Die noch heute in der St. Willehadi-Kirche gespielte Orgel wurde 1731-1734 von Erasmus Bielfeldt, einem Schüler von Arp Schnitger, gebaut. Dem renommierten Orgelsachverständigen und Organisten Prof. Harald Vogel zur Folge ist “ein solches original erhaltenes Instrument … einzigartig”. (Quelle: Hamme Report 28.1.2009)

Nach Angaben der Kirchengemeinde St. Willehadi ist die Orgel das vollständigste und klanglich am besten erhaltene Werk aus der Schnitger-Schule und gehört damit zu den wichtigsten historischen Orgeln Deutschlands aus der Zeit von Johann Sebastian Bach.

1731 wurde mit Bielfeldt ein Vertrag zum Bau einer zweimanualigen stattlichen Orgel in der St. Willehadi-Kirche abgeschlossen. Der Orgelbaustil Bielfeldts besteht aus einer Mischung der Bauweisen von Dropa und Schnitger und zeigt auch eigene Stilmerkmale wie den hohen Bleianteil im Pfeifenwerk und einen weichen, singenden Klang. Der Gesamtklang (das „Plenum“) ist milder und gleichzeitig farbiger als bei Schnitger. Beim Kirchenneubau 1745/46 stellte Bielfeldt die Orgel auf der heute noch vorhandenen Orgelempore auf, wodurch eine gute Klangabstrahlung in den Raum entstand.

1767 erweiterte der Stader Bielfeldt-Schüler Dietrich Christoph Gloger das Instrument um eine Vox humana. Für dieses damals modische Register wurden die Windlade und das Gehäuse des Hauptwerkes erweitert. 1870 erneuerte der Stader Orgelbauer Johann Hinrich Röver die Windladen des Pedals nach einem Wasserschaden und ersetzte die Vox humana durch eine Gedackt 8′. 1917 mussten die aus reinem Zinn hergestellten Prospektpfeifen im mittleren Manualgehäuse (Principal 8′ aus dem Hauptwerk) als Kriegsspenden abgeliefert werden. 1935 wurden sie im Rahmen einer Restaurierung durch die Orgelfirma Wetzel aus Hannover provisorisch aus Zink ersetzt. Der Grundcharakter der Orgel, vor allem die außergewöhnlich gut erhaltene Intonation des sehr vollständig überlieferten Pfeifenwerks, wurde bei den Arbeiten von Wetzel nicht angetastet.

1970-1972 wurde das Instrument nach den Plänen der Orgelsachverständigen Harald Vogel und Franz Lengemann behutsam restauriert, ohne dass Originalteile verändert wurden. Die Orgelbauer Harry und Guntram Hillebrand (Hannover) rekonstruierten die Pedalwindladen, die Pedalklaviatur und die fehlenden Pfeifen. Erstmals in Niedersachsen wurde eine konsequente Restaurierung und Rekonstruktion der technischen Anlage und des Pfeifenwerks im Sinne des Erbauers durchgeführt. 1974 wurde die 1931 eingebaute moderne Balganlage unter Verwendung alten Materials durch drei Keilbälge ersetzt. 2004 baute Martin Hillebrand das Pfeifenwerk und die Zinnpfeifen im Prospekt des Hauptwerkes wieder ein. 2008/2009 musste die Firma Hillebrand die auf Grund ihres hohen Bleigehaltes teilweise eingeknickten 14 Prospektpfeifen auf dem südlichen Pedalturm reparieren.

 

Willehadi-Kirche in Osterholz-ScharmbeckBereits im Jahr 850 wurde am Scharmbecker Markt aus Holz die älteste Kirche der Gegend gebaut und erhielt den Namen des ersten Bremer Bischofs, des Heiligen Willehad. Von der 1150 neu errichteten Kirche aus Feldsteinen sind die Turmmauern bis heute erhalten. Das Kirchenschiff wurde 1745 durch ein wesentlich größeres Gebäude ersetzt, das bis heute erhalten ist. 1883 mussten die vier kleinen Ecktürmchen des Turmes von Maurermeister Johann Steeneck wegen Einsturzgefahr entfernt werden. Die kleine Glocke und die Uhrschlagglocke wurden 1915 für die Kriegsindustrie geopfert.

Eine 1678 von Arp Schnitger für 250 Reichsthaler gebaute Orgel wurde 1734 durch das noch heute gespielte und vom Schnitger-Schüler Erasmus Bielfeldt gebaute Instrument ersetzt, die sog. Erasmus Bielfeldt Orgel. Dem renommierten Orgelsachverständigen und Organisten Prof. Harald Vogel zur Folge ist “ein solches original erhaltenes Instrument … einzigartig”. Es sei das vollständigste und klanglich am besten erhaltene Werk aus der Schnitger-Schule und gehöre zu den wichtigsten historischen Orgeln Deutschlands. (Quelle: Hamme Report 28.1.2009)
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