COVID-19 case on February 27th, 2020 until April 30th, 2020.<br />
<strong>Main Outcomes and Measures</strong> We examined characteristics and predictors of inpatient hospitalization versus community-management, and death versus survival, adjusted for age-, sex- and number of comorbidities.<br />
<strong>Results</strong> We identified 9,519 SARS-CoV-2 PCR-positive cases of whom 78% were community-managed, 22% were hospitalized (3.2% at an intensive care unit) and 5.5% had died within 30 days. Median age varied from 45 years (interquartile range (IQR) 31-57) among community-managed cases to 82 years (IQR 75-89) among those who died. Age was a strong predictor of fatal disease (odds ratio (OR) 14 for 70-79-year old, OR 26 for 80-89-year old, and OR 82 for cases older than 90 years, when compared to 50-59-year old and adjusted for sex and number of comorbidities). Similarly, the number of comorbidities was strongly associated with fatal disease (OR 5.2, for cases with ≥4 comorbidities versus no comorbidities), and 82% of fatal cases had at least 2 comorbidities. A wide range of major chronic diseases were associated with hospitalization with ORs ranging from 1.3-1.4 (e.g. stroke, ischemic heart disease) to 2.2-2.7 (e.g. heart failure, hospital-diagnosed kidney disease, chronic liver disease). Similarly, chronic diseases were associated with mortality with ORs ranging from 1.2-1.3 (e.g. ischemic heart disease, hypertension) to 2.4-2.7 (e.g. major psychiatric disorder, organ transplantation). In the absence of comorbidities, mortality was relatively low (5% or less) in persons aged up to 80 years. Conclusions and Relevance In this first nationwide population-based study, increasing age and number of comorbidities were strongly associated with hospitalization requirement and death in COVID-19. In the absence of comorbidities, the mortality was, however, lowest until the age of 80 years. These results may help in accurate identification, triage and protection of high-risk groups in general populations, i.e. when reopening societies.</p></blockquote>
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		<title>Triage vor Schwedens Intensivstationen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 May 2020 14:14:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
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					<description><![CDATA[Mehrfach schon wurde behauptet, vielen älteren Schweden würde in der Corona-Pandemie intensivmedizinische Behandlung vorenthalten. Anfang Mai haben Christian Baars, Elena Kuch und Oda Lambrecht für den NDR zu diesem Thema recherchiert und von offizieller schwedischer Seite sehr strikte Dementi erhalten.(1) Es gäbe zwar Notfallpläne, Patienten im Alter von über 80 Jahren oder mit bestimmten Vorerkrankungen &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/triage-vor-schwedens-intensivstationen/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Triage vor Schwedens Intensivstationen“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Mehrfach schon wurde behauptet, vielen älteren Schweden  würde in der Corona-Pandemie intensivmedizinische Behandlung vorenthalten. Anfang Mai haben Christian Baars, Elena Kuch und Oda Lambrecht für den NDR zu diesem Thema recherchiert und von offizieller schwedischer Seite sehr strikte Dementi erhalten.<sup><a href="https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-schweden-intensivmedizin-101.html">(1)</a></sup> Es gäbe zwar Notfallpläne, Patienten im Alter von über 80 Jahren oder mit bestimmten Vorerkrankungen im Falle einer System-Überlastung nicht intensivmedizinisch zu betreuen, diese seien aber wegen ausreichender Intensivkapazitäten nicht angewandt worden. Der im Vergleich auffallend geringe Anteil älterer Intensivpatienten in Schweden sei möglicherweise auf häufiger geführte Diskussionen über Ethik und Sinnlosigkeit zurückzuführen, die dort vor Einleitung einer Intensivbehandlung geführt würden. Diese Aussage des Vorsitzenden des schwedischen Intensivregisters <a href="https://www.icuregswe.org/om-sir/kontakter/">Johnny Hillgren</a> interessierte mich brennend, standen diese ethischen Fragen doch auch in Deutschland in vermutlich allen unseren Kliniken viele Wochen im Fokus der Diskussion.</p>
<p>Ich wollte es also möglichst genau wissen: Was machen die schwedischen Kollegen auf ihren Intensivstationen anders und auf welcher Grundlage treffen sie ihre Entscheidungen? Ich schaute mir im ersten Schritt die Altersverteilung in der <a href="https://www.icuregswe.org/en/">Swedish Intensive Care Registry (SIR)</a> an, die solche Analysen in übrigens weltweit einmaliger Transparenz gestattet. Betrachtet man dort Monat für Monat die Patientenzahlen in den Altersgruppen, kommt man allerdings zu einem ernüchternden Ergebnis:<br />
<span id="more-12666"></span><br />
<figure id="schweden4" aria-describedby="caption-schweden4" style="width: 800px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/rvZVnqkCbVFG4V0IO6J-0zKtnrZN3TukG8ER2OWAd64TXghhIb3n4ac-SopcwxzILFDMwtYQTJw9YH1X_NOiXBeCCP_sJpkqgklDnAMSFsNtZ6epHMUtCvxueohifFvqMYI6FnEZEPY=w1920-h1080" alt="Intensivpatienten Schweden 2019-2020"><figcaption id="caption-schweden4" class="wp-caption-text">Anteil der ≥70- und ≥80-Jährigen Jan. 2019 bis April 2020 <small>(Quelle: SIR)</small><br />28. Feb.: WHO stuft globale Gefahr auf 'sehr hoch' hoch<br />11. März: WHO stuft Ausbruch als Pandemie ein; 1. Covid-Todesfall in Schweden</figcaption></figure></p>
<p>Danach nämlich haben sich die Ansichten der schwedischen Kollegen über Ethik und Sinnhaftigkeit der Intensivmedizin bei Älteren fast schlagartig geändert: Bis Februar 2020 waren sie den unseren sehr ähnlich, der Anteil >80-Jähriger lag sehr stabil bei gut 10 %. Erst seit die Corona-Pandemie europäischen Boden erreicht hat, werden deutlich weniger ältere Menschen auf schwedischen Intensivstationen aufgenommen. </p>
<p><figure id="schweden5" aria-describedby="caption-schweden5" style="width: 400px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/vrEcnWgOyv_GUGZmBMQKDrWbDO5_YMZDYg_UL53gKObCN2kD-mCIcjEbUp7J2V4nKhHcnYV_6WJwldA2cFkIMO5DxoKaqyp4maBMAT2kuyzoeE2XWpW_7h1ZLZtrJRHmAq8jNtYy72k=w1920-h1080" alt="Intensivpatienten Schweden 2018-2020"><figcaption id="caption-schweden5" class="wp-caption-text"><small>Intensivpatienten in Schweden 2018-2020 jeweils 01.04.-16.05. (Quelle: SIR)</small></figcaption></figure>Waren in den Vorjahren im gleichen Zeitraum (1. April &#8211; 16. Mai) knapp 40 % der Intensivpatienten mindestens 70 Jahre alt, lag ihr Anteil 2020 nur noch bei 28 %. Noch deutlicher der Rückgang bei den ≥80-Jährigen: 6.5 % statt 12 % der Intensivpatienten zählten 2020 noch zu dieser Altersgruppe. </p>
<p>Und es liegt keineswegs an einem anderen Patientenklientel zu Zeiten der Corona-Pandemie: Beschränkt man die Statistik auf Patienten mit infektiösen und respiratorischen Erkrankungen, so fällt der Rückgang bei den über 70- und über 80-Jährigen sogar noch deutlicher aus. Und natürlich lag es auch nicht an einer plötzlich geringeren Anzahl Schwerkranker im höheren Alter: Wir alle wissen, dass gerade ihr Anteil unter den schwedischen Covid-Toten sehr hoch ist.</p>
<h2>Der schwedische Weg und die Sache mit den Corona-Toten</h2>
<p>Schweden ist in der Corona-Pandemie einen besonderen und weltweit vielbeachteten Weg gegangen. Je nach Standpunkt des Betrachters ist dieser &#8222;schwedische Weg&#8220; vielfach gelobt und ebenso häufig kritisiert worden. Befürworter betonen die vergleichsweise geringen Beschränkungen der Freizügigkeit, den hohen Wert der Freiwilligkeit, den geringeren wirtschaftlichen Schaden und den mittelfristig besseren Schutz vor einer zweiten Infektionswelle. Kritiker haben hauptsächlich die im Vergleich zu den Nachbarländern und Deutschland deutlich höhere Zahl der schwedischen Covid-Toten im Blick:</p>
<p>In Schweden sind bis zum 22. Mai 3.871 Menschen mit dem Corona-Virus verstorben, das sind 380 pro 1 Mio. Einwohner. Damit liegt Schweden unter halbwegs vergleichbaren Ländern hinter Belgien (804/1 Mio. Einw.), Spanien (598), Italien (538), Großbritannien (542) und Frankreich (421) an sechster Stelle der Covid-19-Sterblichkeit und weit vor Deutschland (99) oder Österreich (72).<sup><a href="https://www.ecdc.europa.eu/en/cases-2019-ncov-eueea">(2)</a></sup> Das wird seit Wochen berichtet und ist auch der wesentliche Kritikpunkt am schwedischen Weg im In- und Ausland. </p>
<p>Aber: Völlig zurecht weisen die schwedischen Staatsepidemiologen und Befürworter des schwedischen Weges darauf hin, dass höhere Infektions- und damit auch Sterberaten in der Anfangsphase unausweichlich sind und bewusst in Kauf genommen werden, wenn Kontaktbeschränkungen lockerer gehandhabt werden. Die Bevölkerung wird zwar schneller durchseucht als in Ländern mit Lockdown, ist aber auch früher durch damit. Am Ende wäre in etwa die gleiche Mortalität zu erwarten, so der postulierte Idealfall. Entscheidend dabei aber ist, das haben Befürworter und Gegner gleichermaßen konstatiert, dass das Gesundheitswesen und insbesondere die Intensiv- und Beatmungskapazitäten zu keinem Zeitpunkt überlastet werden. Sonst nämlich kommt es unweigerlich zu vermeidbaren Todesfällen wie beispielsweise in der Lombardei, wo es vorübergehend weniger Beatmungsgeräte als Patienten mit schwerem Lungenversagen gab.</p>
<p>Die Frage des &#8222;Blutzolls&#8220; der jeweiligen Strategie hat also zwei Facetten: Einerseits die langfristige Sterblichkeit über die gesamte Zeit der Pandemie, die wohl erst im nächsten Jahr verglichen werden darf. Und andererseits die Zahl eigentlich unnötiger Todesfälle, die lediglich fehlenden Intensivkapazitäten geschuldet ist. Insofern ist der schlichte Vergleich der Todesfälle pro 1 Mio. Einwohner nicht aussagekäftig, solange die Beanspruchung der Intensivstationen nicht berücksichtigt wird.</p>
<h2>Schwedische Intensivstationen in der Corona-Pandemie</h2>
<p>Die Erfahrungen aus China und später Norditalien haben auch in Schweden dazu geführt, sich frühzeitig auf die medizinischen Kapazitäten und insbesondere die Möglichkeiten der Intensivbehandlung zu konzentrieren. Vor der Corona-Pandemie verfügte Schweden über etwa 500 Betten auf Intensivstationen, somit 48 Betten/1 Mio. Einw. (zum Vergleich: Deutschland ca. 333, Österreich ca. 289, USA ca. 258 und Italien ca. 84/1 Mio. Einw.). Diese Zahl wurde in Schweden Anfang April auf 800 und am 13. April auf 1039 Betten aufgestockt, dann also 101 Betten/1 Mio. Einw.. Sie waren Mitte April zu 80 % belegt <sup><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/COVID-19_pandemic_in_Sweden">(3)</a></sup>.</p>
<p><figure id="schweden2" aria-describedby="caption-schweden2" style="width: 250px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/yHgOvsDBzi0AvXnuh-wjirLHr3jOahsDadb1pQRRyQ_MzbkV7Mtxy9vaIcPBlLTLjdYMCQ0BY8wXUnILX2f1UiKNfHQAbINQuMJbwOhDBvccLwSgxv0oClekQtyH8HdX1ZW6dcxhd9Y=w1920-h1080" alt="Intensivbehandlung"><figcaption id="caption-schweden2" class="wp-caption-text">Neuzugänge auf Intensivstationen mit (Norwegen, Dänemark, Finnland) und ohne strikten Lockdown (Schweden in orange) bis zum 8. April <small>(Quelle: Forbes 10.4.2020)</small></figcaption></figure>Die relevanten Kennzahlen werden in Schweden in international unvergleichlich transparenter Weise offen kommuniziert. Wie erwartet kam es ohne harten Lockdown zu einem länger anhaltenden Anstieg der Zahlen auf den schwedischen Intensivstationen, so dass ab Anfang April Befürchtungen laut wurden, ob diesem Trend dauerhaft standzuhalten wäre.</p>
<p>Dann aber, bis vor wenigen Tagen konnte ich es mir nicht recht erklären, blieb die Zahl der Covid-19-Patienten auf schwedischen Intensivstationen von Anfang April bis Anfang Mai erstaunlich stabil. Diese Entwicklung mit seit Anfang Mai sogar leicht sinkenden Zahlen von Neuzugängen wurde auch mehrmals als Grundlage für die strategischen Entscheidungen von Regierung und Folkhälsomyndigheten (öffentliche Gesundheitsbehörde) genannt, wenn es um die Beibehaltung des Schwedischen Wegs ging.<br />
<figure id="schweden3" aria-describedby="caption-schweden3" style="width: 500px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/-zZQkY_J85-5SWceN65pArbXCo__9cZOOM-kw5KipXC9H3KqKpBLPTUzGPVjjqgBdM7b-zVohz7UYHoSDg31VuorCxX5Itfjp_h-tax9XGE1AngOi7XNjIo8FEdgiFGvn9tk-2P65bM=w1920-h1080" alt="Intensivbehandlung"><figcaption id="caption-schweden3" class="wp-caption-text">Covid-19-Patienten auf schwedischen Intensivstationen 30.03.-10.05.2020 <small>(Quelle: <a href='https://www.icuregswe.org/en/data--results/covid-19-in-swedish-intensive-care/'>Schwedisches Intensivregister</a>)</small></figcaption></figure>Ich fand es schon vor 2 Wochen sehr bemerkenswert, wie hart sie da am Wind gesegelt sind: Länger als drei Wochen lang hatten sie mehr Covid-19-Patienten zu versorgen, als noch am Jahresanfang überhaupt an Kapazitäten zur Verfügung stand. Auf unsere Verhältnisse hochgerechnet hätten wir in Deutschland mit 28.000 <em>gleichzeitigen</em> Covid-Intensivpatienten klarkommen müssen. Wohlwissend, dass die pressewirksame &#8222;Aufstockung&#8220; der Intensiv- und Beatmungskapazitäten mit äußerster Vorsicht zu genießen ist (wo soll auf einmal das notwendige Fachpersonal herkommen, wenn schon vorher regelmäßig Intensivbetten wegen Personalmangel abgemeldet waren?), bin ich sicher, dass es dann an vielen Orten schwerwiegende Probleme gegeben hätte. Zumal 10-20 % gerade des Fachpersonals in einer solchen Situation selbst erkrankt.</p>
<h2>Und hat es jetzt gereicht?</h2>
<p>Am 24. April berichtete die schwedische Tageszeitung <em>Dagens Nyheter</em>, in der Stockholmer Uniklinik Karolinska könnten nicht mehr alle schwerkranken Patienten intensivmedizinisch behandelt oder beatmet werden. Die Zeitung zitiert einen namentlich nicht genannten Arzt: &#8222;Wir erleben, dass die Selektionskriterien für den Katastrophenfall bereits jetzt Anwendung finden.&#8220;</p>
<p>Und Dr. Lars Falk, Leiter der <a href="https://www.karolinska.se/en/karolinska-university-hospital/medical-areas/ecmo-center/">ECMO-Intensivstation der Karolinska</a> äußerte sich am 8. Mai in einem <a href="https://www.afp.com/en/news/15/hospital-home-virus-front-line-medics-around-world-doc-1rc6n02">Interview mit AFP</a> so: &#8222;Wir sind immer voll besetzt. &#8230; Die Plätze werden immer knapper. Wir müssen also wirklich die richtigen Patienten auswählen und bei dieser Selektion müssen wir natürlich auch Menschen die ECMO-Behandlung entziehen und das sind wirklich schwierige Entscheidungen, die zu treffen sind.&#8220;</p>
<p>Björn Persson, Geschäftsführer der Karolinska-Intensivstation, bestritt allerdings, dass Patienten nach härteren Kriterien priorisiert würden. <sup><a href="https://www.tagesschau.de/faktenfinder/corona-schweden-intensivmedizin-101.html">(4)</a></sup></p>
<p>Dem NDR fiel aber auf: </p>
<blockquote><p>&#8222;In Schweden ist die Zahl der Corona-Patienten, die mindestens 80 Jahre alt sind und intensivmedizinisch behandelt werden, sehr niedrig. Bis Anfang Mai waren es 50 von mehr als 5200 nachweislich Infizierten in dieser Altersgruppe &#8211; also weniger als ein Prozent. In anderen Altersgruppen wurden deutlich mehr Corona-Patienten auf einer Intensivstation behandelt: Mehr als zehn Prozent der Infizierten im Alter von 70 bis 79 und mehr als 16 Prozent bei den 60- bis 69-Jährigen.&#8220;</p></blockquote>
<p>Auf Anfrage des NDR begründete das der Vorsitzende des schwedischen Intensivregisters, Johnny Hillgren, so: </p>
<blockquote><p>&#8222;There are quite big differences in what is meant by intensive care in different countries. [&#8230;] We guess that this means that either also less severely ill patients are treated in intensive care units in Germany or patients which we in Sweden expect to have too small chances to survive to a meaningful life are treated in German intensive care units. [&#8230;] There may be more ethical discussions and more discussions about futility before a patient is admitted to intensive care in Sweden.&#8220;</p></blockquote>
<h2>Schwedischer Weg auf Kosten der Alten</h2>
<p>Die eingangs dargestellte Altersstatistik der letzten Monate macht aber deutlich, dass dies nicht die Gründe sein können. Die gemutmaßten ethischen Diskussionen haben ganz offensichtlich erst angesichts zu knapper Ressourcen begonnen und das ist in meine Augen schlichtweg &#8222;vorauseilende Triage&#8220;. Völlig unklar bleiben dabei die Kriterien dieser Auswahlentscheidungen, die in ihrer Summe eindeutig zu einer Therapiebeschränkung bei älteren Menschen geführt haben. </p>
<h2>Anmerkung zum Schluss</h2>
<p>Intensivmedizin im hohen Lebensalter ist nicht notwendigerweise &#8222;gut und richtig&#8220;, sondern ein komplexes Thema mit vielen Facetten. Grundsätzlich aber ist sie eine Errungenschaft, sofern der kranke Mensch in seiner ganzen Persönlichkeit betrachtet und ethische Prinzipien verantwortungsvoll geachtet werden. Intensivmedizin kann unter den richtigen Voraussetzungen auch hochbetagten kritisch kranken Patienten die Chance geben, noch einmal in ein für sie zufriedenstellendes Leben zurückzukehren. In der Region Lombardei war das Durchschnittsalter der Covid-Intensivpatienten genauso hoch wie das aller Covid-Krankenhauspatienten. Knapp 50 % der über 80-jährigen Intensivpatienten überlebten dort die stationäre Behandlung, das entspricht ziemlich genau der Erfolgsquote bei Patienten mit entzündlich verursachtem Lungenversagen ohne Corona-Virus.</p>
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			</item>
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		<title>Risiko-Score für Critical Illness bei Covid-19</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 13 May 2020 17:23:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
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					<description><![CDATA[Liang W et al.: Development and Validation of a Clinical Risk Score to Predict the Occurrence of Critical Illness in Hospitalized Patients With COVID-19. JAMA Intern Med. Published online May 12, 2020. doi:10.1001/jamainternmed.2020.2033 Chinesische Forscher der China Medical Treatment Expert Group for COVID-19 haben anhand der Daten von 1590 Covid-19-Patienten (mittleres Alter 48.9 Jahre, 57.3 &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/risiko-score-fuer-critical-illness-bei-covid-19/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Risiko-Score für Critical Illness bei Covid-19“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Liang W et al.: Development and Validation of a Clinical Risk Score to Predict the Occurrence of Critical Illness in Hospitalized Patients With COVID-19. JAMA Intern Med. Published online May 12, 2020.<br />
doi:<a href="https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/10.1001/jamainternmed.2020.2033?utm_campaign=articlePDF&#038;utm_medium=articlePDFlink&#038;utm_source=articlePDF&#038;utm_content=jamainternmed.2020.2033">10.1001/jamainternmed.2020.2033</a> </p>
<p>Chinesische Forscher der <em>China Medical Treatment Expert Group for COVID-19</em> haben anhand der Daten von 1590 Covid-19-Patienten (mittleres Alter 48.9 Jahre, 57.3 % männlich) 10 von insgesamt 72 untersuchten Parametern zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus als unabhängige prädiktive Faktoren für eine schweren Verlauf (definiert als: Aufnahme auf einer Intensivstation oder künstliche Beatmung oder Tod) identifiziert. Diese unabhängigen Prädiktoren waren:</p>
<ol>
<li>Abnormes Thorax-Röntgenbild (OR 3.39; 95% CI 2.14-5.38)</li>
<li>Alter (OR 1.03; 95% CI 1.01-1.05)</li>
<li>Hämoptysen (OR 4.53; 95% CI 1.36-15.15)</li>
<li>Dyspnoe (OR 1.88; 95% CI 1.18-3.01)</li>
<li>Bewusstlosigkeit (OR 4.71; 95% CI 1.39-15.98)</li>
<li>Anzahl der Begleiterkrankungen (OR 1.60; 95% CI 1.27-2.00)</li>
<li>Krebs-Anamnese (OR 4.07; 95% CI 1.23-13.43)</li>
<li>Neutrophilen/Lymphozyten-Quotient (OR 1.06; 95% CI 1.02-1.10)</li>
<li>LDH (OR 1.002; 95% CI 1.001-1.004)</li>
<li>Direktes Bilirubin (OR 1.15; 95% CI 1.06-1.24).</li>
</ol>
<p>Aus diesen Parametern wurde ein Risiko-Score entwickelt, der mit einem frei zugänglichen Online-Rechner (<a href="http://118.126.104.170/">http://118.126.104.170/</a>) ermittelt werden kann. Die <em>Area under the Curve (AUC)</em> als Maß für die Vorhersage-Korrektheit lag sowohl in der Primär- und auch in der Validierungskohorte bei 0.88 (1.0 würde bedeuten, dass alle Vorhersagen korrekt sind).</p>
<p><figure id="riskscore1" aria-describedby="caption-riskscore1" style="width: 800px" class="wp-caption aligncenter"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/ezTvKqdGMSzcD-w0ocfEmu9oet-d4v3qzUqAEUFvdvUKD5IsHgfegOdx-PtDK4Ilocu9paPyszGicY-Q-5GOchDLqfGYP7gJxuVc4u1NBBL-hgR8LRK9ydVQESvePNTHnwIEqBuK3II=w1920-h1080" alt="Online-Rechner"><figcaption id="caption-riskscore1" class="wp-caption-text">Beispiel-Berechnung mit dem Online-Rechner des Guangzhou Institute of Respiratory Health</figcaption></figure></p>
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		<title>Verlorene Lebensjahre durch Covid-19</title>
		<link>https://www.teufelsmoor.eu/medizin/verlorene-lebensjahre-durch-covid-19/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2020 08:47:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
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					<description><![CDATA[Hanlon P et al.: COVID-19 – exploring the implications of long-term condition type and extent of multimorbidity on years of life lost: a modelling study [version 1; peer review: awaiting peer review] Wellcome Open Research 2020, 5 :75 doi.org/10.12688/wellcomeopenres.15849.1 Schottische Epidemiologen haben anhand der WHO-Sterbetafeln berechnet, dass die in Italien an Covid-19 Verstorbenen 12 (Frauen) &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/verlorene-lebensjahre-durch-covid-19/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Verlorene Lebensjahre durch Covid-19“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hanlon P et al.: COVID-19 – exploring the implications of long-term condition type and extent of multimorbidity on years of life lost: a modelling study [version 1; peer review: awaiting peer review] Wellcome Open Research 2020, 5 :75<br />
<a href="https://doi.org/10.12688/wellcomeopenres.15849.1">doi.org/10.12688/wellcomeopenres.15849.1</a><br />
<br />
Schottische Epidemiologen haben anhand der <a href="https://www.who.int/gho/mortality_burden_disease/life_tables/life_tables/en/">WHO-Sterbetafeln</a> berechnet, dass die in Italien an Covid-19 Verstorbenen 12 (Frauen) bis 14 (Männer) Lebensjahre verloren haben (YLL = years of life lost). Nach Korrektur um die dokumentierten Vorerkrankungen (LTC = long-term conditions) verbleiben noch 11 Jahre bei Frauen und 13 Jahre bei Männern. Die verlorenen Lebensjahre hängen stark von Art und Anzahl der Vorerkrankungen ab: ≥80-Jährige verloren mehr als 10 Jahre, wenn sie keine Vorerkrankungen hatten, und weniger als 3 Jahre bei mehr als 6 Vorerkrankungen.<br />
<span id="more-12661"></span></p>
<p>Verlorene Lebensjahre (YLL) sind ein gutes und weit verbreitetes Maß, um die relative Bedeutung verschiedener Todesursachen miteinander zu vergleichen. Sie werden genutzt, um politische Entscheidungen und Maßnahmen des Gesundheitssystems abzuleiten und Interventionen zur Lebensverlängerung zu priorisieren. Ein Vergleich mit den YLL bei anderen Erkrankungen (in Großbritannien 8.2 für COPD, 11.6 für koronare Herzkrankheit, 13.1 für Pneumonie und 21.6 für Asthma) macht deutlich, dass die Covid-19-Mortalität eine erhebliche Belastung darstellt.</p>
]]></content:encoded>
					
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		<title>Übertragung des neuen Coronavirus in Shenzhen</title>
		<link>https://www.teufelsmoor.eu/medizin/uebertragung-des-neuen-coronavirus-in-shenzhen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 May 2020 06:58:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.teufelsmoor.eu/?p=12647</guid>

					<description><![CDATA[Bi Q et. al.: Epidemiology and transmission of COVID-19 in 391 cases and 1286 of their close contacts in Shenzhen, China: a retrospective cohort study. Lancet Infect Dis 2020: online 27.04.2020, korrigiert 05.05.2020. doi.org/10.1016/ S1473-3099(20)30287-5 Ende April hat eine Forschergruppe von der Johns Hopkins School of Public Health und aus Shenzhen wichtige Daten zur Infektions-Überwachung &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/uebertragung-des-neuen-coronavirus-in-shenzhen/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Übertragung des neuen Coronavirus in Shenzhen“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Bi Q et. al.: Epidemiology and transmission of COVID-19 in 391 cases and 1286 of their close contacts in Shenzhen, China: a retrospective cohort study. Lancet Infect Dis 2020: online 27.04.2020, korrigiert 05.05.2020.<br />
<a href="https://doi.org/10.1016/ S1473-3099(20)30287-5">doi.org/10.1016/ S1473-3099(20)30287-5</a></p>
<p>Ende April hat eine Forschergruppe von der <a href="https://www.jhsph.edu">Johns Hopkins School of Public Health</a> und aus Shenzhen wichtige Daten zur Infektions-Überwachung (Surveillance) veröffentlicht. Dafür haben sie Daten des <a href="http://www.szcdc.net/SZCDC/">Shenzhen Center for Disease Control</a> über die ersten dort diagnostizierten 391 Covid-Fälle und deren 1.286 engere Kontaktpersonen ausgewertet. Als engerer Kontakt galten gleicher Haushalt, gemeinsame Mahlzeit oder sozialer Kontakt mit einem Index-Patienten in den zwei Tagen vor Symptombeginn. </p>
<p>Die Studie vergleicht die symptombasierte Surveillance (Corona-Test nur bei Symptomen) mit der kontaktbasierten Surveillance (Corona-Test bei allen engeren Kontakten unabhängig von Symptomen). Symptombasierte Surveillance erfolgte an Flughäfen und Bahnhöfen, bei Krankenhausaufnahme oder durch Haus-zu-Haus-Fiebermessungen. Kontaktbasierte Surveillance betraf alle engeren Kontaktpersonen der Covid-Fälle.<br />
<span id="more-12647"></span></p>
<p><figure id="shenzhen" aria-describedby="caption-shenzhen" style="width: 400px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/04sSV76mNBUiqM54ASliNIritxJYmZq6WzbAF6_hsp40udwC4diF4PfvAb8ridvcVT1X1DpYssiR6cnTdbU1RCNpU90TmgeL3Y5uapJHG0MZbJsADTgETHdbgSTHjlGGWIZVJx4iZ3k=w1919-h1080" alt="Grafik 1"><figcaption id="caption-shenzhen" class="wp-caption-text">Sekundärinfektionsrate (blau), Anteil mit schweren Symptomen (rot) und Anteil ohne Fieber (grün) in den verschiedenen Altersgruppen</figcaption></figure>Folgende Ergebnisse sind interessant:</p>
<ul>
<li>Die Infektionsrate der Kontaktpersonen betrug 6.6 % und war in den verschiedenen Altersgruppen vergleichbar (Kinder <10 Jahre 7.4 %). Ein besonders hohes Risiko hatten Kontaktpersonen, die mit der infizierten Person im gleichen Haushalt leben (mehr als 6-fach höher als in getrennten Haushalten) oder mit ihr gereist waren (mehr als 7-fach höher).</li>
<li>Von den positiv getesteten Kontaktpersonen hatten 29 % kein Fieber und 20 % gar keine Symptome.<br />
Männliches Geschlecht (2.5-fach) und Alter (statistisch signifikant aber nur für die Altersgruppe 60-69 J.) sind Risikofaktoren für die Entwicklung schwerer Symptome.</li>
<li>Im Vergleich zur symptombasierten Strategie (Corona-Test nur bei Symptomen) verkürzte die kontaktbasierte Surveillance die Zeit bis zum Befund um durchschnittlich 2.3 Tage und die Zeit bis zur Quarantäne um durchschnittlich 1.9 Tage. </li>
<li>Die Anzahl der Menschen, die von einem Covid-Patienten angesteckt wurden (= Reproduktionszahl R), variierte stark. In dieser Studie (unter geltenden Kontaktbeschränkungen) hatte ein Patient im Durchschnitt 0.4 Kontaktpersonen infiziert, wobei nur 8.9 % der Covid-Patienten für 80 % aller Zweitinfektionen verantwortlich waren.</li>
<li>Die Inkubationszeit lag im Mittel bei 4.8 Tagen, die Zeit bis zur Ausheilung bei 20.8 Tagen und die Zeit zwischen Symptombeginn und Tod (3 Fälle) bei 35-44 Tagen.</li>
</ul>
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		<title>Heinsberg-Studie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Heuser J]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 May 2020 17:41:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Covid-19]]></category>
		<category><![CDATA[SARS-CoV-2]]></category>
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					<description><![CDATA[Die &#8222;Heinsberg-Studie&#8220; ist raus. Sechs Wochen nach dem dortigen Corona-Ausbruch haben der Bonner Virologe Streeck und sein Forscherteam in Gangelt (Landkreis Heinsberg) 600 zufällig aus dem Melderegister ausgewählte Einwohner angeschrieben und gemeinsam mit allen in deren Haushalt lebenden Personen zu einer Studie eingeladen, um Daten über die Infektionshäufigkeit und die Sterblichkeit von SARS-CoV-2 zu erhalten. &#8230; <p class="link-more"><a href="https://www.teufelsmoor.eu/medizin/heinsberg-studie/" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Heinsberg-Studie“</span> weiterlesen</a></p>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die &#8222;Heinsberg-Studie&#8220; ist raus. Sechs Wochen nach dem dortigen Corona-Ausbruch haben der Bonner Virologe Streeck und sein Forscherteam in Gangelt (Landkreis Heinsberg) 600 zufällig aus dem Melderegister ausgewählte Einwohner angeschrieben und gemeinsam mit allen in deren Haushalt lebenden Personen zu einer Studie eingeladen, um Daten über die Infektionshäufigkeit und die Sterblichkeit von SARS-CoV-2 zu erhalten.</p>
<p>Von den 1.007 Rückmeldungen aus 405 Haushalten konnte der Infektionsstatus bei 919 Personen anhand von Abstrichen und Blutuntersuchungen auf Antikörper ermittelt werden. Die Daten wurden in der Woche vom 30. März bis zum 6. April erhoben und am 4. Mai 2020 vorab veröffentlicht: <a href="https://www.ukbonn.de/C12582D3002FD21D/vwLookupDownloads/Streeck_et_al_Infection_fatality_rate_of_SARS_CoV_2_infection2.pdf/$FILE/Streeck_et_al_Infection_fatality_rate_of_SARS_CoV_2_infection2.pdf">Streeck H et al.: Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event</a>. In meinen Augen sind die Ergebnisse in mehrerlei Hinsicht sehr interessant:<br />
<span id="more-12639"></span></p>
<h2>Die für mich wichtigsten Ergebnisse</h2>
<p>Anhand von 33 positiven Abstrichen während der Studie, 22 berichtet positiven Abstrichen vor der Studie und der Antikörpertests wurde bei insgesamt 138/919 Personen (15.5 %) eine aktuelle oder zurückliegende Corona-Infektion diagnostiziert.</p>
<p>Hochgerechnet wären das 1.956 Infizierte unter den 12.597 Einwohner Gangelts, von denen zu diesem Zeitpunkt sieben (Durchschnittsalter 81 Jahre) mit SARS-CoV-2-Nachweis verstorben waren. Daraus errechnet sich eine Infection Fatality Rate (IFR) von 0,36 %.</p>
<p>Symptome wurden von Infizierten zwar 2,2-mal häufiger angegeben als von Nicht-Infizierten, immerhin 22,2 % der Infizierten waren aber völlig symptomlos. Der Unterschied zwischen Infizierten und Nicht-Infizierten war am deutlichsten bei Geruchsverlust (19-fach häufiger), Geschmacksverlust (17-fach), Fieber (5-fach), Schwitzen und Schüttelfrost (3,7-fach) und Schwäche (3-fach). </p>
<p>Die Teilnahme an einer der Karnevalssitzungen war mit einer erhöhten Infektionsrate (21,3 % vs. 9,5 %, p<0.001) und bei Infizierten mit einer 1,6-fach höheren Anzahl von Symptomen (p=0.007) verbunden. Infizierte Teilnehmer einer Sitzung waren nur zu 16 % symptomfrei, infizierte Nicht-Teilnehmer hingegen zu 36 %.

Das sekundäre Infektionsrisiko für Studienteilnehmer im gleichen Haushalt erhöhte sich von 15,5 % auf 43,6 % bei 2-Personen-Haushalten, auf 35,5 % bei 3-Personen-Haushalten und auf 18,3 % bei 4-Personen-Haushalten (p<0.001).



<h2>Was sagt uns das?</h2>
<p>Mitten in der aktuell von vielen Seiten sehr emotional geführten &#8222;Öffnungs-Debatte&#8220; ist es schwierig, die Ergebnisse der Heinsberg-Studie mit der gebotenen Vernunft zu interpretieren. Aufgrund kleiner Zahlen besteht natürlich eine gewisse statistische Unsicherheit und die Infektionsrate wird für andere Regionen mit Kontaktbeschränkungen nicht repräsentativ sein, weil das &#8222;super-spreading event&#8220; in Gestalt der Kappensitzung vor Beginn wesentlicher Distanzierungsmaßnahmen stattfand.</p>
<p><figure id="heinsberg1" aria-describedby="caption-heinsberg1" style="width: 400px" class="wp-caption alignright"><img decoding="async" src="https://lh3.googleusercontent.com/gxDw7xZm0vwBwz1GbRsqjYTMqkyDisoqLRgt3NOWdzPTv4gylm3D8nHqllGoodY_izpu4U-i1rTXZ-SvlKpTcKU-6yOGxk2cGZmpd0XbypRjQB-DUzYUCKuHxURahu2ZGTNLMx_4JjE=w1919-h1080" alt="Hochrechnung Infektionsrate"><figcaption id="caption-heinsberg1" class="wp-caption-text">So einfach ist es sicher nicht: Mutmaßliche Infektionsrate unter Annahme einer IFR von 0.36 (eigene Berechnung)</figcaption></figure>Insofern kann man die Ergebnisse nicht einfach kritiklos auf andere Städte, Gegenden oder Staaten anwenden. Schon der Versuch einer solchen Hochrechnung (s. Tabelle) macht deutlich, dass die Infektionsraten bei sehr kleinen oder sehr großen Zahlen an Todesopfern nicht plausibel sind. Das betrifft sowohl die hochgerechnete Infektionsrate von 0 % für den Landkreis Osterholz als auch die von 60 % für New York City.</p>
<p>Aber: die Heinsberg-Studie liefert erste eindeutige Belege für eine hohe Dunkelziffer von Infizierten. In Gangelt betrug sie das 4-fache der bis dato gemeldeten Fälle (15,5 statt 3,1 %) und bei -wie schon gesagt: fehlerbehafteten- Schätzungen anhand der IFR könnte sie deutschlandweit beim 10-fachen der gemeldeten Fälle liegen (1.9 Mio statt 170.000 Infizierte). Die Größenordnung jetzt besser zu kennen, hilft definitiv bei der Modellierung zukünftiger Verläufe.</p>
<p>Außerdem liefert die Studie wertvolle Indizien für die Annahme, dass die Viruslast bei der Infektion Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung hat. Das ist derzeit die plausibelste Erklärung für die Tatsache, dass Infektionen der Kappensitzungs-Teilnehmer signifikant häufiger und signifikant mehr Symptome zeigten. Das hilft in meinen Augen sehr, die wirklich wesentlichen Elemente zur Infektionsminimierung zu identifizieren. Oder anders gesagt: die weniger oder gar nicht wichtigen Elemente dann auch zügig zu den Akten zu legen.</p>
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