Fluvoxamine bei Covid-19

Fluvoxamin
Fluvoxamin ist ein Antidepressivum
Das Antidepressivum Fluvoxamin hat in einer randomisierten plazebokontrollierten Studie der Washington University in St. Louis, Missouri einen signifikanten Vorteil für Patienten mit Covid-19 im Frühstadium gezeigt. Auf Grund der kleinen Fallzahl und der nur kurzen Nachbeobachtung von 15 Tagen kann damit noch keine Therapieempfehlung begründet werden, das Ergebnis soll in einer größeren Studie überprüft werden.

Fluvoxamin ist ein sog. selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und wird zur Behandlung von Zwangsstörungen, Angststörungen und Depressionen eingesetzt. Im Gegensatz zu anderen SSRI interagiert Fluvoxamin stark mit dem Sigma-1-Rezeptor (S1R), einem Protein, dass auch bei der Regulation der Entzündungsreaktion des Körpers mitwirkt. In früheren Studien an Mäusen hatte Fluvoxamine bei Sepsis zu geringeren Schäden durch die Entzündungsreaktion geführt.

Lenze EJ et al.: Fluvoxamine vs Placebo and Clinical Deterioration in Outpatients With Symptomatic COVID-19.
A Randomized Clinical Trial. JAMA. Published online November 12, 2020.
doi:10.1001/jama.2020.22760

Von April bis August 2020 wurden insgesamt 152 ambulant behandelte Patienten mit Covid-19 und einer Sauerstoffsättigung von ≥92 % bis max. 7 Tage nach Symptombeginn eingeschlossen. 80 von ihnen erhielten 100 mg Fluvoxamine 3 x tgl. für 15 Tage, 72 ein Plazebo. Primärer Studienendpunkt war eine klinische Verschlechterung innerhalb von 15 Tagen, definiert als Kombination aus (1) Luftnot oder Klinikaufnahme wegen Luftnot oder Pneumonie und (2) O2-Sättigung <92 % (Raumluft) oder O2-Bedarf zum Errichen einer O2-Sättigung von ≥92 %.

Diesen Endpunkt erreichten 0 von 80 Patienten unter Fluvoxamin und 6 von 72 Patienten unter Plazebo (p=.009). In der Fluvoxamine-Gruppe traten 1 schweres und 11 andere unerwünschte Ereignise auf, in der Plazebo-Gruppe 6 schwere und 12 andere.

Corona-Wasserstand Landkreis Osterholz 14.11.2020

Corona-Zahlen Landkreis Osterholz
Neuinfektionen im Landkreis Osterholz (Quelle: NLGA 14. Nov. 2020 09:00 Uhr - Vorsicht: Meldeverzug)

23 Neumeldungen heute morgen: 15 für den gestrigen Freitag, acht Nachmeldungen für Donnerstag. Damit fällt der Inzidenzwert im Landkreis Osterholz leicht auf jetzt 114,1.

Wer den gestern gemeldeten Inzidenzwert von 109,7 noch im Kopf hat, wird im ersten Moment an einen Irrtum denken. Bei korrekter Zuordnung der Nachmeldungen lag der Wert gestern rückblickend aber bei 116,7, somit also tatsächlich heute eine leichte Besserung. Weiterhin noch kein eindeutiger Trend, aber: Inzidenzwert und 7-Tage-Mittel auf dem niedrigsten Stand seit dem 8.11.. Kurioses am Rande: Heute gab es eine Korrektur sowohl für den 8.11. (von 15 auf 14 Neuinfektionen) als auch für den 5.11. (von 32 auf 33).

Aktuelle Informationen zur Zahl der aktiven Infektionen, die Verteilung auf die einzelnen Gemeinden und die Zahl der Personen in Quarantäne liegen am Wochenende nicht vor. Dafür heute ein paar Zahlen zur Altersverteilung:

Nach den heutigen RKI-Meldedaten, die jenen des NLGA in der Regel einen Tag nachhängen, haben wir im Landkreis derzeit eine eher günstige Verteilung. Bei Landkreisbewohnern 60+ liegt der Inzidenzwert bei 43 (Nds.: 65, HB 93), im Alter von 35-59 Jahren bei 129 (Nds.: 112, HB 166), bei den 15-34-Jährigen bei 210 (Nds. 154, HB 234) und bei Kindern von 0-14 Jahren bei 82 (Nds. 87, HB 116).

Corona-Wasserstand Landkreis Osterholz 13.11.2020

Corona-Zahlen Landkreis Osterholz
Neuinfektionen im Landkreis Osterholz (Quelle: NLGA 13. Nov. 2020 09:00 Uhr - Vorsicht: Meldeverzug)

18 Neumeldungen heute morgen: 17 für Donnerstag, eine Nachmeldung für Mittwoch. Damit fällt der Inzidenzwert im Landkreis Osterholz leicht auf jetzt 109,7. Ein eindeutiger Trend ist nach wie vor nicht feststellbar, aber: Inzidenzwert und 7-Tage-Mittel sind auf dem niedrigsten Stand seit dem 6.11..

Aktive Corona-Infektionen Landkreis Osterholz
Aktive Infektionen im Landkreis Osterholz (Quelle: Landkreis Osterholz 6.-13. Nov. 2020 11:00 Uhr)
Als aktuell infiziert gelten 226 Personen (-5), davon werden 7 derzeit stationär behandelt. In Relation zur Bevölkerung hat sich die Lage in Grasberg mit 3,3 pro 1.000 Einw. deutlich verschlechtert, in Osterholz-Scharmbeck und Ritterhude hat sie sich leicht entspannt. Am günstigsten bleibt sie in Worpswede.

1.716 (+19) Personen sind wegen Kontaktes zu einem Infizierten (Kontaktperson Kategorie 1) in häuslicher Quarantäne.

Corona-Wasserstand Landkreis Osterholz 12.11.2020

Corona-Zahlen Landkreis Osterholz
Neuinfektionen im Landkreis Osterolz (Quelle: NLGA 12. Nov. 2020 09:00 Uhr - Vorsicht: Meldeverzug)

26 Neumeldungen heute morgen: 22 für Mittwoch, zwei Nachmeldungen für Dienstag, eine für Montag und eine für den 28.10. (!!). Damit steigt der Inzidenzwert im Landkreis Osterholz leicht auf jetzt 122,9.

Als aktuell infiziert gelten 231 Personen (+21), davon werden 7 derzeit stationär behandelt. In Relation zur Bevölkerung liegen Grasberg und Schwanewede mit 2,5 pro 1.000 Einw. an der Spitze, dicht gefolgt von Osterholz-Scharmbeck und Ritterhude. Am günstigsten ist die Lage in Worpswede.

Gemeinde Aktive Infektionen (geschätzt)
6.11. 9.11. 10.11. 11.11. 12.11. aktuell pro
1.000 Einw.
Grasberg 21 21 20 20 20 2,5
Hambergen 10 11 10 12 13 1,1
Lilienthal 34 32 33 31 38 1,9
Osterholz-Scharmbeck 51 65 64 63 71 2,3
Ritterhude 36 32 30 31 34 2,3
Schwanewede 45 55 50 49 51 2,5
Worpswede 4 5 5 4 4 0,4
Summe 201 221 212 210 231 2,0

1.697 (+109) Personen sind wegen Kontaktes zu einem Infizierten (Kontaktperson Kategorie 1) in häuslicher Quarantäne.

Corona-Wasserstand Landkreis Osterholz 11.11.2020

Corona-Zahlen Landkreis Osterholz
Neuinfektionen im Landkreis Osterolz (Quelle: NLGA 11. Nov. 2020 09:00 Uhr - Vorsicht: Meldeverzug)

Mit 14 neuen Fällen (13 für den gestrigen Dienstag, 1 Nachmeldung für Montag) fällt der Inzidenzwert im Landkreis Osterholz den zweiten Tag in Folge auf jetzt 119,4.

Gemeinde Aktive Infektionen (geschätzt)
6.11. 9.11. 10.11. 11.11.
Grasberg 21 21 20 20
Hambergen 10 11 10 12
Lilienthal 34 32 33 31
Osterholz-Scharmbeck 51 65 64 63
Ritterhude 36 32 30 31
Schwanewede 45 55 50 49
Worpswede 4 5 5 4
Summe 201 221 212 210

8 der ca. 210 aktiv Infizierten sind in stationärer Behandlung. 1.588 (+105) Personen sind wegen Kontaktes zu einem Infizierten (Kontaktperson Kategorie 1) in häuslicher Quarantäne.

Corona-Wasserstand Landkreis Osterholz 09.11.2020

Corona-Zahlen Landkreis Osterholz
Neuinfektionen im Landkreis Osterolz (Quelle: NLGA 08. Nov. 2020 09:00 Uhr - Vorsicht: Meldeverzug)

Es kam wie es kommen musste: Der scheinbare Rückgang der Zahlen am gestrigen Sonntagmorgen war leider nur auf die am Wochenende ausbleibenden Meldungen zurückzuführen. Mit den heute auf einen Schlag nachgemeldeten 41 Fällen (jeweils einer vom Donnerstag und Freitag, 25 vom Samstag und 14 vom Sonntag) steigt der Inzidenzwert auf den neuen Höchststand von 128,2.

Als aktuell infiziert gelten jetzt 221. Diese Zahl kann nur geschätzt werden, da das Ende der Infektiösität nicht gemeldet wird.

Gemeinde Aktive Infektionen
6.11. 9.11.
Grasberg 21 21
Hambergen 10 11
Lilienthal 34 32
Osterholz-Scharmbeck 51 65
Ritterhude 36 32
Schwanewede 45 55
Worpswede 4 5
Summe 201 221

Aktuell befinden sich lt. Gesundheitsamt 1.306 Personen wegen Kontaktes zu einem Infizierten (Kontaktperson Kategorie 1) in häuslicher Quarantäne.

Corona-Wasserstand Landkreis Osterholz 08.11.2020

Corona-Zahlen Landkreis Osterholz
Neuinfektionen im Landkreis Osterolz (Quelle: NLGA 08. Nov. 2020 09:00 Uhr - Vorsicht: Meldeverzug)

Die aktuellen Zahlen am Sonntagmorgen scheinen auf den ersten Blick Licht am Tunnelende zu signalisieren, sind aber leider noch wenig belastbar. Zwar sinken sowohl das 7-Tage-Mittel (von 20,3 am 5. Nov. auf 15,0) als auch der Inzidenzwert (von 124,6 am 6. Nov. auf 93,9), wahrscheinlich aber nur wegen noch nicht übermittelter Zahlen vom Wochenende.

Bei der Gelegenheit will ich mal etwas ausführlicher auf die manchmal etwas „merkwürdigen“ Schwankungen der Zahlen und Diskrepanzen in der Darstellung seitens Landkreis, NLGA und RKI eingehen. Sie sind größtenteils unvermeidbar, wenn man von einzelnen echten Datenpannen absieht. Man sollte sie aber verstehen, bevor man einer einzelnen Zahl mehr Bedeutung beimisst, als ihr zusteht.

Wie kommen die Zahlen zustande?

Ein auf SARS-Cov-2 positiver PCR-Test wird vom Labor meist sofort (spätestens nach 24 Std.) per Fax oder elektronisch an das zuständige Gesundheitsamt (GA) übermittelt. „Zuständig“ ist das GA, in dessen Bezirk sich die betroffene Person derzeitig aufhält oder zuletzt aufhielt, bei Personen in Krankenhäusern, Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen das GA, in dessen Bezirk sich die Einrichtung befindet.

Die GA übermitteln die anonymisierten Befunde meist am Nachmittag (spätestens am nächsten Arbeitstag) elektronisch an die zuständige Landesbehörde, in Niedersachen an das Nds. Landesgesundheitsamt (NLGA). Gegenwärtig ist dies am Wochenende nur bei 35 von 45 niedersächsischen Gesundheitsämtern der Fall. Das NLGA wiederum sendet diese Zahlen meist am gleichen oder nächsten Tage (spätestens am nächsten Arbeitstag) an das Robert-Koch-Institut (RKI) und veröffentlicht die morgens um 09:00 Uhr aktualisierten Zahlen im tgl. Lagebericht. Das RKI veröffentlicht alle bis 00:00 Uhr gesammelten Daten im folgenden RKI-Tagesbericht und auf dem RKI-Dashboard.

Dieser Ablauf führt dazu, dass zwischen den von Landkreis, NLGA und RKI veröffentlichten Zahlen oftmals 1-2 Tage Verzug liegen und das Ergebnis eines am Freitag vormittag durchgeführten Tests erst am Dienstag in der NLGA-Statistik und am Mittwoch im RKI-Tagesbericht auftaucht.

Besonders im Zusammenhang mit den Inzidenzwerten sorgten diese Abweichungen schon vielerorts zu Irritationen. So wurde die Überschreitung der Grenzwerte von 35, 50 oder 100 Neuinfektionen pro Woche und 100.000 Einw. schon in mehreren Kreisen und kreisfreien Städten von den Kommunen bereits festgestellt, während das RKI höchst offiziell noch unbedenkliche Werte präsentierte (so etwa hier in Delmenhorst). Verbindlich im Hinblick auf evtl. Einschränkungen sind in Niedersachsen seit dem 23. Oktober einzig die Zahlen des NLGA.

Corona-Wasserstand Landkreis Osterholz 6. 11.2020

Stand heute morgen sind dem NLGA 30 weitere Neuinfektionen aus dem Landkreis Osterholz gemeldet worden, damit steigt der Inzidenzwert nochmals auf jetzt 122,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einw. in den vergangenen 7 Tagen. Deutlich gestiegen ist die Zahl der in Quarantäne befindlichen Landkreis-Bewohner, sie liegt jetzt bei 1.000.

Corona-Infektionen LK OHZ

Das Gesundheitsamt schätzt die Zahl aktuell Infizierter auf 201. Diese Zahl kann nur geschätzt werden, da das Ende der Infektiösität nicht gemeldet wird.

Gemeinde Aktive Infektionen
Grasberg 21
Hambergen 10
Lilienthal 34
Osterholz-Scharmbeck 51
Ritterhude 36
Schwanewede 45
Worpswede 4

Mittlerweile befinden sich 6 Schulen im Szenario B, die Grundschule Falkenberg in Lilienthal ist vollständig in Quarantäne.

Corona-Wasserstand im LK Osterholz

Corona-Neuinfektionen Landkreis Osterholz
Neuinfektionen und Inzidenzwert
Es geht leider immer noch aufwärts… Hier die aktuellen Daten des Nds. Landesgesundheitsamtes (NLGA, Stand 5.11.2020 09:00 Uhr), die für die Berechnung der Inzidenzrate und sich daraus evtl. ergebende Konsequenzen verbindlich sind.

Konkret führt die heutige Inzidenzrate von 107,1 dazu, dass Schulen mit aktuellem Infektionsgeschehen ab morgen für 14 Tage in das Szenario B (verkleinerte Kohorten mit Wechsel zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling) wechseln. Betroffen sind derzeit die Waldschule Schwanewede und die IGS Osterholz-Scharmbeck.

Corona-Faktencheck: mehr Fälle nur wegen mehr Tests?

Seit Wochen haben wir wieder steigende Fallzahlen. Selbsternannte Gegner der vermeintlichen Corona-Diktatur behaupten, dies sei lediglich auf die höhere Anzahl von Corona-Tests zurückzuführen. Und viele Nachplapperer verbreiten das munter, ohne sich lange mit den Fakten abzumühen.

Corona-Tests Deutschland
Corona-Tests in Deutschland (Quelle: RKI-Lagebericht 12.8.20 und eigene Berechnung).

Dabei sind diese Fakten unmissverständlich:

JA, die Anzahl an Corona-Tests ist gestiegen (s. graue Balken in der Grafik). In den letzten fünf Wochen von 505.518 auf 672.171 nach den Zahlen des RKI.

UND NEIN, der Zuwachs an neuen Corona-Fällen (rote Balken) von 3.080 auf 6.909 wöchentlich ist dadurch keineswegs erklärt. Die gelbe Linie „fiktiver Fälle“ zeigt, was mit dem höheren Testaufkommen erklärbar wäre. In der vergangenen Woche wären das 4.033 positive Tests gewesen, tatsächlich aber waren es 6.909.

Corona-Faktencheck: Contact-Tracing in Japan

Japan soll das neue Schlaraffenland für Corona-Strategen im Kampf gegen die „2. Welle“ sein, die angesichts langsam steigender Zahlen zu drohen scheint. Anfang August meldete sich der von mir hochgeschätzte Charité-Virologe Drosten mit einem Gast-Kommentar bei Zeit-online aus dem Urlaub zurück, der solches nahezulegen scheint.

Es hilft ein Blick nach Japan. … Statt viel und ungezielt zu testen, hat Japan früh darauf gesetzt, Übertragungscluster zu unterbinden. … Die gezielte Eindämmung von Clustern ist anscheinend wichtiger als das Auffinden von Einzelfällen durch breite Testung.

Ich plädiere nun dafür, im Fall der Überlastung nur (oder zumindest vor allem) dann mit behördlichen Maßnahmen auf einen positiven Test zu reagieren, wenn er von einem möglichen Clustermitglied stammt. Die vielen Tests, die die Politik derzeit vorbereitet, werden bald öfter positiv ausfallen und die Gesundheitsämter dann überfordern – schließlich kann man das Virus ja nicht wegtesten, man muss auf positive Tests auch reagieren.

Hier gilt: Der Blick zurück ist wichtiger als der Blick nach vorn. Denn Infektionsfälle werden meist erst mehrere Tage nach dem Auftreten von Symptomen erkannt. Das Gesundheitsamt muss zurückblicken: War der Patient in einem Großraumbüro tätig, feierte er mit Verwandten, während er wirklich infektiös war, also etwa seit Tag zwei vor Symptombeginn? Noch wichtiger: Wo könnte sich der Patient eine Woche vor dem Auftreten der Symptome infiziert haben – könnte das in einem Cluster geschehen sein? Jeder Bürger sollte in diesem Winter ein Kontakt-Tagebuch führen.
(Quelle: Drosten C: Zweite Corona-Welle: Ein Plan für den Herbst. Zeit online 5.8.2020)

Hier aber irrt Drosten. Oder besser gesagt: seine Thesen stammen vermutlich aus einer Zeit (Anfang Juli in seinem Urlaub vielleicht?), als man solches noch annehmen durfte. Mittlerweile zeigen die Zahlen unmissverständlich, das ein Re-Make der Japan-Strategie kein wirklich toller Plan ist:

Corona-Tests Japan
Tgl. Fallzahl positiver SARS-Cov2-Tests in Japan
(Quelle: worldometers.info 09.08.2020)
Corona-Tests Deutschland
Tgl. Fallzahl positiver SARS-Cov2-Tests in Deutschland
(Quelle: worldometers.info 09.08.2020)

Ist mir ein Rätsel, wie man dann sowas Anfang August noch publizieren mochte …

Wissenswertes zur eigenen Meinungsbildung

Japan hat ca. 126 Mio Einw. und 469 „local public health centres“ mit mehr als 25.000 Beschäftigten. (Quelle: Saito T: Contact-tracing and peer pressure: how Japan has controlled coronavirus The Guardian 06.06.2020) Anfang August lag die Test-Häufigkeit lt. worldometers.info bei 7.790 Tests pro 1 Mio Einw..

Deutschland hat ca. 84 Mio. Einw. und knapp 400 Gesundheitsämter mit ca. 17.000 Beschäftigten, davon ca. 2.500 Ärztinnen oder Ärzte). (Quelle: BVÖGD abgerufen 09.08.2020) Die Test-Häufigkeit lag Anfang August lt. worldometers.info bei 102.500 Tests/1 Mio Einw.

Corona-Warn-App

Corona-Warn-App Logo
Quelle: RKI
Die Corona-Warn-App der Bundesregierung und des RKI ist seit dem 16. Juni 2020 verfügbar und wurde innerhalb von drei Tagen knapp 10 Mio. mal heruntergeladen. Detaillierte Informationen zur App gibt es auf der Projekt-Homepage und den einschlägigen Seiten der Bundesregierung, des RKI und bei Wikipedia.

Auch wenn der tatsächliche Nutzen der App erst in einigen Monaten bewertet werden kann, ist sie berechtigterweise mit großen Hoffnungen verbunden. Im Idealfall wird sie dazu beitragen, die Infektionszahlen auch in Zeiten zunehmender Kontakte so gering wie möglich zu halten. Gerade uns Beschäftigten im Gesundheitswesen kann sie dabei helfen, besonders gefährdete Menschen zu schützen, indem wir Infektionen frühzeitig erkennen und weitere Übertragungen vermeiden.

Funktion Corona-Warn-App
Quelle: RKI

Die Installation der App ist und bleibt ebenso freiwillig wie deren Nutzung. Die App überträgt keine personenbezogenen Daten und keine Standortdaten. Sowohl die Risikoermittlung als auch die Meldung eines positiven Corona-Befundes an die App müssen vom Nutzer ausdrücklich aktiviert werden.

Was heißt „Niedriges Risiko“

Meldung Niedriges Risiko
Der Status Niedriges Risiko bedeutet nicht, dass das Infektionsrisiko in diesem Moment gering ist. Er sagt lediglich aus, dass in den letzten 14 Tagen kein „riskanter“ Kontakt (grob gesagt: länger als 15 Minuten weniger als 1.5-2.0 m Abstand) mit einem anderen Handy bestand, dessen Besitzerin oder Besitzer positiv getestet wurde und dies auch in der App registriert hat.

Keine Berücksichtigung finden dabei Kontakte mit Menschen ohne Handy oder solchen, die die App nicht nutzen. Ebensowenig solche mit Menschen, die gar nicht getestet wurden, sei es wegen fehlender Symptome oder aus anderen Gründen.

Auch mit grün unterlegtem „Niedrigrisiko-Status“ heißt es also weiterhin wachsam sein: Abstand wahren, Mund-Nasen-Schutz in Risikosituationen, bei einschlägigen Symptomen an Covid-19 denken!

Was bedeutet „Erhöhtes Risiko“

Meldung Erhöhtes Risiko
Quelle: RKI
Die Meldung Erhöhtes Risiko sagt erstmal nur aus, dass ein „epidemiologisch relevanter“ Kontakt zu einer positiv getesteten Person bestanden haben kann. Aus Datenschutzgründen erfährt man nur das Datum dieses Kontaktes, dessen Bewertung somit nicht immer einfach ist. Die App weiß zum Beispiel nicht, ob Mund-Nasen-Schutz, FFP2-Masken oder Trennwände im Einsatz waren. Wie also damit umgehen?

Wer durch die App gewarnt wird, sollte Begegnungen vermeiden und – wenn möglich – nach Hause gehen. Per Telefon sollte dann mit Hausärztin oder Hausarzt oder dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (Tel. 116 117) oder dem zuständigen Gesundheitsamt (für den LK Osterholz Tel. 04791 930 2900) über das weitere Vorgehen beraten werden.

Über eine Krankschreibung entscheidet der behandelnde Arzt, über die Anordnung von häuslicher Quarantäne das zuständige Gesundheitsamt jeweils nach eigener Einschätzung. Wer positiv auf Corona getestet wird, kann eine Krankschreibung erhalten und hat Anspruch auf Lohnfortzahlung. Wenn das Gesundheitsamt Quarantäne anordnet, zahlt der Arbeitgeber das Gehalt weiter und wird dafür vom Gesundheitsamt entschädigt.

Corona-Infektionswege in Japan

Furuse Y et al.: Clusters of coronavirus disease in communities, Japan, January–April 2020. Emerg Infect Dis. 2020 Sep.
doi: https://doi.org/10.3201/eid2609.202272

Y. Furuse vom Institute for Frontier Life and Medical Sciences and Hakubi Center for Advanced Research der Uni Kyoto in Japan und Co-Autoren haben 3.184 Fälle Coronavirus-Infektion in Japan analysiert und dabei 61 Cluster identifiziert, die ihren Ausgang in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, Restaurants und Bars, Arbeitsstätten und bei Musikveranstaltungen genommen haben. Sie haben dabei 22 mutmaßliche Ursprungspatienten identifiziert, die mehrheitlich 20–39 Jahre alt und zum Zeitpunkt der Virusübertragung prä- oder asymptomatisch waren.

Wer ist Corona-Risikopatient?

Viele Menschen inkl. Ärztinnen und Ärzte sind verunsichert, wer im Hinblick auf das neuen Corona-Virus als Risikopatient zu gelten hat. Die Datenlage dazu ist auch noch im Fluss, sehr hilfreich ist jetzt eine neue Studie aus unserem Nachbarland Dänemark:

heatmap covid-19-mortality
Sterberisiko für Covid-19-Patienten in %
Die für skandinavische Länder typische Vollständigkeit der erhobenen Daten und die mit Deutschland vergleichbaren Begleitumstände machen diese Studie zur bislang besten Grundlage, um das Risiko für einen tödlichen Verlauf einer Corona-Infektion abschätzen zu können. Eine aus den Studiendaten generierte Heatmap zeigt fast auf den ersten Blick recht deutlich, wer im Falle einer Infektion mit einem sehr niedrigen, einem mittleren oder gar einem hohen Sterberisiko rechnen muss.
„Wer ist Corona-Risikopatient?“ weiterlesen

Coronavirus in Dänemark

Reilev M et al.: Characteristics and predictors of hospitalization and death in the first 9,519 cases with a positive RT-PCR test for SARS-CoV-2 in Denmark: A nationwide cohort. medRxiv 26.05.2020 (Preprint)
doi: https://doi.org/10.1101/2020.05.24.20111823

mortality heatmap Covid-19
Mortality-Heatmap (Quelle: Reilev et al. s.o.)
Die Autoren haben die Daten aller 228.677 Dänen aufgearbeitet, die sich vom 27.02. bis zum 30.04. einem Test auf SARS-Cov-2 unterzogen haben.

9.519 Fälle waren SARS-CoV-2-PCR-positiv, davon wurden 78 % ambulant und 22 % im Krankenhaus behandelt, 3.2 % auf einer Intensivstation. 5.5 % sind innerhalb von 30 Tagen verstorben. Das Durchschnittsalter der ambulanten Fälle lag bei 45 Jahren (Interquartilbereich IQR 31-57), der Verstorbenen bei 82 Jahren (IQR 75-89). Das Alter war ein starker Prädiktor für tödlichen Ausgang (Odds Ratio OR 14 für 70-79-Jährige, OR 26 für 80-89-Jährige und OR 82 für Fälle über 90 Jahre im Vergleich zu 50-59- Jährige, angepasst an Geschlecht und Anzahl der Komorbiditäten). Auch die Anzahl der Komorbiditäten war stark mit einem tödlichen Ausgang assoziiert (OR 5.2 für Fälle mit ≥4 Komorbiditäten gegenüber keinen Komorbiditäten). 82 % der Verstorbenen hatten mindestens 2 Komorbiditäten. Viele schwerwiegende chronische Erkrankungen erwiesen sich als Prädiktoren für Krankenhausaufnahme (OR 1.3-1.4 für z. B. Schlaganfall, ischämische Herzerkrankung bis 2.2-2.7 für z. B. Herzinsuffizienz, im Krankenhaus diagnostizierte Nierenerkrankung, chronische Lebererkrankung) und Mortalität (OR 1.2-1.3 für z. B. ischämische Herzkrankheit, Hypertonie bis 2.4-2.7 für z. B. schwere psychiatrische Störung, Organtransplantation). Ohne Komorbiditäten war die Mortalität bei bis zu 80-Jährigen relativ niedrig (5% oder weniger).
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Blutgruppen-Unterschiede beim Covid-Risiko

Ellinghaus D et al.: The ABO blood group locus and a chromosome 3 gene cluster associate with SARS-CoV-2 respiratory failure in an Italian-Spanish genome-wide association analysis. Preprint auf medRxiv.org 02.06.2020 (Peer-Review steht aus)
doi: https://doi.org/10.1101/2020.05.31.20114991

Zahlreiche Autoren u. a. von der Molekularbiologie Uni Kiel. Erster robuster Nachweis einer genetisch bedingten Anfälligkeit für Lungenversagen bei Covid-19, lokalisiert u. a. an dem Ort unserer DNA (9q34), der die AB0-Blutgruppen kodiert. Blutgruppe A scheint mit einem 45 % höheren und Blutgruppe 0 mit einem 35 % geringeren Risiko für einen schweren Covid-Verlauf assoziiert zu sein. Daten stammen aus sieben Zentren in Italien (835 Patienten) und Spanien (775 Patienten).
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Triage vor Schwedens Intensivstationen

Mehrfach schon wurde behauptet, vielen älteren Schweden würde in der Corona-Pandemie intensivmedizinische Behandlung vorenthalten. Anfang Mai haben Christian Baars, Elena Kuch und Oda Lambrecht für den NDR zu diesem Thema recherchiert und von offizieller schwedischer Seite sehr strikte Dementi erhalten.(1) Es gäbe zwar Notfallpläne, Patienten im Alter von über 80 Jahren oder mit bestimmten Vorerkrankungen im Falle einer System-Überlastung nicht intensivmedizinisch zu betreuen, diese seien aber wegen ausreichender Intensivkapazitäten nicht angewandt worden. Der im Vergleich auffallend geringe Anteil älterer Intensivpatienten in Schweden sei möglicherweise auf häufiger geführte Diskussionen über Ethik und Sinnlosigkeit zurückzuführen, die dort vor Einleitung einer Intensivbehandlung geführt würden. Diese Aussage des Vorsitzenden des schwedischen Intensivregisters Johnny Hillgren interessierte mich brennend, standen diese ethischen Fragen doch auch in Deutschland in vermutlich allen unseren Kliniken viele Wochen im Fokus der Diskussion.

Ich wollte es also möglichst genau wissen: Was machen die schwedischen Kollegen auf ihren Intensivstationen anders und auf welcher Grundlage treffen sie ihre Entscheidungen? Ich schaute mir im ersten Schritt die Altersverteilung in der Swedish Intensive Care Registry (SIR) an, die solche Analysen in übrigens weltweit einmaliger Transparenz gestattet. Betrachtet man dort Monat für Monat die Patientenzahlen in den Altersgruppen, kommt man allerdings zu einem ernüchternden Ergebnis:
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Risiko-Score für Critical Illness bei Covid-19

Liang W et al.: Development and Validation of a Clinical Risk Score to Predict the Occurrence of Critical Illness in Hospitalized Patients With COVID-19. JAMA Intern Med. Published online May 12, 2020.
doi:10.1001/jamainternmed.2020.2033

Chinesische Forscher der China Medical Treatment Expert Group for COVID-19 haben anhand der Daten von 1590 Covid-19-Patienten (mittleres Alter 48.9 Jahre, 57.3 % männlich) 10 von insgesamt 72 untersuchten Parametern zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus als unabhängige prädiktive Faktoren für eine schweren Verlauf (definiert als: Aufnahme auf einer Intensivstation oder künstliche Beatmung oder Tod) identifiziert. Diese unabhängigen Prädiktoren waren:

  1. Abnormes Thorax-Röntgenbild (OR 3.39; 95% CI 2.14-5.38)
  2. Alter (OR 1.03; 95% CI 1.01-1.05)
  3. Hämoptysen (OR 4.53; 95% CI 1.36-15.15)
  4. Dyspnoe (OR 1.88; 95% CI 1.18-3.01)
  5. Bewusstlosigkeit (OR 4.71; 95% CI 1.39-15.98)
  6. Anzahl der Begleiterkrankungen (OR 1.60; 95% CI 1.27-2.00)
  7. Krebs-Anamnese (OR 4.07; 95% CI 1.23-13.43)
  8. Neutrophilen/Lymphozyten-Quotient (OR 1.06; 95% CI 1.02-1.10)
  9. LDH (OR 1.002; 95% CI 1.001-1.004)
  10. Direktes Bilirubin (OR 1.15; 95% CI 1.06-1.24).

Aus diesen Parametern wurde ein Risiko-Score entwickelt, der mit einem frei zugänglichen Online-Rechner (http://118.126.104.170/) ermittelt werden kann. Die Area under the Curve (AUC) als Maß für die Vorhersage-Korrektheit lag sowohl in der Primär- und auch in der Validierungskohorte bei 0.88 (1.0 würde bedeuten, dass alle Vorhersagen korrekt sind).

Online-Rechner
Beispiel-Berechnung mit dem Online-Rechner des Guangzhou Institute of Respiratory Health

Verlorene Lebensjahre durch Covid-19

Hanlon P et al.: COVID-19 – exploring the implications of long-term condition type and extent of multimorbidity on years of life lost: a modelling study [version 1; peer review: awaiting peer review] Wellcome Open Research 2020, 5 :75
doi.org/10.12688/wellcomeopenres.15849.1

Schottische Epidemiologen haben anhand der WHO-Sterbetafeln berechnet, dass die in Italien an Covid-19 Verstorbenen 12 (Frauen) bis 14 (Männer) Lebensjahre verloren haben (YLL = years of life lost). Nach Korrektur um die dokumentierten Vorerkrankungen (LTC = long-term conditions) verbleiben noch 11 Jahre bei Frauen und 13 Jahre bei Männern. Die verlorenen Lebensjahre hängen stark von Art und Anzahl der Vorerkrankungen ab: ≥80-Jährige verloren mehr als 10 Jahre, wenn sie keine Vorerkrankungen hatten, und weniger als 3 Jahre bei mehr als 6 Vorerkrankungen.
„Verlorene Lebensjahre durch Covid-19“ weiterlesen

Übertragung des neuen Coronavirus in Shenzhen

Bi Q et. al.: Epidemiology and transmission of COVID-19 in 391 cases and 1286 of their close contacts in Shenzhen, China: a retrospective cohort study. Lancet Infect Dis 2020: online 27.04.2020, korrigiert 05.05.2020.
doi.org/10.1016/ S1473-3099(20)30287-5

Ende April hat eine Forschergruppe von der Johns Hopkins School of Public Health und aus Shenzhen wichtige Daten zur Infektions-Überwachung (Surveillance) veröffentlicht. Dafür haben sie Daten des Shenzhen Center for Disease Control über die ersten dort diagnostizierten 391 Covid-Fälle und deren 1.286 engere Kontaktpersonen ausgewertet. Als engerer Kontakt galten gleicher Haushalt, gemeinsame Mahlzeit oder sozialer Kontakt mit einem Index-Patienten in den zwei Tagen vor Symptombeginn.

Die Studie vergleicht die symptombasierte Surveillance (Corona-Test nur bei Symptomen) mit der kontaktbasierten Surveillance (Corona-Test bei allen engeren Kontakten unabhängig von Symptomen). Symptombasierte Surveillance erfolgte an Flughäfen und Bahnhöfen, bei Krankenhausaufnahme oder durch Haus-zu-Haus-Fiebermessungen. Kontaktbasierte Surveillance betraf alle engeren Kontaktpersonen der Covid-Fälle.
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