
Ernst Davidsohn
Ernst Davidsohn (1891-1942) war ein Sohn der alteingesessenen und angesehenen
Kaufmannsfamilie Davidsohn in Scharmbeck. Im Nationalsozialismus wurde er entrechtet, in ein Konzentrationslager gesperrt und 1942 ermordet.
Ernst wurde am 27. Juli 1891 als Sohn von Sally Davidsohn und dessen Frau Toni (geb. Goldschmidt aus Harpstedt) geboren. Sein jüngerer Bruder Johan (“John”, geb. 1904) wurde bereits im November 1934 als 30-jähriger Referendar von 40-50 Männern zusammengeschlagen, in “Schutzhaft” genommen und nach Berlin gebracht, nachdem er mehrere Flugblätter, die zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen, entfernt hatte.
Nach der sog. Reichspogromnacht (9./10. November 1938), in deren Verlauf SA-Männer nach der vereitelten Brandstiftung an der ehemaligen Synagoge in die Wohnungen ansässiger Juden eindrangen und u. a. Ernsts jüngere Schwester Ilse (geb. 1906) schwer verletzten, wurden Ernst und sein Bruder John in “Schutzhaft” genommen. John flüchtete noch im gleichen Jahr in die USA. Ernst musste am 6. Dezember 1938 seinen Führerschein, dessen Besitz Juden nunmehr untersagt war, bei der Polizei abgeben.

Polizeiprotokoll betr. 'Schutzhaft'
Dem seit 1933 von den Nationalsozialisten organisierten, u. a. mit Plakaten und uniformierten Wachen vor den Geschäften durchgesetzten Boykott jüdischer Geschäfte hielt das Unternehmen zunächst stand, erst das völlige Verbot jüdischer Geschäftstätigkeit führte 1939 zur Geschäftsaufgabe, das Bekleidungshaus wurde von Heinrich von Seggern übernommen. Ernst musste mit seiner Mutter Toni und seiner Schwester Ilse in sein zuvor von John bewohntes Haus in der Bahnhofstraße 84 ziehen. 1939 mussten die Davidsohns dort die Familie ihres ehemaligen Konkurrenten
Alfred Cohen als Mieter aufnehmen, die auf Grund des
Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden vom 30. April 1939 von der Stadtverwaltung unfreiwillig zum Umzug genötigt wurden. Die Immobilie in der Bahnhofstraße verkaufte Toni im Januar 1941, bevor sie mit Ilse in ein Bremer Judenhaus in der Wiesbadener Straße umzog.
(Quelle: Murken)
Ernst wurde am 18. November 1941 mit 569 seiner Leidensgenossen (440 aus Bremen und 130 aus dem Regierungsbezirk Stade) am Bremer Lloydbahnhof zusammengetrieben und über Hamburg, wo weitere 407 Juden aus Hamburg und Umgebung zusteigen mussten, nach Minsk verfrachtet. Dort kam er am 23. November an, sein weiteres Schicksal ist nicht bekannt. Er kam entweder bereits im ersten Winter im Ghetto von Minsk oder 1942 im Rahmen der Massentötungen durch Vergasen oder Erschießen ums Leben.
Eintrag im Gedenkbuch beim Bundesarchiv
Davidsohn, Ernst
* 27. Juli 1891 in Osterholz-Scharmbeck
wohnhaft in Osterholz-Scharmbeck
Deportation:
ab Hamburg
18. November 1941, Minsk, Ghetto
Todesdatum:
28. Juli 1942, Minsk, Ghetto
