Canon EOS 5D Mk II fernsteuern

Haben Sie manchmal das Bedürfnis, Ihre Digitalkamera mit iPad, iPod oder iPhone fernzusteuern?

Mit diesem Wunsch sind Sie nicht alleine. Er wird im Netz vielerorts diskutiert und auch ich habe schon seit einigen Monaten nach der idealen Lösung gesucht. Diese gibt es meines Wissens noch nicht, aber ich habe jetzt immerhin eine funktionierende Variante für Canons EOS-Modelle und ein Macbook gebastelt, die kostenlos „mit Bordmitteln“ realisierbar ist. Diese Lösung habe ich bei meinen Recherchen im Web zwischen März und September 2010 nirgends beschrieben gesehen, deshalb mag der Eine oder Andere vielleicht an einer Beschreibung interessiert sein:

Kurzbeschreibung

Die Kamera wird per USB-Kabel mit einem Macbook verbunden. Aus einer Entfernung von bis zu 100 m lösen Sie die Kamera mit dem iPad aus und schauen Sich darauf die Bilder an. Bei Bedarf justieren Sie Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit der Kamera. Wenn Ihre Kamera live-view bietet, sehen Sie auch das Sucherbild vor dem Auslösen und können ggf. (auf Wunsch in Zoomansicht) scharfstellen.

Einrichtung

Sie benötigen

  • Eine Canon Digitalkamera, die sich mit dem EOS-Utility von Canon steuern lässt. Bei Kameras mit live-view (ab 1000D, 450D, 50D, 5D Mk II, 7D und 1D Mk III) wird auch das aktuelle Sucherbild auf dem iPad angezeigt.
  • Ein Macbook mit Betriebssystem ab MacOS 10.5, auf dem die Software EOS-Utility von Canon (im Lieferumfang der Canon-DSLR enthalten) installiert ist. Sollte auch mit Windows-PC (vermutlich ab Win7) funktionieren, was ich nicht getestet habe. Entscheidend ist, ob der Rechner als WLAN-Router konfiguriert werden kann).
  • Einen iPad, iPod oder ein iPhone, auf dem die kostenlose App Mocha VNC lite installiert ist.
  1. Konfiguration des Macbooks: Wählen Sie in den Systemeinstellungen den Punkt Freigaben.
    Macbook als W-Lan-Server einrichten
    Systemeinstellungen Freigaben
    Aktivieren Sie dort Entfernte Anmeldung und Entfernte Verwaltung. Markieren Sie dann Internetfreigabe (siehe Abb.) und wählen Sie unter Verbindung freigeben „Ethernet“ und unter Mit Computern über „AirPort“ aus. Wenn Sie danach das Häkchen bei Internetfreigabe setzen und diese so starten, wandelt sich das Airport-Symbol am oberen Bildschirmrand zu einem grauen Tortenstück mit aufwärts gerichtetem Pfeil, um die Funktion als W-Lan-Server anzuzeigen. Ich habe im Interesse eines schnellen Datenflusses auf eine Verschlüsselung (unter AirPort-Optionen) verzichtet und verwende stattdessen einen nur für diese Einsätze angelegten Benutzer ohne Administratoren-Rechte.
  2. Kamera und Macbook via USB-Kabel verbinden.
  3. iPad unter Einstellungen / Wi-Fi mit dem soeben neu geschaffenen W-Lan verbinden und Mocha VNC lite starten. Dort unter Menu / Edit connections den Gerätenamen des Macbook (siehe obige Abbildung) und das bei Entfernte Anmeldung ggf. vergebene Passwort eingeben.
  4. Fertig …

Vor- und Nachteile

Wesentlicher Nachteil ist eindeutig die Notwendigkeit des „zwischengeschalteten“ Macbook. Die Konfiguration ist unhandlich und praktisch nur im stationären Einsatz (Stativ, Kabelverbindung zum Macbook, Stativhalterung und ggf. 2. Stativ für’s Macbook) brauchbar. Testen konnte ich sie nur mit einem Macbook, Hinweisen zur Folge sollen aber zumindest ab Win7 auch Windows-Rechner als W-LAN-Server konfigurierbar sein. Falls jemand dazu Erfahrungen hat, wären entsprechende Hinweise über die Kommentarfunktion sicher für viele interessant.

Vorteilhaft ist die recht schnelle Datenübertragung, da die voluminösen RAW-Dateien nur die schnellere USB-Verbindung nutzen. Drahtlos werden nur die Bildschirmdaten des Macbook übertragen, und das bei geeigneter Hardware zudem in einem relativ schnellen W-LAN-Modus (n-Standard).

Alternativen

Ideal wäre meines Erachtens die Kombination aus einem Sender an der Kamera und einer EOS-utility-ähnlichen App für iPad bzw. iPhone. Ein derartiges Gerät ist mir aber nicht bekannt, am nächsten kommt ihm die hauseigene und leider nicht gerade billige Lösung von Canon.

  • Die im Oktober 2009 von Canon vorgestellten Wireless-File-Transmitter WFT-E2 II (für die EOS 1D Mark IV, Listenpreis € 829,99, techn. Daten) und WFT-E4 II (für die EOS 5D Mk II, € 759,99, techn. Daten) sind teuer und nur für zwei EOS-Modelle erhältlich, bieten aber in meine Augen die professionellste Lösung. Wettergeschützt und mit eigener Stromversorgung bauen sie jeweils ein eigenes W-Lan (max. g-Standard) auf und übertragen sowohl Bilddaten als auch Einstell-/Auslösebefehle der EOS-Utility. Schauen Sie Sich mal das Setting bei Dirk Baumbach an …
  • Phottix Hero ist ein Funk-Fernauslöser mit Übertragung des Sucherbildes und wird in Deutschland für rund € 300.- angeboten. Ihm fehlt die Möglichkeit, Kameraeinstellungen zu verändern. Dafür aber rüstet er quasi die live-view-Funktion auch für Kameras nach, die diese (wie etwa die EOS 400D) gar nicht bieten. Lesen Sie mal darüber beim Traumflieger.de, der es auch im Versand anbietet …
  • DSLR Camera Remote von onOne Software ist ein App für iPad und iPhone, welches ähnlich wie die o. g. „selbstgestrickte“ Lösung einen mit der Kamera Kabel-verbundenen PC oder Mac erfordert, dann aber Unterstützung für diverse Canon- und Nikon-DSLR und eine ganze Reihe interessanter Zusatzfunktionen bietet. So wird etwa die Auto-Bracketing-Funktion auf bis zu 11 Aufnahmen und mehrere Blendenstufen erweitert, ein Timer ermöglicht Serienaufnahmen in wählbaren Intervallen beispielsweise für Zeitraffer- bzw. Time-Lapse-Sequenzen.

3 Antworten auf „Canon EOS 5D Mk II fernsteuern“

  1. Ich bin selbst auch am Lösung suchen. Hab Wireless USB 2.0 Extender gefunden, die „transparent“ sind und ein Funk-USB-Kabel darstellen. Sind auch nicht gerade billig, aber günstiger als Canon-Hardware. Man müsste nur ein wenig was an der Elektronik machen. Guck mal bei der Firma Gefen.

    Gruß Jörg

  2. Hi Jörg. Ja, daran hatte ich auch schon mal gedacht. Aber die Adapter, die ich bisher gefunden habe, scheinen alle eine Stromversorgung auch des Kamera-seitigen USB-Adapters mittels Netzteil zu erfordern (den die Cam ja nicht liefert…). Scheint auch für den Gefen-Extender (hier) zuzutreffen. Außerdem scheint die Reichweite mit 10m (Gefen schreiben allerdings: bis 35m) bei den meisten recht beschränkt zu sein.
    Gruß, JH

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