
Das Kaufhaus Davidsohn in der Poststraße (Foto von Bob Davidson mit frdl. Genehmigung von Jonathan Strauss)
Die Wurzeln
“Urvater” der hiesigen Davidsohns war Moses Hein (gestorben ca. 1792), wohl ein Neffe von Levi Hertz, dem ersten namentlich erwähnten Jude in Scharmbeck. Moses heiratete Jette David (ca.1745-6.9.1825), im Jahr 1772 gründeten sie in der Obernstraße (später Poststraße 159 und heute Poststraße 4) ein Textilgeschäft. Jette und Moses hatten fünf Kinder:
- Miriam Davidsohn (∼1768-14.4.1816), verheiratet mit Jacob Nachmann aus Fulda
- David Moses Davidsohn (25.9.1780-8.6.1852), verheiratet seit 12.8.1806 mit Röschen Cohn.
- Johanne Davidsohn (∼1788-11.11.1873), verheiratet mit Meyer Aronsohn. Sie lebte 1830 und 1844 als Witwe in Scharmbeck.
- Friederike (Fratje) Davidsohn, verheiratet mit Joseph Michael Goldberger (10.3.1776-12.4.1859)
- Frommedt (Fromet) Davidsohn (gest. ∼1837), verheiratet mit Salomon Meyer aus Eicholz (2.3.1780-9.2.1865), der 1830 und 1844 noch in Scharmbeck lebte.
Röschen und David Moses Davidsohn hatten ebenfalls fünf Kinder:
- Moses David Davidsohn (12.8.1805-10.7.1857), verheiratet mit Rebecka Fontheim aus Diepholz (25.4.1800-17.6.1870)
- Frieda Davidsohn (geb. ca. 1808)
- Frodche Davidsohn (4.11.1810-1.11.1883 in Harpstedt), verheiratet mit Meyer Goldschmidt
- Isaac David Davidsohn (12.5.1813-20.4.1896), verheiratet seit 3.9.1845 mit Jeanette Joseph (2.9.1825-15.2.1907)
- Hein David Davidsohn (2.1.1820-8.5.1845)
Während sich Moses David im benachbarten Osterholz eine Existenz als Kaufmann aufbaute, blieb sein jüngerer Bruder Isaac David in Scharmbeck und übernahm die elterliche Firma. Deren späterer Name “J. D. Davidsohn” ist auf die im 19 Jh. übliche Schreibweise Jsaac zurückzuführen, könnte theoretisch aber auch als Abkürzung für Jette David Davidsohn bereits während der französischen Besatzungzeit (1803-1813) entstanden sein, als die Juden französischem Recht folgend einen festen Familiennamen annehmen mussten.
Der “Osterholzer Zweig”
Moses David Davidsohn war 1830 als Kaufmann in Osterholz registriert. 1840 wurde er Bezirksvorsteher der jüdischen Gemeinde und 1844 war er Distriktvorsteher. Rebecka und Moses David Davidsohn hatten vier Kinder:
- Rosalie (Roeschen) Davidsohn (11.11.1832-6.2.1919), verheiratet am 18.6.1856 mit Abraham Levison (14.6.1814-7.10.1898) aus Bückeburg. Die Levisons hatten vier Kinder. Ihre Tochter Emma (7.5.1857-11.7.1942) heiratete 1883 Leopold Bauchwitz aus Neustadt (Dosse) und wurde 1942 in Theresienstadt ermordet. Einen Teil der Informationen in diesem Artikel verdanken wir ihrem Urenkel Jonathan Strauss aus London. Emmas Schwester Bertha heiratete Bernhard Kramer, ihr Sohn Albert Kramer (18.8.1887-6.10.1942) war als Stadtdirektor von Köln einer der wenigen jüdischen Beamten in der Zeit vor der nationalsozialistischen Machtergreifung, er kam in einem Konzentrationslager ums Leben.
- Jen Davidsohn (geb. ca. 1837), die am 8.11.1861 in Scharmbeck David Delmonte (geb. ca. 1833) geheiratet hat.
- Ernst Jacob Davidsohn (2.4.1841-5.3.1918), der am 21.6.1871 in Rheine Betty Ephraim (17.8.1847-22.9.1927) heiratete.
- Sophie Davidsohn (geb. 25.4.1845), verheiratet mit Theodore Ephraim.
Abb. mit frdl. Genehmigung von Jonathan Strauss
Ernst Jacob übernahm offensichtlich den elterlichen Betrieb, jedenfalls war die Fa. J. Davidsohn in der Hauptstraße 27 (später Findorffstraße) im Jahr 1873 als eines von fünf jüdischen Unternehmen in Osterholz verzeichnet. 1878 wurde der Kaufmann Jacob Davidsohn zum Ersatz-Schöffen für das Amt Osterholz und 1903 zum Rechnungsführer der Israeliten-Gemeinde Scharmbeck/Osterholz gewählt. Quelle: Menkhoff Betty und Ernst Jacob hatten drei Kinder:
- Rebecca Sophie Davidsohn (geb. 14.10.1874) heiratete am 19.11.1998 Max Mengers (geb. 21.7.1872).
- Ida Davidsohn (geb. 24.3.1876) heiratete am 5.9.1903 Heinrich Heilbut (geb. 8.11.1870) aus Lübeck.
- Egon Davidsohn (geb. 13.4.1880) heiratete Toni Grappel aus Untertürkheim
Über das weitere Schicksal dieser Familienmitglieder und auch der Firma in Osterholz liegen keine Erkenntnisse vor.
Der “Scharmbecker Zweig”
Jeanette und Isaac David Davidsohn blieben in Scharmbeck, sie gehörten 1830 und 1844 zu den jeweils acht jüdischen Familien des Fleckens (Quelle: Menkhoff) und hatten neun Kinder:
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Abb. mit frdl. Genehmigung von Bob Davidson |
Das Kaufhaus J. D. Davidsohn war 1873 als eines von sechs jüdischen Unternehmen in Scharmbeck verzeichnet, 1878 wurde ein Neubau bezogen, der im Wesentlichen heute noch erhalten ist. 1892 übernahmen Eduard und sein Bruder Sally die Firma.
Als 24-jähriger wurde Eduard 1881 Vize-Schützenkönig. 1893, 1897, 1911 und 1915 wurde er zum Bürgervorsteher und 1906 in den Aufsichtsrat der neu gegründeten Spar- und Vorschußkasse gewählt. 1902 erwarb er das Kohlmannsche Erbe an der Bahnhofstraße 280 (heute Bahnhofstraße 84). 1909 war er Vorsteher der Synagogengemeinde Scharmbeck, 1910 gewann er vor dem Landgericht Verden zwei das Wegerecht betreffende Prozesse gegen die Gemeinde und den Schulvorstand der Scharmbecker Schule. 1913 ließ er von der Fa. Gottfried Stehnke in der Lindenstraße ein Haus bauen, das dem Gendarmeriewachtmeister als Dienstwohnung dienen sollte. (Quelle: Menkhoff)
Ottilie und Eduard hatten zwei Kinder:
- Johanna Davidsohn (geb. 8.3.1890), am 6.4.1919 verheiratet mit Louis Rosendahl (29.5.1877-7.3.1958) aus Dortmund.
- Ernst Davidsohn (27.7.1891-ca. 28.7.1942), ermordet in Minsk.
Toni und Sally Davidsohn hatten drei Kinder:
- Johan (“John”) Davidsohn (geb. 1.8.1904), konnte 1938 noch in die USA flüchten, wo er Elsa Eichwald heiratete. Er starb im September 1985 im Staat New York.
- Ilse Davidsohn (22.1.1906-ca. 1942), ermordet im Ghetto von Minsk.
- Gertrud Davidsohn (13.9.1908-11.4.1909), die als Säugling starb.






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