Herbstmarkt

Quelle: J. Segelken Osterholz-Scharmbecker Heimatbuch. Selbstverlag, 1938

Der traditionell eigentlich im Oktober abgehaltene Scharmbecker Herbstmarkt galt lange Zeit neben dem Markt in Leer als bedeutendster Viehmarkt im Nordwesten der Provinz Hannover. Der 263. Herbstmarkt vom 23. bis 27. September 2011 war wie in den Jahren zuvor kein “echter” Viehmarkt, auch wenn durch den Verkauf von allerlei Kleinvieh (Hühner, Gänse etc.) und die alljährliche Bullenwette Anklänge an alten Zeiten gepflegt wurden. Heutzutage handelt es sich um ein fünf Tage währendes Stadtfest mit Fahrgeschäften, Live-Konzerten, Disco-Abenden und einem verkaufsoffenen Sonntag.
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Tivoli Osterholz-Scharmbeck 1908

Etablissement Tivoli (Postkarte 1908)

Das Hotel Tivoli (Tel. 04791 8050 • StandortWebseite) ist ein traditionsreiches Hotel mit Gaststättenbetrieb und Festsaal in der Stadtmitte von Osterholz-Scharmbeck. Es wird seit 75. Jahren in mittlerweile dritter Generation von der Familie Sandschulte betrieben.

Bereits 1850 stand in der Beckstraße 133 (später Beckstraße) ein Gasthaus Tivoli, betrieben von Hinrich Seedorf. 1886 eröffnete er eine Kegelbahn, 1887 wurde ein Gesellschaftsgarten angelegt. Mitte 1893 noch als Seedorfs Tivoli erwähnt, wechselt es im Laufe des Jahres wohl den Besitzer, firmiert jedenfalls im Dezember des Jahres als Meyers Tivoli. 1900 allerdings war Johann Seedorf, der in Pennigbüttel den Hof Puckhaber mit Gaststätte kaufte, Besitzer des Tivoli. 1901 verkaufte er es an Johann Tapking. Im April 1904 zelebrierte der ein Jahr zuvor gegründete Pyramiden- und Athletenklub Siegfried im Tivoli seinen ersten öffentlichen Auftritt. Angespornt durch Erweiterungspläne seiner Nachbarin Wohltmann, Besitzerin der Centralhalle, kaufte Tivoli-Besitzer Friedrich Dreyer 1907 seinem rechten Nachbarn, dem Landwirt Hinrich Spreen, für 1.400 Mark einen Teil des Gartens ab, um den Saal ebenfalls zu vergrößern. Im selben Jahr gründeten 160 Einwohner im Tivoli den Scharmbecker Bürgerverein. 1910 ging das Tivoli per Zwangsversteigerung für 50.000 Mark an Johann Tapking, im selben Jahr werden Restaurant und Etablissement von Friedrich Wiegand übernommen. Der ehemalige Tivoli-Besitzer Dreyer kaufte 1911 das Restaurant “Worpsweder Hof” in der Bahnhofstr. 49. 1922 wurden säle und Klubräume von Martha Janssen übernommen, das Restaurant erlebte die Eröffnungsvorstellung eines “modernen Lichtspieltheaters”. 1928 übernahm Johann Helmers die Gaststätte. (Quelle: Menkhoff)

Am 1. Juli 1936 verkaufte Tapking das Tivoli an Angela und Bernhard Sandschulte. Während des Kriegsdienstes und der Kriegsgefangenschaft ihres Mannes führte Angela Sandschulte das Haus von 1939 bis 1949 alleine. 1940 traf eine der ersten Bomben auf Osterholz-Scharmbeck das Nachbargrundstück Am Deich, 1941 wurden Keller und großer Saal durch Hochwasser des Scharmbecker Bachs überschwemmt. Der große Saal wurde von 1942 bis 1945 als Notunterkunft für ausgebombte Bremer genutzt, der kleine Saal im 1. Stock als Kleiderkammer.

1946 wurde der Saal wieder eröffnet. 1952 bauten die Sandschultes das Tivoli zum Hotel um, 1964 wurde eine Kegelbahn eingerichtet. Der große Saal war von 1964 bis 1992 an eine Supermarktkette und später einen Restpostenmarkt verpachtet. Im Jahr 1971 übernahmen der 1938 geborene Herbert Sandschulte und seine Frau Doris das Tivoli von Herberts Eltern und erweiterten das Hotel 1975 auf 20 Zimmer mit Dusche und WC.

2004 übernahmen die Söhne der Besitzer, Bernd und Klaus Sandschulte, das Unternehmen und wandelten es zur Hotel Tivoli GmbH & Co. KG um, Geschäftsführerin wurde Andrea Nuckel. (Quelle: Webseite Hotel Tivoli)

 

Postkarte ca. 1920er-Jahre
(Verl. Heinrich Künne, Bremen ... thank you, Bob!)

1856 starb Friedrich Christian Heinrich August von Sandbeck als Letzter derer von Sandbeck “in fast ärmlichen Verhältnissen, weil er mit der Leitung des Gutes überfordert war”. Für 140.000 Thaler erwarb der Celler Bankier C. Hostmann das Gut. Quelle: Menkhoff

1957 gekauft von Friedrich Meyer. 1962 verkauft an den Dipl.-Volkswirt Hubertus Bultjer aus Bremen, der hier ein Agrarkulturinstitut plante.

Bultjer geriet 1964 in die Schlagzeilen, nachdem er in der nahe gelegenen “Weinstube Adam” auf seine Lebensgefährtin Liselotte Thomsen einstach. Er war in Folge der aufwändigen Restaurierung des Gutes in finanzielle Schwierigkeiten geraten, Petroleum-Behälter auf dem Gut führten zu der Annahme, dass er das Gutshaus abbrennen wollte. Das Gut wurde im März 1966 zwangsversteigert, das einzige Gebot über DM 380.000.- kam von der Iduna-Versicherung. Als diese Pläne schmiedete, die historischen Gebäude abzureißen und durch 8-geschossige Hochhäuser zu ersetzen, kaufte die Stadt der Versicherung das Gut samt 29.930 m² Grundstück 1975 für DM 380.000.- ab. Quelle: Menkhoff

 

Jewish graveyard Osterholz-Scharmbeck

Plan and tomb positions (incomplete)

The Jewish graveyard on “Klosterkamp” (location more photographs) dates back to the mid 1700’s, over 100 years prior to the construction of the neighbouring railway line. The last burial took place in 1939. As a result of the desecration by the Nazi’s, it is not possible to determine the exact number of graves present. According to the Heidelberger Zentralarchiv zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland there are 74 gravestones. This information was provided following research undertaken by Klaus-Peter Schulz in 1968-69. In 1997 Klaus Beer documented 71 individual gravestones as well as 2 family tomb stones for 76 plots. In 2000, there were 2 missing gravestones (source: Beer). Other sources refer to 75 graves dating from between 1854 and 1935 (source: Obenaus).
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Belegungsplan (noch unvollständig)

Der Jüdische Friedhof am Klosterkamp (Standortmehr Fotos …) entstand Mitte des 18. Jh. auf damals freiem Feld, mehr als 100 Jahre vor Inbetriebnahme der benachbarten Eisenbahnstrecke. Die letzte Bestattung fand 1939 statt, die Gesamtzahl der Gräber ist nach der Verwüstung im “3. Reich” nicht mehr zuverlässig zu klären. Eine Auflistung des Heidelberger Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland gibt 74 Grabsteine an, vermutlich auf Basis einer Dokumentation durch Klaus-Peter Schulz aus den Jahren 1968-69. K. Beer fand 1997 noch 71 Grabsteine für 76 Grabstellen und 2 Familiengrabsteine vor, im Jahr 2000 fehlten davon 2 Steine. (Quelle: Beer) Andere Quellen sprechen von 75 Grabsteinen aus den Jahren 1854-1935. (Quelle: Obenaus)
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Dr. Richard Cohen (1872-1938) war zu Beginn des 20. Jh. über 30 Jahre lang ein angesehener Arzt und Lokalpolitiker in Scharmbeck. Im Nationalsozialismus wurde er entrechtet und in den Freitod getrieben.

Richard wurde als siebentes Kind der Eheleute Meyer Cohen und Elise Cohen (geb. Hattendorf) geboren, die in der Hohetorstraße 14 (damals Nr. 51, gegenüber der Einmündung Neue Straße) einen Manufakturladen besaßen. Sein Vater war ein eingesessener Kaufmann in Osterholz, aktiv im Schützenverein und einer der Mitbegründer des Erntefestes. Vier von Richards Geschwistern starben im Kindesalter, sein ältester Bruder Alfred (1864-1942) übernahm das elterliche Geschäft in Osterholz und der zweitälteste Bruder Siegmund (1871-1939) den Manufakturladen Ehlen in der Bahnhofstraße 37.

Richard besuchte nach der jüdischen Elementarschule in der Bahnhofstraße eine höhere Schule in Bremen. Danach studierte er Medizin in Berlin und promovierte dort auch. Er ließ sich dann als Arzt in Ritterhude nieder, übernahm aber wenig später im Jahr 1899 die Praxis des verstorbenen Dr. Neander in Scharmbeck in der späteren Marktstraße 5.

Richard war deutsch und vaterländisch orientiert, flaggte bei öffentlichen Anlässen schwarz-weiß-rot und meldete sich im 1. Weltkrieg freiwillig. An der französischen Front diente er als Sanitätsrat und wurde mit dem Eisernen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. 1917 wurde er in Scharmbeck zum Bürgervorsteher 2. Klasse gewählt und 1919 erlangte die Bürgerliche Liste mit dem Spitzenkandidaten Dr. Cohen bei der Wahl zur Scharmbecker Gemeindevertretung 9 von 15 Sitzen, Cohen wurde auch in den Kreistag gewählt. Als eine neue Ortsverfassung das Bürgervorsteherkollegium 1920 auf eine Ebene mit dem Magistrat hob, wählte es Cohen zu seinem Wortführer.

1938 wurde Dr. Cohen Berufsverbot erteilt, er starb verarmt und seelisch gebrochen an den Folgen eines Suizids am 8. April in Bremen. Quelle: Menkhoff

 

Die 1868 eingeweihte und 1928 nach ihrem Stifter benannte Grundschule Menckeschule des ehemaligen Fleckens Scharmbeck (heute Osterholz-Scharmbeck) bietet verlässliche Öffnungszeiten für alle Jahrgänge. Seit 2006 gehört auch der Schulkindergarten Lindenstraße zur Menckeschule.

Als Mitglied im Kooperationsverbund Hochbegabtenförderung fördert die Grundschule Menckeschule besonders begabte Kinder in den Bereichen Naturwissenschaften, Sprache und Theater. 1993 wurde ein Verein zur Förderung der Menckeschule gegründet.

Geschichte

Bereits um 1860 war die erst 1824 errichtete Schule des Fleckens Scharmbeck (heute Marktstraße 7) chronisch überfüllt, so dass Schulklassen ausgelagert werden mussten. Der in der Scharmbecker Koppelstraße geborene und in Berlin zu Wohlstand gekommene Johann Mencke entschloss sich bei einem Weihnachtsbesuch im Jahr 1864, dem Flecken Scharmbeck eine neue Schule zu stiften, die “ansehnlichen Eindruck” hinterlassen sollte. Auf seine Initiative erwarb die Gemeinde das Gelände an der Teichstraße, wo das gerade erst errichtete Haus des Schuhmachermeisters Martin Heilshorn abgebrochen und an der Bahnhofstr. (später Nr. 52) neu errichtet werden musste. Mencke stiftete insgesamt 7.000 Reichsthaler, von denen 2.500 für den Grundstückskauf benötigt wurden. Das Schulhaus mit 6 Klassenzimmern und einer Wohnung für den Hauptlehrer J. Bremer wurde von Baumeister Friedrich Steeneck erbaut und am 4. November 1868 feierlich eingeweiht.

1904 wurde in den Räumen der Schule die Kaufmännische Fortbildungsschule gegründet, die auch von Rektor Lodders geleitet wurde. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. I, R. Meenkhoff, 2004)

Anlässlich ihres 60. Geburtstages erhielt die Scharmbecker Volksschule am 4. November 1928 den Namen Menckeschule.
(Quelle: R. Menkhoff: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Band 1 und J. Segelken: Heimatbuch – 1938)

Schulleiterinnen und Schulleiter
1868 erfolgte die Schlüsselübergabe an den ältesten Schulvorsteher Schlichtermann.
1897-1904 Fritz H. Lüdemann (1904 mit 59 J. verstorben)
1904-1922 Ernst Lodders (von der Mittelschule in Stade, 1922 verstorben)
1923-1947 Wilhelm Vagts
1947- Dr. Walter Stache
2009 Gudula Thurm-Meyer (komm.)

 

1626 erbaut, heute Hundestraße 11.

1924 wurde das Altdeutsche Haus vom Kreis Osterholz gekauft, um das vorhandene Heimatmuseum weiter auszubauen. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

 

1997 wurde an der ehemaligen Fehsenfeldschen Mühle im Verlauf des Scharmbecker Baches an der Teichstraße wieder ein Mühlrad installiert. Das ca. 2 to. schwere Mühlrad war in Steden hergestellt worden.(Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)

 

Das “Haus am Barkhof” ist ein privates Senioren- und Pflegeheim mit neurologischem Fachbereich.

Am 1.1.1993 wurde der Betrieb aufgenommen. (Quelle: Chronik von Osterholz-Scharmbeck Bd. II, R. Meenkhoff, 2009)