Jüdischer Friedhof

Belegungsplan (noch unvollständig)
Der Jüdische Friedhof am Klosterkamp (Standortmehr Fotos …) entstand Mitte des 18. Jh. auf damals freiem Feld, mehr als 100 Jahre vor Inbetriebnahme der benachbarten Eisenbahnstrecke. Die letzte Bestattung fand 1939 statt, die Gesamtzahl der Gräber ist nach der Verwüstung im „3. Reich“ nicht mehr zuverlässig zu klären. Eine Auflistung des Heidelberger Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland gibt 74 Grabsteine an, vermutlich auf Basis einer Dokumentation durch Klaus-Peter Schulz aus den Jahren 1968-69. K. Beer fand 1997 noch 71 Grabsteine für 76 Grabstellen und 2 Familiengrabsteine vor, im Jahr 2000 fehlten davon 2 Steine. (Quelle: Beer) Andere Quellen sprechen von 75 Grabsteinen aus den Jahren 1854-1935. (Quelle: Obenaus)

Geschichte

Levi Hertz, der erste namentlich erwähnte Jude in Scharmbeck, kaufte 1756 oder 1757, jedenfalls lange vor Gründung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1768, ein ca. 150 m² großes Grundstück an der Chaussee zwischen Lintel und Pennigbüttel für einen jüdischen Friedhof. 1847 wurde ein benachbartes Grundstück hinzugekauft, heute hat der Friedhof eine Fläche von 1.973 m². (Quelle: Obenaus) Auf dem ältesten Friedhofsteil (in der Skizze dunkelgrün markiert) stehen keine Steine mehr, ihr Verbleib ist ungeklärt.

Jüdischer Friedhof
Grabstein Meibergen
In oder unmittelbar nach der Pogromnacht 9./10.November 1938 wurden die Grabsteine umgekippt, beschädigt oder zerstört und zumindest teilweise entfernt. Auf dem derart verwüsteten Friedhof wurde am 23. November 1939 Siegmund Cohenbestattet, der an den Folgen seiner in der Pogromnacht erlittenen Verletzungen gestorben war. Ein Stein wurde dabei nicht gesetzt und seine Grabstelle ist heute unbekannt, es war die letzte Bestattung auf diesem Friedhof.

Im Juni 1946 ließ die Stadtverwaltung den Friedhof durch ehemals aktive NSDAP-Mitglieder, „speziell den früheren Ortsgruppenleiter und einen Teil ’seiner temperamentvollsten Pg’s‘ in Ordnung bringen. (Quelle: Murken) Der einzige nach Osterholz-Scharmbeck zuückgekehrte Jude Wilhelm Aron tat sein Bestes, die Grabstellen zu identifizieren. Es ist aber gesichert, dass weder alle Gräber rekonstruiert noch alle Steine am korrekten Ort platziert werden konnten. So konnte Fritz Cohen 1966 bei einem Besuch aus Brasilien anhand einer Fotografie nachweisen, dass der Stein für seine Tante Mimi Cohen auf der Grabstelle seiner Großmutter Elise Cohen stand. (Quelle: Beer)

Heute gehört der Friedhof dem Landesverband der jüdischen Gemeinden von Niedersachsen und steht unter Denkmalschutz. Klaus-Peter Schulz, Leiter des Kreisheimatmuseums Osterholz, hat über viele Jahre Belegungspläne des Friedhofs gezeichnet, die deutschsprachigen Inschriften abgeschrieben, Steine mit hebräischen Inschriften fotografiert und in vielen Archiven recherchiert.

Veröffentlichungen über den Friedhof:

  • Ursula Siebert: Steinerne Zeugen unserer Kultur. Die alten Grabsteine in den Gemeinden des Landkreises Osterholz. Osterholz-Scharmbeck 1986.
  • Jürgen Lodemann: Die drei Judenfriedhöfe im Landkreis Osterholz: Mahn- und Warnstätten zugleich. In: Heimat-Rundblick. Geschichte. Kultur. Natur. 6 (1993), Heft 24, S. 6-7.

Zentralarchiv/ Juden in DE: Friedhöfe: Niedersachsen: Übersicht: Liste der Friedhöfe

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