Schlauchturm

Schlauchturm in Osterholz-Scharmbeck
Schlauchturm in Osterholz-Scharmbeck ca. 1930 - Foto: E. Krohn
Der Schlauchturm genannte ehemalige Steigerturm am Marktplatz in Osterholz-Scharmbeck wurde 1926 auf Antrag der Feuerwehr nach Beratung im Scharmbecker Magistrat erbaut. Der 17.35 m hohe Klinkerbau am Spritzenhaus sollte eine trockene Aufbewahrung der Schläuche ermöglichen und zudem als Zierde des Marktplatzes dienen. Den damals noch aus Hanf gefertigten Schläuchen drohte andernfalls Schimmelbefall. Nach jahrelangem Leerstand und einem tristen Bauruinen-Desaster 2012-14 ist im neu errichteten Anbau jetzt das griechische Restaurant Kreta von Theodora Lefteroglou und Vasili Diamantakis untergebracht.

Nach Zusammenlegung der Feuerwehren Scharmbeck und Osterholz wurde 1976 in der Heimstraße ein neues Gebäude für die Feuerwehr errichtet, so dass Spritzenhaus und Schlauchturm nicht mehr benötigt wurden. Die Gebäude am Marktplatz beherbergten zunächst eine Zigarrenmacherwerkstatt und von ca. 2000 bis 2006 das Stadtmarketing, bevor es nach Schließung der Kammann-Ablegers „Ohlala“ in den Eckladen neben der Commerzbank zog. Im Schlauchturm betrieb dann Carsten Ellmers 14 Monate lang ein Kunst-Atelier. Bereits im April 2006 formulierte Stadtbaurat Fanelli-Falcke den Wunsch der Stadt Osterholz-Scharmbeck, dort zusätzliche Gastronomie anzusiedeln.

Schlauchturm Osterholz-Scharmbeck
... und 2009
Anfang 2007 verkaufte die Stadt den Turm an Horst Kammeier, Helmut Kück und Andreas Schäfer (KKS Grundstücksgesellschaft). Sie hatten auch das Nachbargrundstück erworben, ehemals „Gaststätte Denker“ und zuletzt „Storchennest“, im Januar 2004 Opfer einer Brandstiftung. Trotz bereits erteilter Baugenehmigung begruben sie 2009 ihre Pläne für ein Geschäftshaus. 2010 übernahm Kammeiers H3 Entwicklungs- und Vermarktungsgesellschaft mbH die Immobilien. Dessen Pläne für ein Restaurant im Turm und einen neuen Anbau scheiterten zunächst am Veto des Denkmalschutzes, dem der Anbau zu dominant erschien. In der anschließenden Neuplanungsphase verlor die NASCH Systemgastronomie GmbH ihr Interesse, dort eines ihrer „Fast-Casual-Dining“-Restaurants zu betreiben, weil sie Konkurrenz von der Mensa am Campus befürchteten. Anfang 2012 plante Kammeier dann einen eingeschossigen kleineren Anbau.

Das Bauruinen-Desaster

im Dez. 2012 keine Attraktion ...
Im Mai 2012 wurde noch frohlockt und eine Fertigstellung zum Herbstmarkt avisiert, im Juni aber kamen die Bauarbeiten überraschend zum Erliegen. Ein Artikel im Kreisblatt am 5. Juli ließ tief blicken: sowohl Bauherr Kammeier als auch der Landkreis Osterholz in Gestalt seines Pressesprechers Thorsten Klabunde bezeichneten den Stillstand als „planmäßige Pause von unbestimmter Dauer“. Sie solle der Abstimmung zwischen Denkmalschutz und Bauherren über „zentrale Details wie die Fassadenmaterialien“ dienen … und möglicherweise bis Ende 2014 währen. Ich hab’s nicht fassen können, war es wirklich Absicht, Bewohnern und Besuchern unserer Stadt wieder mal an solch‘ zentraler Stelle eine unansehnliche Bauruine zuzumuten?

Ende Dezember 2012 war der Lokalpresse zu entnehmen, dass der Baustopp wohl doch nicht ganz so planmäßig war. Entgegen der vorherigen Darstellungen ließ Baudezernent Eckermann verlauten, der Rohbau weiche von der Baugenehmigung ab. Kammeier begründete die Abweichung damit, dass der anvisierte Mieter (erstmals öffentlich als Kreta-Wirt vom Haus am Markt ge-outet) bodentiefe Fenster abgelehnt habe. Gleichzeitig bestätigte Kammeier dem Kreisblatt gegenüber das Interesse der Eigentümergemeinschaft „Haus am Markt“ am Auszug des Griechen, um dort 800 zusammenhängende Quadratmeter anbieten zu können. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 27.12.2012)

Es ging also um handfeste wirtschaftliche Interessen. Aber nein: „Wie ein Sechser im Lotto“ sei es für die Stadt (!), wenn das Kreta an den Schlauchturm umziehe. Das würde zu einer Belebung des Marktplatzes beitragen, so am 29. Dezember die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung Osterholz. Nur folgerichtig, wenn diese erst im Oktober reaktivierte CDU-Gliederung von der Stadt Osterholz-Scharmbeck forderte, nicht „über langwierige abstrakte Diskussionen“ das eigentliche Ziel aus dem Auge zu verlieren. Das war schon ein wenig lustig, Kritik an der offensichtlichen Missachtung einer Baugenehmigung als „langwierige abstrakte Diskussion“ zu bezeichnen.

... im Nov. 2013 schien es voran zu gehen
Im April 2013 ging es nach Einbau bodentiefer Fenster und einem Termin mit Stadt und Landkreis mühsam voran. Die Fenster fanden Zustimmung bei den beteiligten Ämtern und hinsichtlich des Daches hatte man sich auf ein „Karl-Zip-Dach“ (gemeint war vermutlich ein Aluprofil-Dach wie von der Fa. Kalzip) in der Farbe von oxidiertem Kupfer statt auf ein begrüntes Dach geeinigt. Die Fassadenfarben hingegen blieben strittig. Das von Kammeier favorisierte marsrot für das Hauptgebäude gefiel der Stadt, nicht aber dem Landkreis. Das lichtgrau für den Wintergarten lehnten beide ab. Ein neuer Vorschlag mit hellen Grüntönen wurde erarbeitet und Kammeier plante die Fertigstellung für Ende Juni. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 16.4.2013)

Ende November 2013 dann (also fast Juni 😉 ) waren die Fortschritte sogar sichtbar: lichtgrau für das Hauptgebäude des Anbaus war auf einmal doch wieder schicklich und der Wintergarten hatte Lärchenholz-Paneelen erhalten. Im April 2014 sollte das Kreta einziehen.

Schlauchturm heute

Seither läuft’s … auch am Schlauchturm. Mit dem Kreta, dem Menada und Stagges geht wieder was in der Gastro-Szene am Marktplatz. Und der Schlauchturm hat 2015 mit Monika und Olaf Dostalek neue Besitzer gefunden.Sozusagen als Dreingabe zum eigentlichen Investitionsobjekt, dem Anbau mit der Gastronomie. Für den derzeit ungenutzten Turm suchen sie jetzt nach geeigneter Verwendung. (Quelle: Osterholzer Kreisblatt 28.12.2016)

4 Antworten auf „Schlauchturm“

  1. auch wieder typisch für ohz, da war mal ne gut gehende und gemütlich kneipe drin…nein da wollen wir jetzt ne toristeninfo drin haben…für welche touris?
    und die neue idee mit nem cafe, laut höremsagen ähnlich der schlachte, lächerlich…unseres stadt ist zu tot als das sich das lohnen würde…un dann noch mit der schlachte vergleichen

  2. Gartenstadt am Teufelsmoor ? Zutreffender wäre die Bezeichnung:

    Toter Flecken am Teufelsmoor.

    Man beachte das Besucheraufkommen der sogenannten Fußgängerzone an Sonn- und Feiertagen. Trostlose abgewirtschaftete Gegend, einziger Höhepunkt ist ne Wasserfontäne. Selbst bei Stagge ist nach dem Umbau nichts mehr los.
    Weiter so Stadtplaner.

  3. …ne kleine Kneipe,für nette Gäste von jung bis alt,zum Erzählen,Abschalten und Spaß haben-das ist das was in diesem Ort fehlt, das ist das,was in dieses nette Gebäude wieder reingehört…,dazu genau diesen einen Kneiper mit Intelekt und Witz und Ehrgeiz und vorallem Liebe zum Detail,…liebe Stadtväter,das wärs,…so wie damals.
    Cafe 99 ist klein, nett und gemütlich. Und nach 19 Uhr?.., da muss doch mal drüber nachgedacht werden…,macht doch mal was los in Eurer Stadt-nicht immer nur die allgemeinen Feste…, schafft Anziehungspunkte für Touri’s – ich bin nur manchmal besuchsweise da… und finde Eure Stadt schön, aber langweilig. Mir fehlt nen guter Fleck zum Entspannen und Wohlfühlen außerhalb der eignen 4 Wände. Gebt sie dem Kneiper zurück und ich bin dabei…. 🙂

  4. Das sehe ich genauso, und unlängst war dies auch der Tenor in einem Kreisblatt-Artikel: Die Innenstadt muss sich um den „Wohlfühl-Faktor“ bemühen, muss dafür sorgen, dass es eben einfach Spaß macht, sich am Marktplatz und seiner Umgebung aufzuhalten. Warum eigentlich läuft der Weihnachtsmarkt nur an einem Wochenende, könnte er nicht (natürlich in dann abgespeckter Form mit vll. nur einigen Dauer- und Glühweinständen)wenigstens drei Wochen im Dezember zur Dauereinrichtung werden? Grüße!

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